Buch/Kunst: Die 7 Todsünden

10/10 Hatje Cantz

Lust und Laster.

Die sieben Todsünden von Dürer bis Nauman

Ist das Laster zeitlos? Da sich an Moralvorstellungen schon immer die Geister schieden, lässt sich diese Frage zwar nicht bis ins kleinste Detail beantworten, aber allemal in groben Zügen auf feiner Leinwand. Künstler hielten der Gesellschaft schon immer den Spiegel hin – besonders den der Moral. Was einst als Todsünde galt treibt dem Betrachter heutzutage nicht einmal mehr ein sanftes Erröten ins Gesicht. Von Albrecht Dürer 15./16. Jh bis zum Zeitgenossen Bruce Naumann gewährt der Kunstband von Hatje Cantz tiefe Einblicke in Befindlichkeiten zwischen Lust und Laster. RS/PTM

Hrsg. Zentrum Paul Klee, Kunstmuseum Bern, Gestaltung von Grégoire Bossy, Dominique Scholl, Text von Fabienne Eggelhöfer, Christine Göttler, Claudine Metzger, Monique Meyer, Barbara Müller, Anette Schaffer, Gerhard Schulze, Samuel Vitali. 380 S., 39,80 €, 480 farbige Abb. 23,20 x 29 cm, gebunden ISBN 978-3-7757-2647-4. Deutsch

Dieser opulente Streifzug durch die Kunst der Jahrhunderte entdeckt faszinierende Unterschiede… Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei, Trägheit – im 6. Jahrhundert listete Papst Gregor erstmals die sieben Todsünden als diejenigen Hauptlaster auf, die den Sünder geradewegs in die ewige Verdammnis führen. Die künstlerische Bearbeitung des Themas beginnt im Mittelalter, wobei sich über die Jahrhunderte die Lastervorstellungen wandelten: von den Allegorien eines Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel d. Ä. über die Genrebilder der Niederländer des Goldenen Zeitalters bis hin zur Wiederentdeckung des Themas durch Künstler wie James Ensor, Alfred Kubin, Marc Chagall und Otto Dix oder jüngeren Bearbeitungen etwa durch Bruce Nauman, Cindy Sherman und Jeff Koons. Nach einer Einleitung mit zyklischen Darstellungen stellt der umfassende Band herausragende Arbeiten zu den einzelnen Todsünden epochenübergreifend einander gegenüber. Dabei wird nicht zuletzt auch unsere ambivalente Haltung gegenüber dem Lasterbegriff beleuchtet, die von Lust am Tabubruch bis zur Sehnsucht nach moralischen Leitlinien reicht. im Buch blättern

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