26.2.–14.9.14 Im Glanz des Hephaistos

26.2.–14.9.2014 Staatliche Antikensammlungen Königsplatz Sonderausstellung „Im Glanz des Hephaistos – Antike Schätze in den Antikensammlungen“

Antike Gold- und Silberschmiede, Toreuten und Steinschneider, Glas- und Tonbildner schufen Kunstwerke von zeitloser Schönheit und handwerklicher Perfektion. Manche ihrer Arbeiten standen den Werken der im großen Format arbeitenden Bildhauer, Tafelmaler
und Mosaizisten nicht nach. Doch die Künstler bleiben für uns fast immer namenlos. Sie haben ihre Werke nur selten signiert, und kaum einmal hat ein antiker Schriftsteller ihre Namen festgehalten.

Im Altertum fasste man die Tätigkeit dieser „Kunsthandwerker“ unter dem Begriff „Technik“ (griechisch τέχνη – Kunstfertigkeit) zusammen. Von zeitgenössischen Autoren, wie etwa dem Philosophen Aristoteles, erfuhren sie Geringschätzung. Die Handwerker, die oft keine freien Bürger waren und ihren Lebensunterhalt durch körperliche Arbeit verdienen mussten, bezeichnete man im antiken Griechenland als Banausen (griechisch βάναυσος – der am Ofen Arbeitende), was bald wurde zur Bezeichnung für (Kunst-) Handwerker im Allgemeinen wurde. Ihr eigenes Selbstverständnis mag – wie bei den Vasenmalern – ein anderes gewesen sein.

Die Scheidung zwischen Kunsthandwerk und Kunst ist oft schwierig, die Übergänge sind fließend. Manches wurde seriell gefertigt, andere Werke waren originelle Einzelstücke. Auf jeden Fall wird man den kleinformatigen Arbeiten nicht gerecht, wenn man in ihnen bloß einen Abglanz der großen Relief- und Freiplastik sieht. Mögen auch viele Tonfiguren und Bronzestatuetten von monumentalen Skulpturen angeregt sein, so lässt sich doch in zahlreichen Fällen auch das umgekehrte Phänomen beobachten, dass nämlich die großformatige Kunst ihre Vorbilder aus der Kleinkunst entlehnte. Einige der hier gezeigten Kleinplastiken stellen gewiss eigenständige Bildentwürfe dar.

Auch wenn die Kostbarkeit des Materials wohl den Ausschlag für die Höhe des Kaufpreises gab, während die Arbeitskraft vergleichsweise sehr billig war, so erfuhren doch viele dieser Arbeiten eine hohe Wertschätzung. Durch kostbaren Schmuck wie durch reich verziertes Tafelgeschirr oder prächtige Waffen trachtete der Besitzer danach, seine Umwelt zu beeindrucken und sich von anderen abzuheben. Der Schmuck eines Gerätes konnte soweit überhand nehmen, dass die Funktionsfähigkeit dadurch ernstlich eingeschränkt wurde.

Solche prestigeträchtigen Luxusartikel konnten als Auszeichnung von Herrschern an verdiente Untertanen verschenkt werden. In gleicher Weise eigneten sie sich als wertvolle Weihgaben für eine Gottheit. Viele Arbeiten wurden weit entfernt von den Produktionsstätten gefunden. Eine „exotische“ Herkunft steigerte den Wert noch einmal. Wohlhabende und Mächtige wollten damit ihren privilegierten Status sichtbar dokumentieren. So wanderten viele dieser Objekte über große Entfernungen zu ihrem Bestimmungsort.

Auch einfachen Leuten gefiel, womit sich die Aristokraten umgaben. So entstanden für den kleinen Geldbeutel oft Nachbildungen aus dem billigen Ton. Mit Farben und Glanzton imitierte man wertvollere Materialien.

Die großartigsten Kunstwerke schrieben die Griechen dem Schmiedegott Hephaistos zu. Er soll sie für die übrigen olympischen Götter gefertigt haben. Der Hässliche schuf die schönsten Dinge. Die Handwerker und Künstler verehrten ihn deshalb neben Athena als ihren Schutzpatron. Allein in Athen wurden drei bedeutende Feste zu seinen Ehren gefeiert.

Die Staatlichen Antikensammlungen besitzen eine der weltweit herausragenden Sammlungen antiker Kleinkunst. Manche der hier gezeigten Objekte wurden wohl ursprünglich einer Gottheit geweiht, doch viele dienten primär einem praktischen Nutzen. Ihr figürlicher oder ornamentaler Schmuck hob sie freilich über die ursprüngliche Funktion hinaus. Unsere Ausstellung „Im Glanz des Hephaistos“ lässt die Phantasie und die atemberaubende Kunstfertigkeit antiker Künstler anschaulich werden.

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