25.1.-15.9.13 Geschmacksache

Ausstellung: 25.1.-15.9.13 Geschmacksache – Mode der 1970er JahreBasic CMYK Münchner StadtmuseumAnhand von originalen Kleidungsstücken und Accessoires aus dem Bereich der Damen- und Herrenmode wird anhand von verschiedenen Themenbereichen die Vielfalt, Originalität und auch Widersprüchlichkeit der Siebziger Jahre-Mode aufgezeigt. Zudem runden Plakate, Grafiken und Fotografien aus dieser Dekade die bunte und vielfältige Schau ab. In Kooperation mit der Deutschen Meisterschule für Mode München entstanden Entwürfe und Kreationen von Schülern, die ihre heutige Sicht auf die Siebziger Jahre-Mode einbringen. Der Katalog zur Ausstellung erscheint beim renommierten Münchner Hirmer Verlag s.u.

12/2012 Hirmer Verlag
Hrsg. Isabella Belting

GESCHMACKSACHE

Mode der 1970er Jahre

128 Seiten, 29,90 € [D], 41,90 sFr, 248 farbige Abbildungen, 40 in Schwarz-Weiß, 24 × 27 cm, Broschur. ISBN: 978-3-7774-5741-3

Die Siebziger Jahre waren von einem Stil-Mix geprägt, über den viele Zeitgenossen heute schmunzelnd den Kopf schütteln. Speziell für die Mode bedeutete diese Dekade eine Fülle von originellen Stil-Experimenten wie Hippie-Flower-Power, Blue Jeans, Folklore, Mini- und Maximode, Plateausohlen, Hot-Pants, Schlaghosen, Polyesterhemden, Kittelschürzen, Prilblümchen, Disco- Glam und Punk-Welle, umrahmt von schrillen Farben wie orange, grün, türkis, gelb, pink und rot und jede Menge geometrischer Formen.

Gradlinige einheitliche Mode war gestern: es herrschte eine Vermischung sämtlicher, auch postmoderner, Stile, die neu aufbereitet wurden. Die Bandbreite der stilistischen Möglichkeiten verführte zu Stilbrüchen und gewagten Kombinationen, die in der Couture genauso wie in den Boutiquen durch Konfektion Zugang fanden. Durch internationale Namen wie Yves Saint Laurent, Emilio Pucci, Missoni, Ossi Clark, Jean Muir, Gina Fratini, Bill Gibb, Giorgio di Sant’Angelo, Zandra Rhodes, Roberta di Camerino, Biba, Stephen Burrows oder Halston wurden die Couture-Stücke der Siebzigern zu begehrten Sammlerobjekten und das „Label“-Prestige erfuhr eine neue Dimension. In München sorgten Designer wie Heinz Schulze-Varell, Winfried Knoll, Werner Wunderlich, Rena Lange, Heinz Oestergaard, Max Dietl, Willy Flingelli, Willi Bogner oder Lavicka dafür, dass die bayerische Hauptstadt den Ruf einer Modemetropole erhielt.

Kleidung in den Siebzigern demonstrierte Individualität. Die Menschen kopierten, kombinierten und kreierten nach ihren eigenen Befindlichkeiten eine Fülle von Kleidungsstilen und verliehen ihrer Sichtweise von Gefühl, Lebenseinstellung und Gesellschaft Ausdruck. Die Freiheit, sich modisch das zusammenzustellen, was einem persönlich gefiel, nahm in den Siebzigern ihren Anfang. Der konsequente Versuch, dass Kleidungsstile altersübergreifend getragen werden konnten, führte dazu, dass sich der Stil zwischen jung und alt immer weniger trennen ließ: das „Forever Young“- Syndrom nahm in den 1970er Jahren seinen Anfang. Die Jeans – das „blaue Gold“ – saß gleichermaßen an jungen wie an alten, und im Trend von „Unisex“ an weiblichen wie an männlichen Popos. Und das ist bis heute so geblieben.

Die Ausstellung bietet originelle Einblicke und farbenprächtige Impressionen von internationalen Modemarken sowie der Münchner Modeszene. Anhand von originalen Kleidungsstücken und Accessoires aus dem Bereich der Damen-, Herren- und Kindermode wird mit verschiedenen Themenbereichen die Vielfalt, Originalität und auch Widersprüchlichkeit der Siebziger Jahre-Mode aufgezeigt. Modische Plakatwerbung, poppige Musik-Poster, stilvolle Grafiken, elegante Mode- Fotografien und MADAME-Modejournale aus dieser Dekade runden die bunte und vielfältige Schau ab.

