Buch: Warum ich kein Christ bin

WarumichkeinChristbin26.8.2013 C.H.BECK
Kurt Flasch

Warum ich kein Christ bin

Bericht und Argumentation

280 S., 19,95 €, gebunden, 13,9 x 21,7 cm. ISBN 978-3-406-65284-4. Auch als E-Book lieferbar. Sachbuch-Bestenliste Oktober 2013: Platz 1

„Warum ich kein Christ bin“ – beim philosophisch-religionskritisch geschulten Ohr muss es da laut klingeln. Das ist doch… ja genau, der Titel geht auf den berühmten Vortrag von Sir Bertrand Russell zurück, der 1927 in der Stadthalle von Battersea gehalten wurde. „Why I am not a Christian“ lautete der Originaltitel seiner fundierten Ablehnung des Christentums. An diesen Vortrag lehnt sich Kurt Flasch inhaltlich mit seinem Werk an. Es geht ihm wie dem britischen Philosophen und Mathematiker „nicht um Kirchenkritik, sondern um die Gründe, warum ich keine kirchliche Lehre teile“ (S. 9). Daher sind kein fundamentalistischer Hass auf das Christentum sein Antrieb und etwa die Polemik sein Mittel, sondern ein Kinderzweifel, der durch Philosophie und Geschichtsforschung inhaltlich gestützt wurde und hier mit messerscharfer Logik angewandt wird. Neben dieser objektiven Herangehensweise tauchen aber immer wieder biographische Notizen auf, die seinen Weg zum Nichtchristen darlegen und das Buch wie eine wissenschaftliche Autobiographie wirken lässt. In seinen Ausführungen, die der intensiven Lektüre bedürfen, trifft er das Christentum an einem wunden Punkt: Seine Lehre. Diese geht er, nach einem Kapitel über die historisch-kritischen Forschung und somit den Anfängen der präzisen Christentumskritik, systematisch durch und legt ihre Fragwürdigkeit frei. Von der Auferstehung über die Ethik und Erlösung bis hin zum Gottesbegriff selbst – jedes Feld wird theoretisch beackert (wer eine Kurzusammenfassung seiner Argumente wünscht, der muss lediglich die Seiten 257-260 lesen). Am Ende steht folgender Satz: „Ja, ich bin kein Christ, wenn man unter einem Christen jemanden versteht, der an Gott, an ein Leben nach dem Tod und an die Gottheit Christi glaubt“ (S. 253) Aber er sei auch kein Atheist. Denn Gottes Nichtexistenz kann (bis jetzt) niemand nachweisen. Das zeugt von Ehrlichkeit und Weitsicht. Davon zeugt ein einfacher Satz zum Beschluss seines Opus: „Ich habe Gott gesucht und habe ihn nicht gefunden“.

Buchbesprechung: Max Altmann (Diplom-Theologe, arbeitet als Pastoralassistent für das Erzbistum München-Freising)

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