Reise: das Kranzbach im Elmautal

das Kranzbach (Elmautal)

Königliches Hüttenambiente auf höchstem Niveau

  • Es war einmal

Die ehrenwerte Mary Isabel Portman, eine nicht nur reiche, sondern auch sehr emanzipierte Aristokratin aus London ließ 1915 auf der Kranzbachwiese im verwunschenen Elmautal zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald auf 1030 Höhe Schloss Kranzbach erbauen. Vermutlich würde ihr Herz vor Freude einige Oktaven höher schlagen, wenn sie sähe wie ihr Erbe im 2. Jahrtausend hoch und ihr Andenken in Ehre gehalten wird, seit die jetzigen Hotelbetreiber das Anwesen zum Hotel das Kranzbach machten und es nach Jahren zeitweiligen Rummels seiner natürlichen Stille zurückgegeben haben. Da steht es nun – umgeben von einer Bergkulisse die von solcher Schönheit ist, dass man sie nicht erfinden könnte, vor der aber die ehrenwerte Mary Isabel Portman täglich neu erfunden wird.

Das deutschlandweit einmalige „Englische Schloss“ schottischer Prägung verfügte sogar über einen professionellen Konzertsaal weil Miss Portman eine begnadete Geigenspielerin war. Ihre Violine, die ca. 2 Mio. € wert sein soll befindet sich heute im Besitz der Stradivari Gesellschaft und wird noch bespielt. In ihrer eigenen Familie spielte diese außergewöhnliche Frau eher nicht die erste Geige. Jedenfalls sieht es so aus, als wäre sie akribisch aus der Familienchronik eliminiert worden. „The Family was not amused“, da Mary Isabel nach ihrer eigenen Uhr tickte und sich dem entzog, was die Familie vorschrieb. Zum Beispiel soll sie mit einer Frau zusammengelebt haben – und das zu einer Zeit, in der die gesellschaftliche Mode Prüderie als Deckmantel der Leidenschaft vorschrieb. Der erste Weltkrieg hat wohl verhindert, dass sie ihr Traumschloss je sah.

  • Und da sie nicht wirklich gestorben ist

lebt ein unsichtbarer Geist namens MIP weiter in dem 2007 eröffneten Hotel & Wellness-Refugium das Kranzbach. Die Ganzjahres-Residenz bedient eine Klientel, die fernab von Lärm und Rummel exklusiv und auf natürliche Art entspannen will. Auf dem 130.000 m2 großen Naturgrundstück mit eigener Quelle, an der man sich Tag und Nacht aus jedem Wasserhahn laben kann, scheint die Zeit so unverrückbar still zu stehen, wie die umgebenden Steinriesen Zugspitze, Wetterstein und Karwendel. Nahe Seen laden zum Baden ein oder zur Umrundung per Pedes oder Pedal. Man fährt zur „Sommerfrische“ ins Kranzbach – wie früher, als der geplagte Stadtmensch aufs Land oder in die Berge der Stadt entfloh und Erholung suchte: Heiße Tage, kühle Nächte, wenig Ablenkung, gesunde Ernährung und richtige Bewegung – nicht nur passives Schmoren in der Sonne bei Rekordtemperaturen.

  • Am Anfang war die Stille – dann kam das Wort

Ankommen. Ich bin mit einer 10-köpfigen Pressegruppe verabredet, die sich ein eigenes Bild von dem derzeit viel gelobten Wellnessrefugium machen will. Ankommen vor der vereinbarten Zeit, um „anzukommen“ und Schwingungen Schnuppern gehört zu meinen Lieblingsgewohnheiten. Es gibt mehrere Gründe, warum ich das Kranzbach einmal selbst beurteilen will. Einer davon ist mein Exmann und seine Frau, die immer so verdächtig strahlende Augen bekommen, wenn sie „vom Kranzbach“ erzählen, was offensichtlich ansteckend ist, weil mein Sohn nebst Freundin, die das Hotel auch schon kennenlernten, ebenfalls von diesem Glanz befallen sind. Also: auf zur Recherche, organisiert von Catharina Niggemeier von Creative Navigation, die kleine feine Agentur, die seit Anbeginn die Pressearbeit für das Kranzbach macht.

