11.3.-8.11.15 Glyptothek

Holz von 123gif.de11.03.-08.11.15 Im Zentrum der Macht
Holzmodelle des Forum Romanum in republikanischer und augusteischer Zeit. Sonderausstellung in der Glyptothek

Das Forum Romanum war über Jahrhunderte das politische und geographische Zentrum der römischen Res Publica. Dort stand der „goldene Meilenstein“ als Referenzpunkt für alle Wege, die bekanntlich nach Rom führten. An diesem Ort befanden sich aber vor allem die entscheidenden Institutionen, von denen aus das Imperium Romanum regiert wurde. Die Stadt Rom erfuhr insbesondere in ihrem Zentrum, dem Forum, baulich einschneidende Veränderungen gerade um die Zeitenwende, als die Führung des Staatswesens aus den Händen einer aristokratischen Oberschicht in die von Einzelpersonen überging. Unter der Leitung von Martin Boss entstanden an der Universität Erlangen zwei Holzmodelle des Forum Romanum in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit. Diese aufwändigen Arbeiten werden in der Sonderausstellung „Im Zentrum der Macht“ erstmals in München gezeigt. Durch sie wird im wörtlichen Sinne mit Händen greifbar, wo Weltgeschichte gestaltet wurde. 

Heute findet der Rombesucher vor Ort ein verwirrendes Nebeneinander von Ruinen aus unterschiedlichen Jahrhunderten vor, deren ursprüngliche Gestalt er sich zudem vielfach kaum vorstellen kann. Im Kontext der Marmorporträts römischer Amtsträger aus dem Bestand der Glyptothek können hingegen in der Sonderausstellung nicht nur Schülerinnen und Schüler der alten Sprachen, sondern alle historisch Interessierten anhand der hier gezeigten Anschauungsmodelle nachvollziehen, wie das Zentrum der Macht architektonisch gestaltet war, als Schauplatz profaner, politischer und oft kaum davon zu trennender religiöser Ereignisse. Denn auf dem Forum Romanum gab es nicht nur Tempel und politische Versammlungsstätten, die gleichfalls unter dem Schutz der Götter standen. Vielmehr war es zu allen Zeiten ein lebendiger Platz auch für Händler und Geschäfte; dort konnten die Bürger nicht nur einkaufen oder flanieren, sondern hier präsentierten sich auch – sei es persönlich, sei es vertreten durch ihre Statuen – die politischen Akteure der ausgehenden Republik ihren Mitbürgern: Pompeius und Cicero, Caesar und Augustus. Auf dem Forum wurden Tote wie der ermordete Diktator Caesar aufgebahrt, und feierliche kultische Umzüge liefen über den Platz, der bis zum Bau eines Amphitheaters auf dem Marsfeld sogar Austragungsort von Gladiatorenspielen war.

Das Forum war schließlich auch keine sterile Marmorwüste, sondern dort standen Feigenbäume, Weinstöcke, Ölbäume und andere Pflanzen. Die herausragende Bedeutung des Platzes erschloss sich schon aus der Tatsache, dass er nicht nur über die breite Via Sacra – Schauplatz der Triumphzüge römischer Imperatoren – zu erreichen war, sondern auch zahlreiche Stichstraßen die Bürger dorthin führten.

Der Wandel der baulichen Ausgestaltung des Platzes, den die Besucher in den beiden Modellen nachvollziehen können, macht auch die politischen Veränderungen im alten Rom in der Zeit um Christi Geburt sinnfällig: Seit der Regierungszeit des Augustus verstellten der Augustusbogen und der Tempel für seinen Stiefvater, den vergöttlichten Caesar, den Blick auf Regia und Vestatempel, die altehrwürdigen Kultbauten also, in denen die für den Fortbestand Roms wichtigsten Gegenstände verwahrt wurden: Für alle sichtbar garantierte nun das Kaiserhaus allein die Existenz des Staates.
Pressekonferenz: Mittwoch, 11.3.2015, 11 Uhr
Eröffnung: Mittwoch, 11.3.2015, 19 Uhr

Anschrift:
Glyptothek
Königsplatz 3
80333 München
Telefon (089) 28 61 00
Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10 – 17 Uhr, Donnerstag 10 – 20 Uhr
www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de; info@antike-am-koenigsplatz.mwn.de

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