Luitpold: 200 Jahre Tradition

Das Buch ist im September 2012 beim Dort-Hagenhausen-Verlag erschienen
Autorin: Jutta Göricke

DAS LUITPOLD

Münchner Kaffeehaus-Tradition seit 1888

300 S., 39,90 € (D), 41,10 € (A), 53,90 sFr, Hardcover mit Schutzumschlag, 22,5 x 29 cm, ca. 640 farbige Abbildungen. ISBN 978-3-86362-900-7. im Buch blättern 

„Das Luitpold“ – ein „Coffee Table Book“ für alle Genießer und Anhänger exquisiter Lebenskultur. Nur einer Handvoll der berühmten europäischen Grand Cafés ist es gelungen, gute, alte Traditionen ins 21. Jahrhundert zu übersetzen und ihre klangvollen Namen auch heute mit Kaffeehausleben zu füllen. Das Caffè Greco in Rom gehört dazu, das Gijón in Madrid, das Procope in Paris, das Central in Wien – und das Cafe Luitpold in München.

1888 öffnete das Cafe Luitpold seine Pforten als eines der größten und mondänsten Kaffeehäuser Europas. Seine Besucher waren eine einzigartige Melange aus Adligen, Großbürgern, Künstlern, Studenten und einfachen Leuten. Sie machten das Palastcafé rasch zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Anfang der 1960er Jahre brachte die Unternehmerfamilie Buchner das Traditionshaus erneut zum Blühen und sorgt seither dafür, dass sich das „Luitpold“ immer wieder neu erfindet. Heute ist es wieder der Treffpunkt der Münchner Kaffeehausliebhaber – ob Zeitungsleser oder iPad-Nutzer. Zusätzlich bietet es ein Forum für Literatur und Kunst, genauso wie einen Tanzboden für Swingfreunde.

Der Bildband „Das Luitpold“ erzählt die Geschichte des berühmten Cafes und der Münchner Kaffeehauskultur. Es berichtet von überraschenden Gewohnheiten der Städter im 19. Jahrhundert, von Loriots Vorliebe für Käsekuchen aus dem Luitpold und von der sorgfältigen Fertigung exquisiter Gaumenschmeichler – von süß bis herzhaft. Mehr als 40 Original-Rezepte vom Prinzregentenschmarrn über die berühmte Luitpoldtorte, vom Dôme au Chocolat bis hin zu Vitello Tonnato und Souffliertem Hirschrücken laden zum Kochen und Backen ein. Die 600 Illustrationen und Fotos fangen das Lebensgefühl ganzer Generationen von Genießern ein.

(Auszug aus der Homepage des Café Luitpold Texte: Beate Bentele / Bildmaterial: Sammlung Café Luitpold.)
Eine bewegte Historie

In ihrer Ausgabe vom 1. September 1888 widmet die „Illustrierte Zeitung“, die damals führende Deutschlands, fast eineinhalb Seiten dem Café Luitpold in München. Sie beschreibt Die „Raumwunder“ aus über 20 Sälen und Gesellschaftsräumen und schildert eingehend den Hauptsaal: „ … im Verein mit einer Anzahl hervorragender Maler und Bildhauer wurde ein Raum geschaffen, wie ihn kein anderes öffentliches Etablissement besitzt. 38 Marmorsäulen und 42 Pilaster tragen den sich bis zu einer Höhe von neun Meter erhebenden reich gruppierten, dreischiffigen Hallenbau. Prächtiger plastischer und malerischer Schmuck, der so innig mit der umgebenden Architektur zusammenhängt, ja förmlich aus ihr herauswächst, verleihen demselben, besonders bei imposanter elektrischer Beleuchtung, einen wahrhaft edlen Charakter … die Kunststadt München ist durch dieses Etablissement um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden.“

Kurze Zeit später, Anfang 1889 ist „Käseberg’s Führer durch Süddeutschland und die Rheinprovinz“ entzückt, überschlägt sich nahezu in Superlativen bei dem Versuch, das Café und Restaurant Luitpold in München zu beschreiben: „Dieses gewaltige, ca. 2000 Personen fassende Etablissement, ganz neu erbaut, dürfte auf dem Continent als Unicum dastehen und zwar nicht blos seiner räumlichen Ausdehnung, sondern auch hauptsächlich seiner künstlerischen Ausschmückung halber, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.“

Vom Bierkrug zur Kaffeetasse

München hatte sich eher spät der neuen Mode des Kaffeetrinkens geöffnet. Wurden in Wien, Budapest, Prag, aber auch in Paris und in Venedig ab dem 17. Jahrhundert Kaffeeschänken eingerichtet, prostete man sich in München noch mit dem Bierkrug zu. 1726 soll es gerade mal sieben Kaffeehäuser gegeben haben. 1804 schon 31 und 1835 rund 40. Im gleichen Jahr erschein ein „Café-Führer“ für München, in dem die gastlichen Stätten – darunter zahlreiche Damen-Cafés – beurteilt wurden. Allerdings sind Service und Qualität gerügt worden. Manchen Häusern bescheinigte die Visitationskommission, dass der Kaffee „nur zur Noth trinkbar“ oder gar eine „Gelberübenbrühe“ sei.

