23.6.-18.10.15 Warholmania

23.6.-18.10.15 YES!YES!YES! WARHOLMANIA IN MUNICH. Präsentiert von Glenn O’Brien und Katja Eichinger
Eine Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem Filmfest München

Malen von 123gif.de„Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ ist eine Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem Filmfest München, in der das malerische und filmische Werk Andy Warhols vorgestellt wird. In seiner überbordenden Produktivität dringt die Figur Warhol jedoch weit über die Malerei und den Film in die unterschiedlichsten künstlerischen und gesellschaftlichen Bereiche vor: Er war auch Werbegraphiker, Buchillustrator, Musikproduzent; er gründete mit „Interview“ ein Lifestyle Magazin und etablierte in den späten 1970er Jahren – lange vor MTV – eine eigene Fernsehsendung, mit der er den Geist von Punk und New Wave einfing. So gelang es Warhol, gleichermaßen zum Liebling der Hochkunst und des Massengeschmacks, des Auktionsmarkts und der Subkultur zu werden. Mit der Ausstellung und den Begleitveranstaltungen wird das gesamte Spektrum von Andy Warhols Schaffen, das unser Verständnis von Kunst nachhaltig verändert hat, sichtbar.

Das Museum Brandhorst zeigt im Rahmen von „Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ erstmalig seine gesamten Bestände von Andy Warhol. Mit weit über 100 Werken bewahrt das Museum Brandhorst eine der weltweit bedeutendsten Warhol-Sammlungen. In chronologisch und thematisch angeordneten Räumen werden zentrale Entwicklungen seines Werks nachvollzogen: Beginnend mit Zeichnungen und Büchern der 1950er Jahre bis hin zu seinem Medien übergreifenden Spätwerk der 1980er Jahre spannt „Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ einen retrospektiven Bogen.

Warhols frühe Zeichnungen, die sich noch an seiner Beschäftigung als Werbegrafiker orientieren, werden gemeinsam mit einer Auswahl nicht- kommerziell gestalteter Künstlerbücher dieser Zeit präsentiert. In seinen Ikonen der 1960er-Jahre wie „Liz“ (1964) oder „Marilyn“ (1967) zeigt sich Warhols lebenslange Faszination für die Licht- und Schattenseiten des Starkults. Auch wenn nicht vordergründig artikuliert, so legt der Zeitpunkt der Bildentstehung nahe, dass Warhol sich insbesondere für letztere interessierte: Zu seinem ersten „Marilyn“ Bild beispielsweise entschloss er sich erst nach deren Suizid.

Dieser Aspekt seines Werks wird in der Reihe „Death and Disaster“, von denen das Museum Brandhorst mit „Mustard Race Riot“ (1963) ein herausragendes Beispiel besitzt, noch deutlicher. Medienbilder von den Rassenunruhen der 1960er Jahre in den USA wurden dafür in serieller Reihung auf den monochromen Leinwandgrund aufgebracht.

Warhol revolutionierte die Malerei, indem er Bildvorlagen aus Werbung und Zeitschriften für seine Gemälde verwendete. Zentral war dafür die Entdeckung des Siebdruckverfahrens in den frühen 1960er-Jahren, welche die bis dahin gültige Unterscheidung von Hochkunst und Kommerz ebenso ins Wanken brachte, wie es die Frage nach Unikat und Kopie stellte. Mit dieser technischen Innovation begann in Warhols Schaffen eine Phase großer Experimente, die sich auch in die 1970er- Jahre hinein fortsetzen. Beispielhaft hierfür sind die aufwendig collagierten Siebdrucke „Ladies and Gentlemen“ (1975), die auf von Warhol selbst aufgenommenen Fotografien von Transvestiten basieren. Deren in Siebdrucktechnik reproduzierte Gesichter sind unterlegt mit ausgerissenen farbigen Papieren, die nur in etwa den gezeigten Gesichtspartien entsprechen. Die Inkongruenz der abstrakten und figurativen Formen, die zu überdimensionierten Mündern und beinahe grotesk anmutenden Augenpartien führt, pointiert die Maskerade des Transvestiten-Daseins. In ihrer Fixierung auf die künstliche Erscheinung werden die Transvestiten für Warhol zu Ikonen ihrer Zeit, zu Darstellern eines nicht enden wollenden, abgründigen Rollenspiels, denen jedoch im Gegensatz zu den von ihnen imitierten Stars nur am Rand der Gesellschaft Platz eingeräumt wird.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt Warhols Auseinandersetzung mit Abstraktion, die sich in klarer Abgrenzung zu den Abstrakten Expressionisten, Warhols unmittelbarer Vorgängergeneration, vollzog. Den „Shadow Paintings“ der späten 1970er-Jahre, düsteren und verführerischen Darstellungen von Schatten nicht definierbarer Gegenstände, die die für Warhol so relevante „Entleerung der Zeichen“ auf die Spitze treiben, ist ein eigener Raum gewidmet. Die „Camouflage Paintings“ (1986) und das großformatige „Oxidation Painting“ (1978), mit dem er die expressionistische Veräußerung des Künstlers ironisiert, werden im Kontext von Warhols erweiterter Bildproduktion der späten 1970er- und frühen 1980er- Jahre präsentiert. In dieser Zeit war Warhol mit der gezielten Vermarktung von Starporträts zum „Hofmaler“ der Kunst- und Modewelt avanciert. Die Portraits von (mehr oder weniger bedeutenden) Figuren seiner Zeit – beispielsweise der Kunsthändlerin Pat Hearn – bezeugen seine Faszination für das Phänomen der „Celebrities“ ebenso sehr wie die bahnbrechenden Fernsehsendungen aus den Jahren 1979 bis 1987, die parallel dazu gezeigt werden. Gerade in diesen beiden Werkgruppen wird seine Faszination für und Fixierung auf Oberfläche und Erscheinung, auf Selbstdarstellung und Selbstinszenierung deutlich, die sich in den ironischen, expressiven Gesten der großformatigen Malerei widerspiegelt.

