17.4.–31.8.13 Blickwechsel

17.4.-31.8.13 Blickwechsel, Pioniere der Moderne. Degas-Picasso/Gauguin-Nolde/Monet-Macke

EdgarDegasBüglerin1869

Die Pinakothek der Moderne gibt ab Mitte April ein einmaliges Gastspiel in der Neuen Pinakothek, das die Geschichte der Avantgarde um 1900 auf neue Weise erzählt. Die beiden singulären Sammlungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts werden an einem Ort vereint und die Grenzen der Pinakotheken vorübergehend aufgehoben. Die weltbekannten Meisterwerke der Klassischen Moderne aus der Pinakothek der Moderne − von Max Beckmann bis Pablo Picasso − treffen in der Neuen Pinakothek auf herausragende Wegbereiter wie Paul Cézanne oder Edgar Degas. Die unerwarteten Begegnungen machen den Aufbruch in die Moderne in der direkten Konfrontation ihrer Meisterwerke erfahrbar: Sie ermöglichen zu gleicher Zeit spannende Aus- und Rückblicke, die sowohl nach den Traditionen wie den Innovationen der Künste an der Schwelle zum 20. Jahrhundert fragen. (Bild: Links: Edgar Degas (1834-1917), Die Büglerin, um 1869. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek München. Rechts: Pablo Picasso (1881-1973), Sitzende Frau, 1941, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München © Sucession Picasso / VG Bild-Kunst,

Dieser Blickwechsel der Sammlungen stiftet vielfältige Begegnungen von Künstlern und Malschulen, die in ideeller oder direkter Wahlverwandtschaft stehen. Zehn Säle der Neuen Pinakothek werden umgestaltet und mit rund 50 Meisterwerken der Klassischen Moderne in einen Dialog mit den Meistern des 19. Jahrhunderts gesetzt.

Die Präsentation setzt um 1800 mit der Malerei der Romantik ein, um Wurzeln und Anfänge der Moderne in der radikalen Neukonzeption der Landschaftsmalerei C. D. Friedrichs zu verorten. In der Gegenüberstellung mit den poetischen, kosmischen und märchenhaften Werken Paul Klees wird das romantische Erbe seiner Motiv- und Ideenwelt greifbar.

Über die Jahrhundertschwelle schlägt die Präsentation eine Brücke von Arnold Böcklin zu Max Ernst. Gleichermaßen Nachfahre der Romantik und Surrealist »avant la lettre« suchte Böcklin mit seinen Bildern und ihrem neuen Blick auf die antike Mythologie in die Tiefen der Psyche vorzudringen. Bei Max Ernst verwandeln sich die Gestalten des Mythos in tobende »Hausengel« oder entfesselte »Windsbräute«; unheilvolle Wald- und Dschungelbilder beschwören surrealistische Visionen des Animalischen und Verdrängten herauf.

Im Mittelpunkt des Blickwechsels steht die Zeit um 1900 mit ihren großen künstlerischen Revolutionen. Die Präsentation macht das ästhetische Urerlebnis nachvollziehbar, das die deutschen Expressionisten in der Begegnung mit den »Vätern der Moderne« beschrieben. Der pastose Farbauftrag, die vibrierenden Pinselhiebe und die Leuchtkraft der Farben im Werk Vincent van Goghs werden in ihrer beispiellosen Vorbildhaftigkeit für Künstler wie Alexej von Jawlensky oder Emil Nolde vorgeführt. Ebenso wegweisend für die Expressionisten wirkte als Prophet der Moderne auch Paul Gauguin mit seinen neuen Bildwelten der Südsee, in denen er im feierlichen Einklang von Mensch und Natur eine Welt exotischer Ursprünglichkeit und Reinheit beschwor.

Den Abschluss der Sammlungspräsentation markiert die reale Katastrophe des Ersten Weltkriegs, die den künstlerischen Utopien des frühen 20. Jahrhunderts und der beschleunigten Dynamik der Avantgarde ein jähes Ende bereitete. 1914 bis 1918 entstandene Hauptwerke von Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck und Franz Marc verdeutlichen gleichermaßen individuelle wie disparate Positionen zum Kriegsgeschehen. Mit diesem finalen Blickwechsel gewinnt die Neue Pinakothek einen neuen von 1900 nach 1918 verschobenen Schlusspunkt, der zugleich einen Ausblick auf den hundertsten Jahrestag des Ersten Weltkrieges im Jahr 2014 ermöglicht.

Kuratoren: Oliver Kase, Annabel Zettel, Pressekontakt: Tine Nehler M.A.

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