Wen wundert’s, dass bei der Eröffnung des Café-Restaurant Luitpold an der Brienner Straße, dem ehemaligen Fürstenweg, ganz München jubelt und sich die Kunde vom Palastcafé mit 20 Prachtsälen rasch in ganz Europa verbreitet. Die Gazetten beschreiben den „Feenpalast“ und lassen das „Kaffeeschloss“ hochleben. Es entfaltet sich ein reges Gesellschaftsleben, das von einer Neuheit zur anderen feiert: Im Luitpold gibt es den ersten Billardsaal mit gleich 16 Tischen. In den Weinrestaurants Française schmecken Hummer und Champagner. Das Luitpold-Tabarin bebt unter den Charleston-Schritten. 1929 eröffnen die Luitpold-Lichtspiele mit 1.245 Sitzplätzen und hochmoderner Sprechfilmapparatur. 1930 schaut München verwundert auf das erste Boulevard-Cafe unter Palmen. Der Welt beste und Kaffeehausmusiker, berühmte Swingund Jazz-Combos spielen auf zum Tanze – und beim Tanz auf dem Vulkan geht der Luxustempel im Bombardement des Zweiten Weltkrieges unter.

Zeitenwende

In den 1950-er Jahre fristet der heutige Luitpoldblock kein prächtiges Dasein. Die Zeitenwende tritt erst 1960 ein, als Marika und Paul Buchner Eigentümer werden und 1962 nach großer Revitalisierung neu eröffnen. Das Café Luitpold spielt ganz schnell wieder in der ersten Liga, zählt unter Paul Buchner zu den zehn besten Kaffeehäusern der Welt. Wiederholte Modernisierungen garantieren dem Luitpoldblock, immer im Trend zu sein. Internationale Luxusmarken sind Begleiter des Unternehmens und die Büroetagen genießen höchste Reputation. Heute ist die Tochter der Eigentümer, Tina Schmitz, in der Geschäftsleitung. Unter ihrer Regie wird im September 2010 eine umfangreiche Sanierung abgeschlossen mit dem Einbau einer Kaffee-Erlebniswelt, die Tradition und Moderne auf einzigartige Weise verbindet. Pächter von Café und Restaurant ist seit Juli 2009 Bäckermeister Dr. Stefan Meier.

Am 10. September 2012 um 19h gab der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude den Startschuss für die Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum des Luitpoldblocks (Info: 200 Jahre Luitpoldblock). Im Cafe Luitpold hielt er frei von der Leber weg eine zwanzigminütige Laudatio auf 200 Jahre Kaffeehaus-Tradition im Luitpold. Was für ein schöner Zufall, dass ebenfalls vor 200 Jahren in München – per königlichem Erlass – der Biergarten als solcher offiziell aus der Taufe gehoben wurde! Äußerst löbliche Worte schenkte Ude auch dem Buch: Das Luitpold – Münchner Kaffeehaus-Tradition seit 1888. Erstaunliche Geschichten und erlesene Rezepte (Titelbild links), das an diesem Abend einem bunten Presse- & Promi-Publikum vorgestellt wurde. Die kulinarischen Kreationen aus dem Rezeptteil des Buches (z.B. Lachs im Zucchinimantel/S.179 oder Topfenknödel mit Rhabarberkompott/S.177), die in Probierportionen gereicht wurden, fanden großen Anklang…  

Einige verdiente Mitarbeiter bekamen von Tina Schmitz (Tochter der Eigentümer/Geschäftsleitung) das Buch zusätzlich als Tortenkreation überreicht. Wer die Köstlichkeiten des Cafetempels unter der Regie von Pächter und Bäckermeister Dr. Stefan Meier kennt ahnt, um was für ein leckeres Geschenk es sich dabei handelt, welches mindestens genauso genüsslich auf der Zunge zergehen dürfte, wie der Inhalt des Buches. Interessant und kurzweilig zu lesen ist Jutta Görickes Werk, in dem nicht nur Wissenswertes rund um das Markenzeichen L  für Luitpold und ein Auszug aus dem Rezeptschatz des Hauses kredenzt wird. Den Leser erwarten außerdem facettenreiche Einblicke in die große Leidenschaft der Kaffeehaus-Kultur. Nach dieser Lektüre kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Coffee to stay wie man auf „gut Neudeutsch“ sagt, hat Sexappeal. Verglichen damit, kommt Coffee to go einem Quicky im Laufen gleich, der ziemlich viel Dreck hinterlässt… RS/PTM

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