Buch: König Ludwig II. hatte einen Vogel

2011 Stiebner-Verlag
Heinz Gebhardt

König Ludwig II. hatte einen Vogel …

Unglaubliche, aber wahre Geschichten über Bayerns Märchenkönig

192 S., 14,90 € (D), 15,30 € (A), über 130 Abb.. 20,5 x 13 cm. Gebunden, Schutzumschlag, ISBN 978-3-8307-1052-3

Ein gleichermaßen köstliches wie informatives Buch für alle, die immer schon (noch) ein bisschen mehr über König Ludwig II. erfahren und dafür nicht allzuviel Zeit aufwänden wollten. Heinz Gebhardt schreibt in spannender Lesart und schonungslos so manches Unbekannte, in offiziellen Quellen beschönigte oder unter den Tisch Gefallene über das Leben des „Kinis“. Die schreckliche Kindheit: Prügel, Hunger, Liebesentzug. Den Amtsantritt: Von Geld keine Ahnung, von der Welt nichts gesehen aber mit 18 Jahren König von Bayern: „Ein Goldfasan unter Haushühnern“, wie Graf Friedrich zu Eulenburg die Präsenz des jungen Königs, umgeben von mausgrauen VIP’s der Residenzstadt München, den aufgepuderten Hofdamen und dauergrinsenden Promis beschrieb. Ludwigs 259 chaotische Verlobungstage mit seiner Cousine Prinzessin Sophie, während er eigentlich in den Stallburschen Richard Hornig verliebt war – und sie in den Fotografen Edgar Hanfstängl… Sein Refugium in der „unseligen Stadt München“ hoch über dem Odeonsplatz, unter der Kuppel der Residenz war ein phantastisches und technisches Meisterwerk ohnegleichen. Dieser phänomenale Wintergarten, Ludwigs II., der nach seinem Tod zerstört wurde, verkörperte für ihn die gigantische Illusion unberührter Natur mit tropischen Pflanzen und Tieren. „König Ludwig hatte einen Vogel…“, das war sein dort logierender Papagei, dem er „Guten Abend“ beigebracht hatte. Die wenigen Auserwählten, die in den Genuss kamen, in diese Phantasiewelt eingeladen zu werden, waren sprachlos vor seligem Erstaunen. Keine Freud ohne Leid – meistens anderer: Aus See oder Grotte, tropfte es gelegentlich ganz beträchtlich aufs Bett von Hofkoch Theodor Hierneis unterhalb, so dass dieser zeitweise von einem riesigen Regenschirm beschützt nächtigen musste. Siehe auch König Ludwig II. speist

Das Schicksal von Ludwig II. zeigt einmal mehr, wie unsensible erwachsene Besserwisser, denen Kinder schutzlos ausgeliefert sind, zart besaitete Genialität zerstören oder in unheilvolle Bahnen lenken können. Eine in der menschlichen Überheblichkeit begründet liegende Unart, die wohl kaum auszumärzen ist. Wenn hier jemand wahnsinnig war, dann bestimmt nicht König Ludwig II. Wer nichts zu verbergen hat, kann auch der Öffnung seines Sargs zustimmen, in der Wittelsbacher Gruft in St. Michael. Was dabei ans Tageslicht käme, das wäre vielleicht „der Wahnsinn“…

PS.: Cousine Sissi hat in einem anklagenden Gedicht nach Ludwigs Tod den Begriff: Märchenkönig für geprägt. Das wird Ludwig II. wohl für immer bleiben – nicht nur für die Bayern. Rena Sutor

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