Im großen Medienraum des Museums Brandhorst wird zudem „Lupe“ (1965) gezeigt, eine zweikanalige Filmprojektion, die eine der Warhol-Musen ins Zentrum stellt: Edie Sedgwick in der Rolle der mexikanischen Schauspielerin Lupe Vélez. Vélez war eine extravagante Hollywood-Darstellerin der 1930er und 1940er Jahre, die sich schwanger im Alter von 36 Jahren das Leben nahm. Ähnlich seinen Portraits von Marilyn Monroe, war es bei „Lupe“ nicht nur Vélez‘ Starpersona, die ihn interessierte, sondern gerade auch ihr Lebenslauf, der in dem tragischen Bild ihres Selbstmords kulminiert. Diese düstere Seite von Andy Warhols Schaffen ist auch der konzeptuelle Ausgangspunkt für die Sammlungspräsentation „Dark Pop“, die auf der Eingangsebene des Museum Brandhorst Warhols Schlüsselposition in der Geschichte der Pop Art und des Neo-Pop markiert.

Der kleine Medienraum des Museums ist Glenn O’Brien gewidmet, einem engen Mitarbeiter und Kollegen Andy Warhols: O’Brien, ehemaliges Mitglied von Warhols „Factory“ und erster „Interview“ Chefredakteur, hatte 1978, also bereits kurz vor Andy Warhol, eine eigene Fernsehsendung in einem der öffentlichen amerikanischen Kabelfernsehkanäle ins Leben gerufen. „Glenn O’Brien’s TV Party“, die bis 1982 lief und aus der Ausschnitte gezeigt werden, war als klassisches „Late Night“-Format mit Studioband und Studiogästen konzipiert. Neben einer illustren Gästeliste – von David Bowie über Jean-Michel Basquiat bis hin zu Iggy Pop und Steven Meisel – bestach die „TV Party“ vor allem durch den Bruch zahlloser Konventionen: Man rauchte vor laufender Kamera Joints, die Showeinlagen wirkten überwiegend improvisiert, von einer choreographierten Dramaturgie war die Sendung weit entfernt. Trotzdem, oder gerade dadurch, ermöglichte die Sendung etwas nie davor Dagewesenes: Ein großes und den Machern weitgehend unbekanntes Publikum mit einer bewusst subversiven Alternative von Fernsehen zu erreichen und gleichzeitig unser Verständnis von Kunst grundlegend zu erweitern – Gedanken die O‘Briens Vorhaben eng mit Warhols eigenem Ansatz verbinden.
Am Abend der Ausstellungseröffnung (27. Juni 2015), werden ab Mitternacht auf ARD-alpha sechs Folgen von Glenn O’Brien’s TV Party ausgestrahlt – mit Einblendungen und Kurzinterviews von der Eröffnung im Museum Brandhorst.

Parallel zur Ausstellung präsentieren Glenn O’Brien und die Autorin Katja Eichinger gemeinsam mit dem Filmfest München (25. Juni – 04. Juli 2015) und in Zusammenarbeit mit dem Andy Warhol Museum Pittsburgh, USA, eine weitreichende Hommage an Warhols filmisches Schaffen. Zudem wird in einer gesonderten Filmreihe auf Warhols Einfluss auf Filmemacher wie Sofia Coppola und Harmony Korine hingewiesen.


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