Buch: Jagen, Sex und Tiere essen

2012 Neudamm-Neudamm
Ein Essay von Florian Asche

Jagen, Sex & Tiere essen

Die Lust am Archaischen

224 S., 16,95 € Hardcover, 12,5 x 19 cm

Ich danke dem mutigen Autor für dieses Buch! Eines mit dieser Quintessenz habe ich – im Kopf – schon x-mal ins Unreine geschrieben, weil mir bei Diskussionen mit Freizeitjägern, die ihr Tun gebetsmühlenartig mit Naturschutz, Hege, Selbstlosigkeit und Ähnlichem begründen, jedes Mal der imaginäre Hut hochgeht. Dabei wäre der so leicht durchschaubare Selbst- und Fremdbetrug gar nicht nötig: Jagen ist in jeder „Beziehung“ ein Urtrieb. Die einen treibt er mehr um, die anderen weniger – und manche gar nicht. Letzteres hat nicht zwangsläufig etwas mit „Verdrängen“ zu tun. Vermutlich hat die Mehrheit der Menschen weder Lust noch das Bedürfnis zu erleben, wie eine Kreatur durch die eigene Hand vom Leben zum Tod befördert wird, so wie Asche es auf  S. 61/62 beschreibt: „… als dann aber der Schuss verhallte und ich an einen guten alten Hahn herantrat, da war all seine Pracht verschwunden. Klein und gebrochen lag er da, bedeckt vom Schnee, ein gefallener Stern. Nein, ich hatte kein schlechtes Gewissen oder musste gar mit den Tränen kämpfen. Doch ich war ernüchtert. So ernüchtert wie der Liebhaber, der die Wohnungstür hinter sich schließt. Ich hatte die Vergänglichkeit gesehen…“  Genau an diesem Punkt scheiden sich meines Erachtens die Geister.   Rena Sutor/PTM 

In einer Zeit, in der Fleischesser von bestimmten Gruppen zu rohen Monstern stilisiert werden, süße Bambis mordende Jäger der Inbegriff des Bösen sind und die freie Liebe der 68er zu einer politisch korrekten Geschlechtslosigkeit erschlafft ist, schreibt Asche ein Buch gegen den Dreiklang des postsozialistischen, pseudoemanzipierten Ökoterrors? Der Genuss von Fleisch und die Jagd hängen irgendwie zusammen, das versteht auch jeder Vegetarier. Dass Jagd die ökologische Alternative zur Massentierhaltung ist und dass Fleisch frei lebender Wildtiere deutlich gesünder ist als jenes von Tieren aus industriellen Mastställen, das dürfte auch in den einen oder anderen Kopf zu bekommen sein.

Doch was hat Sex damit zu tun? Was hat der Akt des Tötens bei derJagd mit dem finalen Orgasmus beim Sex zu tun? Ist Fleisch-Essen doch eher ein Trieb wie die Fortpflanzung? Sind Jäger vielleicht doch böse? Für die Rechtfertigung ihrer archaischen Triebe zahlen 350.000 Grünröcke in Deutschland jedes Jahr 500 Mio. € an Jagdpacht. Obwohl die Jagd durchaus auch ökologisch zu rechtfertigen ist, geht es im Wesentlichen um eines: Beute machen! Der Autor belegt, dass nicht nur der Sexualtrieb, sondern auch der Jagdtrieb angeboren ist. Ähnlich wie Hunger und Durst nur auf vollendete Befriedigung ausgerichtet. Wenn Sie einen Jäger fragen, warum er Tiere tötet, wird er das garantiert mit Naturschutz,  Verantwortung für die Landwirtschaft, Wildschadensverhütung und Biotoppflege begründen. Mit der gleichen Konsequenz könnten wir jemandem glauben, der auf sein illustres Sexualleben hin angesprochen sagt: „Ich habe Sex, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern … um mehr Liebe in die Welt zu bringen.“

Was lernen wir weichgespülten Zivilisationsmenschen aus den Sexpraktiken von charlotte Roche und dem Selbstmord von Ernest Hemingway? Dieses Buch deckt anhand schonungsloser Beispiele die uralten Parallelen zwischen Bordell und Pirsch, Bett und Hochsitz, Potenz und Rohrkrepierer auf und beweist: Eine gute Jagd macht Spaß, wie guter Sex befriedigt und Fleisch einen hungrigen Magen wohlig satt macht. Alle drei haben dabei eins gemeinsam: Mann will es immer wieder tun – Frau auch! Zeit endlich zur Wahrheit zu stehen. Zu bedauern sind nur jene, die ihren Trieben schon entfremdet sind.

Pressekontakt Claudia Diewald PR

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