Buch: Das Leben ist kurz…

12.09.2011 Blessing
Patrick Lapeyre

Das Leben ist kurz und voller Begierden

Originaltitel: La vie est brève et le désir sans fin. Aus dem Französischen von Dietlind Falk

288 S., 19,95 €, 20,06 € (A), 28,50 sFr. Geb./Schutzumschlag, 13,5 x 21,5 cm, ISBN: 978-3-89667-459-3

Patrick Lapeyre hat für diesen Roman 2010 einen der bekanntesten französischen Literaturpreise erhalten: den Prix Femina. Aus Lapeyres Feder fließt immer ein gerüttelt Maß an Melancholie, gewürzt mit klugem Humor. In „Das Leben ist kurz…“ steht eine Frau zwischen zwei völlig unterschiedlichen Männern. Louis Blériot ist ein Tagträumer, der mit einundvierzig Jahren immer noch von den Einkünften seiner Frau und vom Übersetzen technischer Texte in einem apathischen Vakuum lebt. Da ruft Nora an, die bis vor zwei Jahren und zwei Monaten seine Geliebte war, und avisiert ihre Rückkehr aus London. Man spürt deutlich, wie die große Apathie von Louis innerhalb von Sekunden kleine Geschichte wird.

Rasch stellt sich zwischen den beiden die alte Vertrautheit wieder ein, und ihre Leidenschaft erwacht aufs Neue. Das wäre der Moment des Handelns – aber ein bisschen Lahmarschigkeit ist bei Louis einfach genetisch. Seine Ohnmacht ist aber nicht ganz grundlos. Es gibt da nämlich noch einen Mann in Noras Leben: den Amerikaner Murphy Blondale, hyperaktiv, gewissenhaft und großzügig. Der Börsenmakler liebt die sphinxhafte, von einer Schauspielkarriere träumende Nora, mit einer ihn selbst verwirrenden Inbrunst.

Patrick Lapeyre stellt die schwindelnden Höhen und Tiefen dieses Ménage-à-trois (Dreiecksverhältnis) mit einer Mischung aus großem Einfühlungsvermögen und ironischer Distanz brillant dar. Man ist gerne gefangen, in dieser buchstäblichen Absurditätenfalle menschlicher Existenz. (RS)

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