Audio: Amos Oz, Unter Freunden

amosozgMärz 2013 Parlando Verlag
Gelesen von Christian Brückner

AMOS OZ

Unter Freunden

Aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler. Amos Oz hat für seine Werke zahlreiche Preise erhalten, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 1998 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Israel-Preis ausgezeichnet. Seine Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt. 

4 CDs, 259:46 Min., 19,99 € (D/A), 29,90 sFr., ISBN 978-3-941004-43-6. 

Meisterlich hat Amos Oz acht ineinander verwobene Schicksale aus dem fiktiven Kibbuz  Ikat der 50er Jahre zu Papier gebracht, die der Parlando Verlag ungekürzt vertont hat. Mit angenehm rauer, fast emotionsloser Stimme erklimmt Christian Brückner die hügelige Landschaft menschlicher Charakterfacetten. A small World – so ein Kibbuzleben: positiv aufgeladen und sich im Laufe der Zeit abnutzend – wie alles im Leben. „Zuerst steht man sich nahe, später warten alle darauf, dass man hinfällt“. Es geht um Dinge die Menschen tun wollen aber nicht können, so als wären ihnen unüberwindbare innere Hürden gesetzt, als wären sie seelisch eingegipst. Eingegipst in basisdemokratische Regeln des Kibbuz?

„Einer von uns“ bedeutete Ein- bzw. Unterordnung. Das Aufgeben individueller Wünsche „vorzügliches menschliches Material“, das geformt werden kann. Ein Kaleidoskop menschlicher Stärken und Schwächen. Fluchtgedanken, Sehnsüchte, die einen setzen sich rücksichtslos durch, die anderen kommen über das Stadium des Träumens nie hinaus und bleiben dauerhaft ausgebremst. Männer, die zu feige sind, sich Frauen gegenüber für ihre Kinder einzusetzen aber am Stammtisch großlippig über alle herziehen. Dass Frauen auch hier – im Tempel der Gleichheit – nicht immer gleichberechtigt behandelt werden (oder wurden?) ist nebensächlich. Große Erkenntnisse kann man überall haben. Sogar im Kibbuz-Hühnerstall: „seit Erschaffung der Welt wurden keine zwei absolut gleichen Geschöpfe geboren“ sagt Moshe, der regelmäßig seinen Vater besucht und so manchen Zweifel an der Gleichheit hat – aber nur ganz tief drinnen…

Aber unterscheidet sich die Kibuzzwelt wirklich gravierend von der sogenannten „normalen“? Auch außerhalb des Kibbuz ist Dressur an der Tagesordnung, gegen die sich nur Starke wehren können: „Everybody ist somebodies fool“. Wo ist der große Unterschied, wenn im Kibbuz Kinder im Kinderhaus aufwachsen und „draußen“ Eltern den Nachwuchs ins Internat stecken? Wenn Menschen ihre Bedürfnisse nicht herauslassen weil sie ihnen längst abtrainiert wurden. Das Glas halbvoll oder halbleer zu sehen ist fast genetisch bedingt und kann durch ein entsprechendes Umfeld höchstens leicht korrigiert werden… Rena Sutor/PTM  

(Pressetext) In seinem neuen Erzählungsband knüpft Amos Oz an seine großen Erfolge an und kehrt zu seinen Wurzeln zurück, zu der Zeit, die ihn am meisten inspiriert hat: seine Kibbuz-Jahre. Die acht Erzählungen spielen im fiktiven Kibbuz Ikat und zeichnen prägnante und feinfühlige Porträts von Frauen und Männern, die ihren ganz eigenen Träumen und ihrem eigenen Schmerz nachhängen, immer im Schatten des großen Traums vom Kollektiv. Da ist Zvi, der pessimistische Gärtner, der alle im Kibbuz mit aktuellen Katastrophenmeldungen versorgt; David, der Lehrer, der die Frauen liebt; Nina, eine eigensinnige junge Frau, die es keine Nacht mehr mit ihrem Mann aushält; und Martin, ein Schuster, der den Holocaust überlebt hat. Oz tastet sich behutsam an seine Figuren heran, beobachtet sie, ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte mit nüchternem Blick und mit großer Empathie. Jede dieser Geschichten ist ein literarisches Kleinod, alle zusammen ergeben sie ein Porträt einer großen Idee und einer ganz spezifischen Zeit.

„Diese Geschichten erzählen von den elementaren Kräften menschlicher Existenz. Von Einsamkeit. Von Liebe. Von Verlust. Von Tod. Von Sehnsucht. Von Verzicht und Verlangen.“ Amos Oz

In seinem neuen Buch kehrt Amos Oz zu der Zeit zurück, die ihn am meisten inspiriert hat: seine Kibbuz-Jahre. Im fiktiven Kibbuz Ikhat zeichnen die Erzählungen Porträts von Frauen und Männern, die ihren ganz eigenen Träumen und ihrem eigenen Schmerz nachhängen, immer im Schatten des großen Traums vom Kollektiv. Geschichten, die von der Einsamkeit in einer Gesellschaft erzählen, in der kein Raum für Einsamkeit war.

Amos Oz, 1939 als Amos Klausner in Jerusalem geboren, nahm 1954 beim Eintritt in den Kibbuz Chulda den Namen Oz an. Er ist einer der wichtigsten literarischen Stimmen Israels und Mitbegründer der seit 1977 bestehenden Friedensbewegung Schalom achschaw (Peace now). Seit 1986 lebt er mit seiner Familie in Arad in der Negev-Wüste.

„Amos Oz ist der große Charakterschriftsteller unserer Zeit.““
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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