3.7.13 Nachhaltiger Tourismus

adler-0007.gif von 123gif.de03.07.13 Fachkongress Nachhaltiger Tourismus

Alpenkonvention und Alpenzustandsberichte
Am 3. Juli 2013 laden der Deutsche Tourismusverband und die Hochschule München zum Fachkongress „Nachhaltiger Tourismus – von den Alpen profitieren“ an die Fakultät für Tourismus. Anlass ist der frisch veröffentlichte IV. Alpenzustandsbericht des Ständigen Sekretariates der Alpenkonvention. Die 1991 unterzeichnete Konvention ist ein Übereinkommen der Alpenstaaten (AT, CH, DE, FR, IT, LIE, SLO sowie der EU) zum Schutz der Alpen und deren nachhaltiger Entwicklung. Sie besteht aus einer Rahmen- konvention und Durchführungsprotokollen. Diese legen Ziele und Verhaltensregeln für die Themen Naturschutz und Landschaftspflege, Berglandwirtschaft, Raumplanung und nachhaltige Entwicklung, Bergwald, Tourismus, Energie, Bodenschutz sowie Verkehr fest. Laut Rahmenkonvention sind die Signatarstaaten dazu verpflichtet, regelmäßig Berichte über den Zustand der Alpen vorzulegen. Bislang sind Alpenzustandsberichte zu den Themen „Verkehr und Mobilität“, „Wasser“ sowie „Nachhaltige Entwicklung und Innovation im ländlichen Raum“ erschienen. Der neue Alpenzustandsbericht widmet sich dem Thema „Nachhaltiger Tourismus“.

Neuer Alpenzustandsbericht Nachhaltiger Tourismus
Anlässlich des Fachkongresses wird der IV. Alpenzustandsbericht erstmals in Deutsch- land vorgestellt. Auf gut 200 Seiten zeigt er zunächst Politikoptionen zur Förderung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung auf. Dabei werden auch die Alpenkonvention und das Tourismusprotokoll gewürdigt. Ein ausführlicher Überblick über die Situation in den Alpen geht dann auf die Vielfalt des alpinen Tourismus und auf seine Auswirkun- gen ein. Die zentralen Herausforderungen führen schließlich zu Hinweisen, wie der Tourismus im Alpenraum im Hinblick auf Nachhaltigkeit vorangebracht werden kann. Der Bericht richtet sich unter anderem mit vielen konkreten Vorzeigebeispielen auch an Praktiker. („Musterknaben“ – Finalisten des deutschen Bundeswettbewerbs „Nachhaltige Tourismusregionen“ – spielen beim Fachkongress ebenfalls eine wichtige Rolle.)

Wissenschaftlicher Beitrag der Hochschule München, Fakultät für Tourismus
Prof. Dr. Thomas Bausch arbeitete als deutscher Experte am Alpenzustandsbericht Nachhaltiger Tourismus mit. Neben seiner Tätigkeit an der Fakultät leitet Prof. Bausch seit fast 20 Jahren das Alpenforschungsinstitut, ein offizielles Kooperationsinstitut der Hochschule München. Für den Bericht hat er federführend eine Typologie der Tourismusregionen im Alpenraum erarbeitet und für jeden Typ eine umfassende SWOT (Strength – Weaknesses / Opportunities – Threats) Analyse erstellt. Die Typologie trägt dem Fehlen entsprechender Überblickspublikationen ebenso Rechnung wie der Tatsache, dass die Alpen als Tourismusziel sehr einseitig wahrgenommen werden.

Umweltauswirkungen des Tourismus im Alpenraum werden oft auf wenige Problemfelder verkürzt diskutiert. An erster Stelle stehen nach wie vor erbittert geführte Auseinandersetzungen von Bergbahnbetreibern und Umweltverbänden zum Thema „künstliche Beschneiung“. Auch die umfassende Wintersportberichterstattung der Medien von November bis März verstärkt den Eindruck, als würden vor allem Wintersport und Wintersaison den Tourismus in den Alpen prägen. Dies trifft jedoch nur für einige wenige Regionen in den Zentralalpen zu. Tourismus in den Alpen ist erheblich vielfältiger und hängt von einer Reihe von Faktoren ab: Grad der Gebirgigkeit, herausragende örtliche Ressourcen, die Besucher anziehen, Erreichbarkeit, Saisonalität und Intensität des Tourismus. Hieraus lassen sich sieben Haupttypen von Tourismusregionen ableiten:

  1. Sommerdestinationen in den Voralpen und Alpenrandlagen
  2. Gesundheitsdestinationen
  3. Naturerlebnis basierte Regionen
  4. Alpine Städte und größere alpine Orte
  5. Ganzjahresdestinationen in den inneren Alpen
  6. Ski Resorts
  7. Ganzjahresdestinationen am Rand der Alpen nahe Metropolen

Für jeden Regionstyp führte Prof. Bausch eine SWOT-Analyse für die „Treiber“ Klima- wandel, demographischer Wandel, Energieverfügbarkeit /-preise, globale Marktdynamik, Transport und Wandel hin zur Wissens- und Informationsgesellschaft durch. Wichtige Schlüsselfragen im Rahmen der Arbeit waren:

–  Die ökologische Dimension des Tourismus: Wie lässt sich eine gesunde und vielfältige Umwelt, Natur (Biodiversität) und Landschaft erhalten, wie die ökologischen Balance von besonders sensiblen Gebieten und die umweltfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen (Luft, Wasser und Boden) sichern
–  Der Aspekt der ethischen und sozialen Fairness sowie der kulturellen Anpassung: Wie schafft man faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung, Aus- und Weiterbildung, Transparenz und beteiligt die örtliche Bevölkerung an Entwicklungsprozessen? Wie schützt und respektiert man die Identität der lokalen Bevölkerung?
–  Wirtschaftlichkeit und langfristige wirtschaftliche Effekte: Wie lassen sich Ertragskraft des Tourismussektors dauerhaft sichern, lokale und regionale Wertschöpfungseffekte steigern, Investitionen fördern, um die wirtschaftliche Situation der Tourismusregionen und Einheimischen zu verbessern?
– Parallel dazu: Erarbeitung einer neuen Alpen-Entwicklungs-Strategie
Parallel war die Hochschule München – ebenfalls über Prof. Bausch als deutschen Experten – an der Erarbeitung einer neuen Strategie für die Raumentwicklung und territoriale Zusammenarbeit im Alpenraum beteiligt. Dabei flossen vergleichbare Methoden und die Ergebnisse des IV. Alpenzustandsberichtes mit ein. Die Strategie wurde vor kurzem durch das Programmsekretariat der EU Gemeinschaftsinitiative INTERREG IVB – Alpenraumprogramm (siehe auch) veröffentlicht.

Pressekontakt: peak pr Andrea Schmölzer

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