Nur noch heute! Anke Heelemann

FORUM 028: Anke Heelemann – Neuordnung. Eine Installation des Projekts Fotothek Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien. Münchner Stadtmuseum (7.9.-4.11.12)

Anke Heelemann sammelt für ihr Langzeitprojekt FOTOTHEK vergessene Privatfotografien, die sie an wechselnden Orten immer wieder neu präsentiert. Fundus und Inspirationsquelle bildet ein um- fangreiches Archiv von anonymen, privaten Fotografien, Dias und Fotoalben der 1920er bis 1980er Jahre. Das Herzstück der FOTOTHEK ist ein Fachgeschäft mit einem Archiv von ca. 100.000 Fotografien in Weimar. Neben Serviceangeboten (Bildausleihe, Bildpatenschaften, Bildnachrichten) und Veranstaltungen bildet es den Ausgangspunkt für zahlreiche Aktionen, bei denen die Künstlerin die Betrachter auf interaktiv-performative Weise einbezieht. (Fotografie aus dem Fotoalbum FTH–126, das mit der Installation „Neuordnung“ im Münchner Stadtmuseum neu zusammengesetzt wird. © FOTOTHEK / Anke Heelemann)

Für ihre Kabinettausstellung in München hat Anke Heelemann eine Installation aus 600 identi- schen Abreißblöcken entwickelt, die auf einem privaten Album basieren. Die Besucher bestimmen wesentlich den Werdegang der Installation: Sie sind eingeladen, einzelne Bilder abzureißen, mitzunehmen und so die Fotoblockwand als lebendiges Relief mitzugestalten. Im Verlauf der Ausstel- lung verändert sich so mit jedem Besucher das Gesamtgefüge, wodurch immer wieder ein neues Querlesen der Fotografien möglich ist. Diese zentrale Installation wird ergänzt durch einen Einblick in das Gesamtprojekt FOTOTHEK Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien.

Zentral für Anke Heelemanns Arbeit ist die Frage nach dem Wert dieses vermeintlichen „Bildabfalls“. Sie sucht über unterschiedliche Präsentationsformen nach Möglichkeiten des Umgangs mit den vermeintlich banalen Fotografien und transferiert diese so in die Gegenwart. Durch die permanente Neuordnung des Archivs initiiert sie eine Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Identität in Fotografien sowie ein Nachdenken über individuelle und kollektive Erinnerung.

Anke Heelemann (*1979) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und an der Bauhaus Universität in Weimar. Sie war u.a. Stipendiatin der Kulturstiftung des Freistaats Thü- ringen und erhielt die Graduiertenförderung der Bauhaus Universität Weimar und des Freistaats Thüringen. Seit 2006 verfolgt sie das Langzeitprojekt Fotothek Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien. Sie lebt und arbeitet in Weimar.

Pressekontakt: Ulla Hoering

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