8.5.2013 Das neue Lenbachhaus

20-€-Jahreskarte für’s Neue Lenbachhaus macht Kunstgenuss populär

NeuesLenbachWährend vor dem Münchner Landgericht in der Nymphenburger Straße gefühlte Tausendschaften an Polizeieinheiten, Pressevertreter, Demonstranten und Schaulustige den Auftakt des NSU-Prozesses begleiteten, traf sich einige hundert Meter weiter die eher schöngeistig orientierte Presse im neuen Lenbachhaus zum letzten Infotermin vor der Wiedereröffnung am 8. Mai 2013. Schließt man von der Pressepräsenz auf den zu erwartenden Andrang am Eröffnungstag, so dürfte er überwältigend werden. (Foto: Das Alte Lenbachhaus genial integriert (durch Foster & Partner) in das Neue. Das gigantische Deckenkunstwerk ist von Olafur Eliasson) 

Helmut Friedel, (noch) Direktor des Lenbachhauses, stellte der Presse (nach 2 Vorkonferenzen) das Haus erstmals in seiner neuen Gesamtheit vor. Er betonte wieder, dass ein Museum in erster Linie durch seine Kunstgegenständen lebt und dass das Gebäude an sich die Bühne ist auf der Kunst in Szene gesetzt wird. Um keine toten Winkel entstehen zu lassen, wurden auch während der langen Bauphase die Sammlungen (im Kunstbau) stets weiter ausgestellt. Vielen, die am Gelingen dieser Übergangszeit beteiligt waren, wird auf einem großen Bildschirm vor dem Neuen Lenbachhaus öffentlich gedankt.

Die Kunstsammlung soll kulturelles und bildnerisches Gedächtnis sein und die Neueinrichtung eines Museums ist ein idealer Anlass, die Geschichte des Hauses zu rekapitulieren, die Sammlung zu sichten, neue Konstellationen auszuprobieren, abgeschlossene und laufende Restaurierungsprojekte vorzustellen, altvertraute und kaum bekannte Werke einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dazu hatte das Team des Lenbachhauses nun 4 Jahre lang Zeit. So lange hat der Um-/+Neubau unter Foster & Partner gedauert. Kosten: knapp 60 Mio. Euro. Die Ausstellungsfläche ist auf 2800 qm angewachsen (300 mehr als zuvor).

Der alte Zugang – durch den Garten – musste aus praktischen Gründen weichen. Gleichzeitig zieht damit aber auch Stille ein, in diese gepflegte Oase, die vom Museum aus jederzeit betreten werden kann. An der Nahtstelle vom alten Atelier und dem Neubau ist nunmehr der Hauteingang, durch den der Besucher ein Atrium betritt, in der als Exponat Nr. 1 die Villa Lenbach steht (siehe Foto oben) – an dieser Stelle beginnt bereits die Ausstellung. Demokratische Struktur und Offenheit ist angesagt, kein strenger Rundgang vorgegeben: Hier kann man sich frei entscheiden, welche Richtung eingeschlagen werden soll.

Ins ehemalige Atelier von Franz von Lenbach haben Joseph Beuys-Exponate Einzug gehalten. Ob dieses skurrile Sammelsurium eine gute Wahl war, darüber wird es viele Diskussionen geben. Nicht jede Schenkung schenkt gleichzeitig allgemeines Entzücken. Auch an der Fassade scheiden sich die Geister. Die Messingkonstruktion hat einen Ockerton, der der Goldfarbe des alten Lenbachhauses nachempfunden ist, die plastische Wirkung soll dem weichen Putzdekor nahestehen. Die Fassade ist robust und erfordert kein Streichen. Kritiker vermuten hinter der Wellblechoptik eher ein Parkhaus als ein Kunstmuseum. Im Laufe der Jahre wird nicht nur das Ocker matter werden, sondern auch die Kritiken…

Dass größter Wert auf Beleuchtungseffekte gelegt wurde, spürt der Besucher auf Schritt und Tritt. Es ist eine Freude, durch die lichtdurchfluteten, farbenfrohen Räume des neuen Lenbachhauses zu flanieren und immer wieder neue Kunst bzw. Neues in der vorhandenen Kunst zu entdecken. Für 20 (ermäßigt 10) Euro pro Jahr ein preiswertes Vergnügen.

Detaillierte Informationen und Buchempfehlungen finden Sie auf der neuen Homepage vom neuen Lenbachhaus

Pressekontakt: Claudia Weber

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