Der abwechslungsreiche Rundgang führt den Besucher hierbei durch verschiedene Themenbereiche und lässt die Fülle von Kleidungsstilen sichtbar werden: über 60 Abendmodelle von Münchner Modedesignern sowie internationalen Couturiers, 40 elegante Tageskleider, 20 schicke und schrille Outfits, 30 Figuren im Hippie- und Jeans-Look, 30 Herrenanzüge und Freizeitmoden für Männer sowie eine bunte Mischung aus Kinder- und Jugendmode, aber auch das glitzernde und schillernde Disco-Dress kommt zur Geltung. Unter dem Motto „Münchner Modegeschichten“ sind Kleidungsstücke von Münchner Persönlichkeiten zu sehen, u.a. von Uschi Glas, Margot Werner, Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann. In einem Kurzfilm kommen Münchner und Münchnerinnen zu Wort, die als Boutique-Besitzerinnen, Fotografen, Journalisten, Friseure oder Lokalbetreiber die Münchner Szene in den Siebzigern erlebt und gestaltet haben.

Kooperation:
Die Meisterschule für Mode München hat das Thema „Mode der 1970er -Jahre“ kreativ umgesetzt und zeigt die Entwürfe und Kreationen in der Ausstellung.

Das Projekt wird unterstützt von MADAME, LUDWIG BECK und KONEN 

Schwerpunkte in der Ausstellung:

Hipp Hipp Hippie
Die Generation der Hippies wagte einen konträren Bekleidungsstil, der Individualität und Verweigerung demonstrierte. In Opposition zur bürgerlichen High-Tech-Gesellschaft samt ihrer Einheitsmode entdeckten die Jugendkulturen die Wiederverwendung und Neugestaltung gebrauchter Kleidungsstücke, die von Flohmärkten und Altkleidersammlungen stammten. Mode entstand nun auf der Straße nach dem Motto von Gleichheit und Freiheit, eine Vielfalt von Stilen blühte auf und entwickelte sich stetig fort. Die Diktatur einer allgemeingültigen Modelinie war gebrochen und damit scheinbar auch die Macht der großen Modeschöpfer mit ihren teuren Designer-Modellen.

Minimode und Hot Pants
Im Zuge der Frauenbewegung und Emanzipationswelle traten neue Bekleidungsstile zu Tage, die dem Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung Rechnung trugen. Der Minirock brach mit alten Tabus und Gesellschaftsnormen, nach denen Rocklängen mindestens bis zum Knie gehen mussten. Damit symbolisierte der Mini die Befreiung von den konservativen Vorschriften und Modediktaten. Alternativ kamen die Hot Pants in Mode, die sogar Zutritt in die Haute Couture fanden. Um die Beine optisch zu verlängern, trugen die Frauen dazu oft Stiefel oder Schuhe mit Plateausohlen.

05_relang_hosenanzug-Cardin-1970Eleganz im Alltag
Durch die angestrebte Gleichstellung der Geschlechter wurden Hosenanzüge für Frauen äußerst beliebt und gesellschaftsfähig. Sie galten als Markenzeichen für erfolgreiche Frauen. Die gewünschte Gleichberechtigung war hiermit auch optisch zu sehen, da die Frau im Berufsleben „ihren Mann“ stehen sollte und wollte. Auch akkurate Kostüme im Chanel- oder Collegestil sollten den Frauen den nötigen Respekt in der Arbeitswelt verschaffen. Ein weiterer Trend in den 1970er Jahren war die Kombinationsmode, bei der Sets aus verschiedenen Teilen als Einzelteile immer wieder verschieden kombiniert werden konnten. (Bild: Relang, Hosenanzug, Cardin 1970. © Stadtmuseum)

Haute Couture
Die Haute Couture distanzierte sich nach der Negierung der Modediktate von den Sechziger Jahren und kreierte schrille und Aufsehen erregende Entwürfe. Man experimentierte mit Materialien wie Plastik oder Metall, vor allem aber mit synthetischen Stoffen. Knallbunter Kitsch und gewagte Polyesterexzesse tauchten in der Haute Couture genauso auf wie der elegante farblich dezente Nostalgie-Flair mit seinen schlichten Modestilen der 1920er und 1930er Jahre. Die Abendmode für die Frau war in den Siebzigern durch eine unglaubliche Vielfalt an Stilen, Schnitten und Materialien geprägt: minimalistische einfarbige Schlauchkleider, Paillettenjacken und Perlenroben, Rüschen- kleider mit zahlreichen Volants, flatternde Chiffon-Gewänder, farbenprächtige Musterungen auf fließenden Stoffen und raffinierte Spiele mit Durchsichtigkeit auf nackter Haut machten die Kleider zum körperlichen Erlebnis und den großen Auftritt zur Gewissheit.

Der Herr und sein Anzug
In der Herrenmode etablierte sich anfangs eine sehr eng anliegende, jugendliche Linie, die sich ganz im Einklang mit der weiblichen Modesilhouette befand. Die Sakkolinie war stark tailliert mit knapp sitzenden Schultern. Die Krawatten wurden immer breiter und boten Platz für abenteuerliche Formen und Farben. Lässiger Komfort kam mit der Verbreitung von Kordstoffen. Diese veränderten die seriöse Herrenmode in eine schicke Freizeitkleidung. Der Pullover bescherte dem Mann eine legere Mode in der Alltagsgarderobe und leistete einen entscheidenden Beitrag, um die starren Bekleidungsformen der modernen Wirtschaftswelt zu lockern.