Eine gute Stunde Fahrt von München aus, über Garmisch vorbei am Mauthaus vor Klais, erreiche ich bei strahlend unterkühltem Wetter Kranzbach 1 über die Auffahrt zum ehemaligen Schloss. Auf den ersten Blick erscheint mir was da vor mir liegt, nämlich die ursprünglichen Schlossbauten inklusive soeben fertig ausgebautem Torhaus, zwar wunderschön aber auch ganz schön winzig für alle Komponenten, die es laut Prospekt enthalten soll. Bald wird sich herausstellen, dass die Architekten die modernen Anbauten so genial in der Landschaft „versteckt“ haben, dass sie bei der Ankunft unsichtbar sind. Gleich beim Verlassen des Autos webt mich die hörbare Stille in einen wohltuenden Cocon. Dabei ist auffällig, dass Stille nicht nur dem Menschen viel angemessener zu sein scheint als Lärm. Drei Rassehunde mit ihren Menschen machen bei meiner Ankunft gespenstisch lautlos einen Spaziergang und in den vier Tagen meines Aufenthalts höre ich keinen einzigen Hund bellen, obwohl einige im Hotel gastieren. Vierbeiner sind hier ausdrücklich willkommen. Als nämlich der heutige Hotelbesitzer seinerzeit mit Hund im nahe gelegenen Hotel Schloss Elmau übernachten wollte und wegen seines Begleiters abblitzte, fuhr er weiter, entdeckte das damals eher einfache und etwas heruntergekommene Etablissement und beschloss, daraus das Kranzbach zu machen, wo auch Vierbeiner willkommen sind. So ist es bis heute geblieben: Elmau wirbt mit seiner Kinderfreundlichkeit, im Kranzbach ist der Nachwuchs erst ab 10 Jahren willkommen.

  • Old English Country- & Modern Mountain-Style

Im ursprünglichen Schlossbereich wurde Old English Style at it’s best, eigenwillig nachempfunden. Er trägt die Handschrift der englischen Stardesignerin Ilse Crawford. Eine gewisse Plüschigkeit mit gewagten Farbkombinationen bedient vielleicht nicht jedermanns Detailgeschmack aber das Gesamtergebnis ist sehr stimmig. Vorsicht: Das Ensemble strahlt eine verhaltene Gemütlichkeit aus, die durch einen Funken vom Kaminfeuer entfacht werden und zu lodern beginnen könnte. Dann brauchen Sie vielleicht bald den Trost, der auf dem Abschieds-Taschentuchpäckchen steht: „Weinen Sie nicht, wir haben 365 Tage für sie geöffnet“…

Im genial integrierten Neubau inklusive Bäderhaus wird Wert auf natürliche Materialien wie unbehandeltes Holz, Naturteppichböden etc. gelegt. Auf den ersten Blick vermittelt mir die große Schlichtheit der Flure einen gewissen edlen Hüttencharakter. In den Zimmern ermöglicht Glas ohne Ende einen optisch und seelisch nahtlosen Übergang in die Natur sowie beste Aussicht von jeder Position aus. Jetzt im April 2012 sind frisch verschneite Alpengipfel zum Greifen nahe. Selbst die geräumigen Bäder erlauben ungetrübte Blicke in die Landschaft. Andrerseits heißt das auch: freie Sicht vom Zimmer ins Bad, worauf nicht alle Gäste scharf sind. Deshalb wird derzeit über die Möglichkeit des sporadischen Sichtschutzes nachgedacht. Der Wohlfühl-Gedanke schwingt überall mit: die Fußböden von Bädern und Toiletten sind beheizt und die Matratzen vorzüglich. Nach meinem Geschmack müssten sich bei so einer gewaltigen Naturkulisse die Vorhänge auf Knopfdruck heben. Aber dann wäre da ja wieder der Elektrosmog…

  • Vorhang auf für Frühlingsgefühle

Wellness-Bäderkonzept

Auch im Bäderhaus wird die Natur überall mit einbezogen und auf den bequemen Liegen verweilt man gerne mal länger, egal ob in Flüster- oder Plauderzonen, in der Sauna (separate „Ladies-Sauna“), im Vitalbereich bei Anwendungen mit Pharmos Natur®-Produkten oder am In- und Outdoorpool. Ich frage das freundliche Pärchen in den 50ern, das grad im Solebecken planscht.: „Tschuldigung, wie lang kann man hier drinnen bleiben?“ Sie: „so lang’s wollen!“ Er: „das merken’s dann schon“, Sie: „da is ja eh nix drin“. Ich: „Dankschön!“ Später google ich „Solebad“: mindestens 15-20, maximal 30 Minuten, nur 1% Salz muss enthalten sein. Damit stimmen dann jedenfalls 30% der Aussage irgendwie: „Eh nix drin“. Auch an den Pools verbreiten offene Feuerstellen eine gemütliche Atmosphäre.

