Buch: Kreativitätstraining für alle

bv_traub-flügel2013 BusinessVillage 
Wolfgang Traub

flügel AM KOPF

Das Kreativitätstraining für nicht Kreative

176 S., 17,90 € (D), 20,50 € (A), 23,80 sFr. Abbildungen. ISBN 978-3-86980-207-7

Aus Gewohnheit unkreativ (Fachartikel von Wolfgang Traub)

Kreativ sind sind die einen von Natur aus, andere beweisen sich als völlig Kreativitäts-resistent, selbst bei Brainstormings in Orkan-Stärke. Neue, gar unkonventionelle Ideen sind ihnen ein Graus und ohne eine vertraute Standard-Lösung sitzen sie erst einmal in der Patsche – aber siehe da: gerade dann sprudeln ihnen plötzlich unkonventionelle und hochkreative Ideen durch die Köpfe. Wie kann das sein?

Was hindert uns daran, jederzeit von unserer Kreativität Gebrauch zu machen? Sind in uns “Kreativitäts-Blocker“ am Werk? Ein kluges Sprichwort lautet: „Not macht erfinderisch“. Aber müssen wir wirklich erst in Not geraten, um  Zugang zu unserer Kreativität zu bekommen?

Ein klassischer Kreativitäts-Trick beantwortet uns diese Frage schnell: wir stellen unser Sprichwort einfach auf den Kopf und erhalten das vielsagende: „Sicherheit macht einfallslos“.

Wohl wahr. Ist erst einmal alles in Butter, dann kann man es sich mit seinen lieb gewordenen Gewohnheiten bequem machen und alle weiteren Entwicklungen verschlafen. Die Wirtschaft liefert ja reichlich Beispiele dazu: Mercedes hat das Elektroauto verschlafen, RIM (Blackberry) den Touch-Screen und  Microsoft gleich den Tablet-Computer und den Smartphone-Browser auf einmal. Wünsche wohl geruht zu haben!

Nicht umsonst spricht man von der „Macht der Gewohnheit“. Wieder eine Redensart – und ebenfalls auf den Kopf gestellt lautet sie in etwa: „Ohnmacht der Neuorientierung“. Da bleibt man doch lieber bei der guten alten Gewohnheit!

Harmlose Wortspielchen? Ja, aber sie bringen das ganze Dilemma der Kreativität ans Licht. Geniale Ideen sind heiß ersehnt, Kreativität an sich gewünscht und oft vollmundig gefordert, aber die Praxis stößt an Grenzen. Und ausgerechnet Grenzen, die wir selbst mühsam errichtet haben: „konzentrieren statt abschweifen“, „die Realität nie aus den Augen verlieren“, „Machbarkeit als erste Voraussetzung für Neuerung“ – das sind nicht nur professionelle Tugenden, sondern auch potente Kreativitäts-Blocker.

Eine kreative Lösung kommt nicht von allein – wir müssen etwas dafür tun. Kreativität ist zwar eine natürliche, ureigene und angeborene Dienstleistung unseres Gehirns, aber in diesem Fall sind wir nicht nur Kunde, sondern auch Betreiber dieser Dienstleistungszentrale. Wir sollten die Eigenheiten und Funktionsweisen der Kreativität respektieren, wenn wir brauchbare Ergebnisse erzielen möchten – die Kreativität braucht genauso ihre Rahmenbedingungen wie die Rationalität.

Kreativ und erfinderisch können wir ohne Not werden – wenn es uns nur gelingt, die Grenzen unserer vertrauten Denkgewohnheiten zu überschreiten, jener Denkgewohnheiten, die uns gewöhnlich wie Autopiloten durch die Routinen des Alltags führen. Konkret müssen wir vier innere Checkpoints durchbrechen 

  • die Trägheit unserer Gewohnheiten
  • die Ungeduld und der Wunsch, die perfekte Idee als erster liefern zu können
  • die Angst, als Träumer oder Spinner angesehen zu werden, und
  • der Perfektionismus, der uns hemmt, uns auf die irrationale Bühne der Kreativität zu wagen

Wegen diesen Faktoren grenzen viele Menschen ihre Kreativität aus und verschwenden obendrein noch viel Eifer (und sicher auch unbewusste Kreativität) darauf, diese Grenzen zu sichern. Grenzen, die uns das Leben erleichtern sollen, werden still und heimlich zu Grenzen, die uns einschränken.

