23.7.-11.10.15 Rudolf von Alt

Malen von 123gif.de23.7.-11.10.15 Rudolf von Alt: „…Genial, lebhaft, natürlich und wahr. Der Münchner Bestand und seine Provenienz. Staatliche Graphische Sammlung München in der Pinakothek der Moderne

Rudolf von Alt (1812–1905) ist einer der bekanntesten österreichischen Künstler des 19. Jahrhunderts. Schon als Schüler seines Vaters Jakob spezialisierte er sich auf Landschaften und Städteansichten – Veduten – und blieb diesem Genre in seiner fast achtzigjährigen Schaffenszeit verpflichtet.

Der Bestand der Staatlichen Graphischen Sammlung München, der bedeutendste außerhalb Österreichs, wurde bislang noch nie umfassend präsentiert. Neben außergewöhnlich detaillierten Aquarellen aus allen Schaffensphasen bietet er zahlreiche Skizzen, die einen unmittelbaren Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers ermöglichen.

Wer sich die Muße nimmt, die Details von Rudolf von Alts Bildern zu durchwandern, wird mit besonderen Erlebnissen belohnt. Er entdeckt nicht nur die Gegenden und Orte des versunkenen k. u. k. Reiches, sondern Bilder eines Malers, »der technisches Können mit Seele und Herzensgüte verbindet«, wie es der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser einmal formulierte. Dabei ist Alts Modernität zu erleben, die in seiner Beobachtungsgabe und seinem Willen liegt, die hergebrachte Vedute neu zu denken, indem er mit seiner unverkennbaren, fast fotorealistisch wirkenden Malweise ungewöhnliche Blickwinkel komponierte und das alltägliche Treiben in den Vordergrund stellte.

Ein großer Teil der Werke in der Staatlichen Graphischen Sammlung München stammt, wie wir heute wissen, aus dem Eigentum der Tochter des Künstlers. Weitere wichtige Aquarelle befanden sich in Wiener Privateigentum, darunter auch später beschlagnahmte jüdische Sammlungen. Ein von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin (heute: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste) gefördertes Projekt untersuchte die Herkunft der 617 Zeichnungen und Aquarelle, die 1959 »aus ehemaligem NS-Besitz« an die Graphische Sammlung überwiesen worden waren.

Einige dieser Werke stehen nun – als Ergebnis des Forschungsprojekts – vor der Restitution, für andere Bereiche des Alt-Bestandes der Graphischen Sammlung bleiben jedoch weiterhin Lücken in der Provenienz und viele Fragen ungeklärt. Wieder einmal zeigt es sich, dass Provenienzforschung nicht immer eindeutige und schnelle Lösungen bereithält, wobei sich das Werk Rudolf von Alts wegen zahlreicher eigenhändiger Repliken und Varianten als besonders tückisch für die Provenienzforschung erweist. Die Herkunft zahlreicher Aquarelle und Zeichnungen konnte aber dank der tiefgreifenden Recherchen näher beleuchtet und umfassend dokumentiert werden. Auch die Geschichte des Kunsthandels und des Kunstraubs in Wien zwischen 1938 und 1945 kann hier erstmals detaillierter aufgezeigt werden. Diese Aspekte werden in der Ausstellung ebenfalls vorgestellt.

Am Tag der Eröffnung, 22. Juli, veranstaltet das Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München, ein Kolloquium »Provenienz- und Sammlungsforschung«; Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München, 14.20–18.00 Uhr.

Es erscheint ein Katalog im Deutschen Kunstverlag, Berlin/München, der maßgeblich von der Ernst von Siemens-Kunststiftung gefördert wurde, ca. 320 Seiten mit ca. 250 farbigen Abbildungen, € 44,90 (im Buchhandel)

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