23.10.13-9.2.14 Gerhard Richter

LenbachhausGerhardRichter 23.10.13-9.12.14 Gerhard Richter ATLAS MiKROMEGA Kunstbau Lenbachhaus 

Höchstpersönlich kam heute Gerhard Richter zum Pressetermin in den Kunstbau Lenbachhaus in München. Die persönliche Anwesenheit des 81jährigen Künstlers von Weltruhm  ist wohl auch der Freundschaft gedankt, die ihn mit dem (Noch-)Direktor des Lenbachhauses Prof. Dr. Helmut Friedel verbindet.

Sehr verhalten aber irgendwie verschmitzt beantwortete Gerhard Richter die wie immer mehr oder weniger intelligenten Pressefragen. Den „ATLAS“ habe er nicht als Kunstwerk konzipiert, sondern eher als ein sehr persönliches Fotoalbum, basierend auf seinem „aufgedrängten Interesse an Bildern“. Es könne durchaus als „Skizzenersatz“ verstanden werden. Ausgestellt sei im ATLAS, „was erledigt ist“. Für den persönlichen Bedarf habe er noch jede Menge Bilder daheim in Köln in der Schublade. Helmut Friedel räumt ein, dass sehr viel bildmäßiges im ATLAS stecke und es ist nicht zu übersehen, dass er ATLAS durchaus als lebendiges Gesamtkunstwerk versteht, dessen Vollendung noch nicht abzusehen ist. Die Hoffnung einiger Pressevertreter, Richters Unterschrift auf Plakat oder Buch zu ergattern hat sich nicht erfüllt. Gerhard Richter weiß was seine Signatur wert ist und hatte sichtlich keine Lust, ein paar Hundert Unterschriften herzuschenken. RenaSutor/PTM

Seit Anfang der 1960er Jahre versammelt Gerhard Richter in seinem ATLAS Tausende von Fotografien, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Collagen, die er auf einzelnen Tafeln nach formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten anordnet. Die Tafeln werden in Bildblöcken, manchmal zu Dutzenden, zusammengefasst. Einzelne Motive haben als Vorlagen für Gemälde und andere Werke gedient; viele jedoch blieben nur Ideen und wurden nicht ausgeführt. Andere Tafeln zeigen, dass Gerhard Richter in Skizzen und Collagen bereits ab 1971 Raumvisionen entwickelte, die sich ins nahezu Unermessliche ausdehnen können. In diesen Entwürfen wird sichtbar, dass es dem Künstler nicht nur um das einzelne Gemälde geht, sondern darüber hinaus um visionäre Raumentwürfe und die Platzierung von Bildern im Raum.

Richter

Der ATLAS besteht aus einer Fülle einzelner Motivblöcke, die seit den 1970er Jahren wiederholt ausgestellt und von Richter selbst, je nach Raumsituation, immer wieder neu zu wandfüllenden Bildblöcken angeordnet wurden. (Bild: Gerhard Richter ,Atlas Nr. 575 „Sabine“, 1993/95, München © Gerhard Richter 2013)

MIKROMEGA (griechisch: klein-groß) soll diesen Aspekt, der im ATLAS als Kunstwerk vorherrscht, zum Ausdruck bringen. Der Titel nimmt Bezug auf Voltaires Schrift „Micromégas – eine naturphilosophische Erzählung“ von 1752, in der über die relative Größe der Wirklichkeit spekuliert wird. Die Ausstellung konzentriert sich auf die in den ATLAS-Tafeln zum Ausdruck gebrachten Raumvisionen Gerhard Richters.

Erstmals zu sehen sind insbesondere Werkgruppen zu „Olympia 1972“, zum „Reichstag“ (1997), zu den „Domfenstern“ (2006) sowie zu der Serie „Strip“ (2012). An ihnen wird die künstlerische Strategie Richters deutlich, mit der er sich an monumentale Bilddimensionen heranarbeitet. Auch die Übertragung seiner Entwürfe in andere Medien, die sich dem unmittelbaren Zugriff des Malers entziehen, spielt eine wesentliche Rolle: Teppiche in Jacquard-Webtechnik und Farbstreifen-Collagen belegen dies ebenso wie eine Skulptur aus zehn Glasscheiben. In mehreren, erstmalig ausgestellten Modellen hat Richter weitere Glasscheiben-Skulpturen  angelegt. Die spiegelnde Glasscheibe entrückt die Wirklichkeit „dahinter“ und schafft Distanz. Bereits unter den ersten Tafeln (Nr. 27) finden sich diese gekippten Glasscheiben. Weitere Modelle stellen visionäre Ausstellungsräume des Künstlers vor.

Das Lenbachhaus konnte den ATLAS 1996 erwerben. Damals zählte er 583 Tafeln. Seither hat Gerhard Richter ihn nach und nach auf heute 783 Tafeln erweitert.  Mit den zuletzt hinzugekommenen 16 Tafeln bringt Richter den ATLAS nun zum Abschluss…

(?Abschluss? Davon wollte Gerhard Richter auf der Pressekonferenz dann doch wieder nichts wissen. Er hofft nämlich, noch möglichst lange am ATLAS weiterarbeiten zu können. Wir meinen: Schließlich ist der Atlas auch ein Titan, der in der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe stützt. Daran nicht mehr weiterzuarbeiten ist schlicht unmöglich…) 

Pressekontakt: Claudia Weber

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