Kinderkram und Jugendträume
Auf dem Bekleidungssektor erkannte die Wirtschaft die Kinder der 1970er Jahre erstmals als kaufkräftige Zielgruppe. Der Trend, das zu tragen, was einem gefällt, und sich von strengen Modediktaten zu lösen, manifestierte sich auch in der Jugendbekleidung. Die Jeansmode spielte hier eine außerordentlich große Rolle, da sie einerseits Lässigkeit und Unabhängigkeit symbolisieren sollte, andererseits aber auch durch den Einheitslook eine Zugehörigkeit zu anderen Jugendlichen darstellte. Daneben gab es den Schick der Katalogmode von Quelle und Neckermann, der die kleinen Damen und Herren in Kostüme und Anzüge steckte.

Unter der Discokugel
Die Discobewegung koppelte ausgefallene Outfits an die Liebe zur Musik, denn ein Discobesucher wollte auf der Tanzfläche auffallen. Für Jugendliche bedeutete die Glam- und Glitterwelt eine Flucht aus dem gewöhnlichen Alltag. In dem Kosmos der Disco fand das eigentliche und aufregende Leben statt. Für das Outfit bevorzugte man Materialien wie Polyester, Lurex, Lamé, Samt und Satin, die den Körper selbst zu einer reflektierenden Oberfläche machten. Sportliche Tanzarten kamen in Mode und wirkten sich auf die jugendlichen Modetrends aus. Stretchartikel wie Trikots und Catsuits, die Bestandteil des modernen Balletts waren, wurden auch in der Disco getragen und flossen in die Couture ein.

Münchner Boutiquen / Münchner Modegeschichten
München als ehrgeizige Modestadt bot zahlreiche Veranstaltungen wie die Münchner Modewoche, die Münchner Modetage, die Messe Heim und Handwerk und vergab begehrte Modepreise an erfolgreiche Designer. Das Modezentrum München bekam 1972 Konkurrenz durch die Gründung des Münchner Textil-Centrums (MTC), das sich zum größten Modemarkt in Süddeutschland entwickelte. Die Münchner Modezeitschrift MADAME, die seit 1952 existiert und Deutschlands erste Modezeitschrift war, holte durch attraktive Schauen die internationalen Couturiers in die Stadt, wo sie in den 1970ern ihre Boutiquen und Salons eröffneten. Zudem sorgten Institutionen wie die Deutsche Meisterschule für Mode München und das Deutsche Mode-Institut fortlaufend für ambitionierten, fachmännischen und kreativen Nachwuchs.

Die 1970er Jahre waren auch die Zeit, in der in München zahlreiche Mode-Boutiquen aus dem Boden schossen. Vor allem in Schwabing eröffneten exklusive Läden, die ähnlich wie Szenelokale bei der Münchner Society ein fester Bestandteil des sozialen Lebens wurden. Hier kleideten sich die Damen und Sternchen von Film und Fernsehen ein, plauderten und tranken Sekt. Nicht selten machten dorthin internationale Stars wie Tina Turner, Bianca Jagger, Rod Stewart, Elton John oder die Bee Gees einen kleinen Abstecher. Das Designer-Duo Rolf Albrecht und Bernd Stockinger feierte in den 1970er Jahren in ihrem Schneider-Laden »Sweetheart« in der Leopoldstrasse ihre größten Erfolge, ebenfalls im Herzen Schwabings residierten »Lord John und Lady Jane« und der Leopoldmarkt von Rosa Ronstedt. Bereits 1966 eröffnete Maja Schulze-Lackner mit »Maja of Munich« eine der ersten Boutiquen in München. Rudolph Moshammer gründete sein Geschäft mit dem klangvollen Namen „Carneval di Venise“. Günther Schmalor entwarf in seinem kleinen Atelier modische Strickware. 1976 wurde »MCM Lederwaren und Mode GmbH« von Michael Cromer gegründet, der in Anlehnung an Aigner zum Trendsetter für Lifestyle-Marken avancierte.

1967 gründete Hartmut Rathmayer in Schwabing die Boutique DAISY, deren Name für exklusive Mode, traumhafte Schnitte und extravagante aber tragbare Kleidung stand. Von seinen Streifzügen auf den internationalen Modemessen brachte er zahlreiche Designermarken nach München. 1969 kam Margarethe Jonas zum DAISY-Team und führt seit 2004 das Geschäft im Sinne von Hartmut Rathmayer weiter. Die Schauspielerinnen Elisabeth Volkmann und Ingrid Steeger, die durch die Ulk-Sendung Klimbim Kultstatus erreichten, waren häufige Gäste im DAISY.

Anfang der 1980er Jahre siedelten sich u.a. im Münchner Glockenbachviertel hochwertige Second-hand-Läden wie »Alexa’s« und »vintage love« an, die es bis heute ermöglichen, in die Nostalgiekleidung der Siebziger zu schlüpfen.

Öffnungszeiten: Die-So10-18h Montags geschlossen
Pressekontakt: Ulla Hoering Gabriele Meise / Anja Scherz

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