Dabei können wir auf unsere kreativen Potenziale auch ohne Not zurückgreifen, wenn wir es nur schaffen, die Denkgewohnheiten und Dogmen unserer Firma zu hinterfragen, wenn wir bereit sind, dem kreativen Prozess den nötigen Raum zu geben, wenn wir den Wert gezielter Träumereien – nennen wir es hier mal Visionen – anerkennen, und wir diese gedankliche Grenzüberschreitung als Erfolg begreifen.

Wenn dies gelingt, dann ist der Zugang zur Kreativität frei – und wenn dann das 90minütige Brainstorming vor der Mittagspause kein Ergebnis bringt, dann liegt das ausschließlich  daran, dass 90minütige Brainstormings vor der Mittagspause eben kein Ergebnis hervorbringen.

Denn es macht herzlich wenig Sinn, Grenzen zu überschreiten, um dann vor der geöffneten Tür stehen zu bleiben. Die Türschwelle der Kreativität gilt es ebenfalls zu überschreiten, denn diese hat ihre eigenen Rahmenbedingungen und ihre ganz eigene Funktionsweise. Anders als die Rationalität basiert sie nämlich auf Wahrnehmung, Assoziationen und dem Erzeugen von inneren Bildern.

Dazu müssen wir uns zunächst von einem zielorientierten instrumentalen Denken lösen und in ein rezeptives Denken wechseln, also uns ganz der Wahrnehmung widmen. Dabei helfen Übungen zur Sinneswahrnehmung, die möglichst alle fünf Sinne aktivieren. Als nächsten Schritt sollte die Eigenwahrnehmung aktiviert werden, was gut über eine Konfrontation mit ungewohnten Szenarien zu erreichen ist: „was würde ich tun, wenn ich an Stelle von X oder Y wäre?“ oder „wie kann ich meine Mitarbeiter demotivieren?“ oder „was wäre, wenn Mr Bean mich eine Woche am Arbeitsplatz vertreten würde?“.

Solche Übungen führen schon in die zweite Ebene der Kreativität: die Assoziation, die gewissermaßen die Suchmaschine der Kreativität ist. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das eigentliche Problem anzugehen, Gewohnheiten, Ungeduld, Ängste und Perfektionismus endgültig hinter sich zu lassen und in dem  enormen Archiv unserer bewussten und unbewussten Wahrnehmungen nach Ideen zu fahnden. Ideen, die uns völlig subjektiv und kaum nachvollziehbar einfallen und dabei nichts anderes als neue Verbindungen von Informationen sind, die uns neue Sichtweisen auf die Problemstellung ermöglichen. Nichts anderes ist Kreativität.

Die dabei entstehenden „Bildern“ sollten ernst genommen, „spielerisch“ weiter entwickelt und schließlich entschlüsselt werden. Dann, erst dann, ist die gewohnte rationale Bewertung angesagt. 

Grenzen zu überwinden erfordert einen festen Willen und auch etwas Übung – je öfter, desto besser: monatlich, wöchentlich oder täglich. Man sollte eben nicht warten, bis Not herrscht, und zusätzlicher Druck den Blick verstellt.

TraubWolfgang Traub wurde 1956 in Frankfurt/Main geboren und lebt seit mehr als 30 Jahren davon, Situationen und Ideen in Bildern oder Texten zu kommunizieren. Für seine Auftraggeber – überwiegend aus der Wirtschaft – erstellte er Tausende von Bildern, Cartoons und Illustrationen und schrieb Bücher, Werbetexte und Vorträge.

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