Mit Vollgas in den Burnout

aerzte-0049.gif von 123gif.deMit Vollgas in den Burnout (Quelle: psycheplus/rangizzz – Fotolia.com)

Leistungsdruck bei der Karriereplanung geht zu Lasten von Körper und Seele
Wer im Beruf einmal viel erreichen will, muss sich von Anfang an mächtig ins Zeug legen: Auslandserfahrung, Praktika, Bestnoten an der Uni, der Abschluss mit Mitte 20 – die Liste der Erwartungen an Berufseinsteiger ist lang. Alle Punkte zu erfüllen scheint schon ein Ding der Unmöglichkeit. Druck und Ängste sind dann vorprogrammiert. Dauerhaft erfolgreich sein kann jedoch nur, wer sich auch mal Pausen gönnt, betont der Diplom-Psychologe Benjamin Martens. Der psycheplus Experte gibt Tipps, wie junge Leute Karriereplanung und Privatleben in Einklang bringen können.

Überbelastung, Stress, Versagensängste
Schneller, höher, weiter: Der Druck auf junge Menschen hat schon am Anfang ihrer Laufbahn rapide zugenommen. Konkurrenz, Globalisierung und befristete Arbeitsverhältnisse schrauben die Standards immer weiter nach oben. Aus Sorge, später im Rennen um die besten Stellen nicht mithalten zu können, legen junge Leute oft mit großem Tempo los: Manche stecken bereits vor Studienbeginn feste Ziele ab, wo sie in fünf oder zehn Jahren stehen möchten. „Sicher ist es sinnvoll, die eigene Karriere strukturiert anzugehen und die einzelnen Schritte zu planen“, sagt psycheplus Experte Benjamin Martens. „Heikel wird es allerdings, wenn das Streben nach dem Traumberuf alle anderen Aspekte des Lebens überlagert.“ Damit stehen gerade besonders ehrgeizige junge Leute vor einem schwierigen Dilemma. Ohne Einsatz und Leistungsbereitschaft ist eine Karriere im Top-Management meist nicht zu machen. Doch der hohe Erfolgsdruck hat seinen Preis: Es besteht die Gefahr, in einen Teufelskreis aus Überbelastung und Versagensängsten zu geraten. Ständiger Stress kann sogar krank machen: Zu den Symptomen zählen Depressionen, Burnout und Angststörungen. Auch körperliche Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme und Bluthochdruck können die Folge sein.

Mehr Geld bedeutet nicht mehr Glück
Oft kämpfen sich künftige Führungskräfte mit Durchbeißermentalität nach oben: Nach dem Studium muss es ein Einstiegsjob in einem Top-Unternehmen sein, drei bis fünf Jahre später die erste Führungsposition. „Das kann funktionieren“, meint Benjamin Martens. „Die Kehrseite eines solchen Lebenslaufs ist, dass alle anderen Bedürfnisse wie Freizeit und Freunde zu kurz kommen.“ Auch drohen herbe Enttäuschungen, wenn der nächste Karriereschritt ausbleibt. Der Psychologe warnt deshalb vor falschen Erwartungen: Viele junge High Potentials gehen davon aus, dass eine Beförderung sie glücklich machen wird. „Studien belegen jedoch, dass ein höherer Status oder ein besseres Gehalt nicht dauerhaft für mehr Zufriedenheit sorgen“, betont der Psychologe. Zwar wirkt ein zu niedriges Gehalt frustrierend. Ein hohes Einkommen aber bringt gegenüber einem angemessenen keinen Glückszuwachs mehr. Stattdessen kann ein steiler Aufstieg der Psyche sogar schaden, weil damit auch die berufliche Belastung zunimmt. Am Ende verspüren die beruflichen Überflieger sogar Ernüchterung, wenn sie ihr Ziel erreicht haben. „Spätestens dann stellt sich für junge High Potentials oft die große Sinnfrage“, weiß der psycheplus Experte. „Oder sie geraten noch tiefer in die Leistungsspirale, weil sie sich gleich das nächste Ziel vornehmen.“

Ein gesundes Selbstbewusstsein schützt vor Burn-out
Daher empfiehlt der Psychologe, von Anfang an auf eine ausgewogene Work-Life-Balance zu achten und auch Verschnaufpausen einzulegen. Wer zulässt, dass Familie, Freunde und Gesundheit auf der Strecke bleiben, wird es früher oder später bereuen: „Junge Leute sollten sich Zeit nehmen zu definieren, was sie konkret vom Leben erwarten. Wer den Blick stets auf die nächsten Karrierestufe verengt, riskiert, aus den Augen zu verlieren, was er wirklich will.“ Um Klarheit zu schaffen hilft es, mit anderen über deren Ziele zu sprechen oder auch mal wieder eine Weile bei den Eltern oder Großeltern zu leben. „Vielleicht führen die ein eher beschauliches Leben, das sie aber als sehr erfüllend empfinden“, sagt Benjamin Martens. „Diese Erkenntnis kann Anlass sein, die eigenen Prioritäten neu zu setzen.“ Wichtig ist, den Mut zu haben, ab und an innezuhalten oder auch anders zu sein. Denn nicht jede Karriere lässt sich durchplanen und auch Umwege können zum Ziel führen. Vor allem aber kommt es darauf an, das Selbstvertrauen zu stärken: „Anfällig für extremen Leistungsdruck sind vor allem Menschen, die ihr Selbstbewusstsein hauptsächlich aus ihren beruflichen Erfolgen ziehen“, sagt der psycheplus Experte. „Deswegen ist ein gesundes, von der Karriere unabhängiges Selbstwertgefühl der beste Schutz vor Stress und Burnout.“Möchten Sie zukünftig keine psycheplus Verbraucherinformationen mehr erhalten, klicken Sie bitte hier.

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