Unter Wellness wird im Kranzbach ein Komplettpaket aus passiver und aktiver Entspannung verstanden. Aqua Gymnastik, leichte Spaziergänge, Nordic Walking… Das tägliche Aktivprogramm motiviert zu Bewegung bei jedem Wetter. Zur Entspannung gibt es viele Angebote: Yoga, Meditation, Qi Gong und andere Techniken zum Abbauen innerer Unruhe zum Beispiel. Und dazu eine möglichst natürliche Ernährung. Die Kranzbach-Philosophie baut auf die Wirkung bewährter klassischer Methoden. Neben Heilmassagen und kosmetischen Anwendungen wird ein spezielles Ernährungs-, Entgiftungs-und Entschlackungsprogramm angeboten. Physiotherapie, Lymphdrainage, Sanfte Methode nach Dorn, Shiatsu, TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) mit Akupunktur und Schröpfen bereichern das medizinisch-therapeutische Spektrum. Spaleiter Karsten Hetzheim, der meistens das Morgen-Walking begleitet geht sensibel auf individuelle Bedürfnisse ein. Dr. Christine Müller und das Badehaus- und Vital-Team garantieren die ärztliche Versorgung.

Übrigens: Dank einer Kostprobe der Yogastunden bei Veronika Rössl (Foto), die in München das MahaShakti Yoga Studio betreibt, bin ich seit der Rückkehr vom Kranzbach dabei, langsam aber sicher meine Yogakenntnisse aus dem Dornröschenschlaf zu küssen. (Auch der Unterricht von Gabriele Hiller aus Garmisch wird sehr gelobt.) … und weil die Sterne nicht lügen und über dem Kranzbach besonders hell leuchten, lässt sich der Aufenthalt zu bestimmten Zeiten ideal mit dem „Astrologie- und Wellness Workshop“ oder ähnlichen Angeboten der charismatischen und kompetenten Münchner Astrologin Sonja Schön verbinden. Die Workshops, weitere Angebote, Preise und viele Details befinden sich auf der Kranzbach-Homepage.

  • Kulinarisches Verwöhn-Programm ohne Reue

Küchenchef Thomas Reichl und sein Team tischen schon zum Frühstück (7-11h) vielerlei Köstlichkeiten mit frischen Zutaten aus der Region auf. „Frühstücken wie ein Edelmann“. Es gibt sogar einen „Saftladen“, in dem man sich Smoothies, Säfte, Gemüsecremes etc. herstellen kann. Zwischen 12 und 14h steht ein Salat- und Suppenbuffet mit hausgemachtem Brot bereit. Ab 15h wird ein Kuchenbüffet angeboten. Es ist nicht so, dass sich dabei die Tische unter der Fülle biegen würden, was ich begrüßenswert finde weil mir die „hierorts“ inzwischen latente Flut an Angeboten, die das Empfinden für die eigene Vorliebe verwässert schon lange suspekt ist. Auch die Abendmenüs sind im kalorienerträglichen Bereich. Die Karte ist fein und übersichtlich wie die Menge auf den Tellern, so dass man auch hier nicht in blinden Schlemmerwahn verfallen muss – es sei denn, man würde das reichhaltige Salat- und Käsebuffet plündern und den Brotkorb nebst leckeren Aufstrichen. Zwischen den Menügängen hat der Gast viel Zeit zum Verdauen – etwas zu viel für meinen Geschmack. Ich fände es sinnvoller, wenn nur eine Hauptspeise von der Karte serviert würde und anschließend ein paar Wahlmöglichkeiten am Büffet gegeben wären.

  • Es ist angerichtet. Gäste im Kranzbach

hochzeit-0042.gif von 123gif.deDer Altersdurchschnitt liegt bei 37 Jahren weil besonders das Wochenendpublikum sehr jung ist. Vor dem Restaurant steht ein Schild: „Ab hier brauchen Sie kein Handy mehr“. In Ordnung! Wenn ich schon meine Emails nicht checken kann, dann nehme ich die Gäste unter die Lupe. Das hat das Kranzbach nun davon… Also: Da speisen Verliebte jeden Alters, die sich mal ein Wochenende gönnen oder generell etwas mehr für Luxus ausgeben können. Paare, die sich wieder eingepuppt haben, seit die Schmetterlingsjahre vorbei sind, die aber die Isolation noch nicht akzeptiert haben: Z.B. das Duo in den Dreißigern mit Rosenblättern auf dem Tisch, das hinter einem riesigen Strauß roter Rosen den 10. Hochzeitstag feiert und so missmutig schweigt, dass die Hoffnung: „Das Kranzbach wird’s schon richten“, eventuell zuviel Druck aufbaut. Gegebenenfalls empfiehlt sich für den nächsten Versuch eine günstigere Unterkunft in der Umgebung – zum Beispiel Pension Ursula. Dann tut’s wenigstens dem Geldbeutel nicht so weh. Oder da ist der gut erhaltene Vater in den Fünfzigern mit der schicken Tochter, die wir einen Moment lang für sein Gspusi halten bis ihn eine Kollegin als Kollegen identifizierend begrüßt und wir vor Scham ob unserer schrägen Verdächtigungen fast erröten. Das männliche Liebespaar, das immer am letzten Tisch im langen Restaurant sitzt, der allerdings auch die beste Aussicht in die Landschaft bietet. Die Zweibeiner, deren Vierbeiner auf den Zimmern im Extratrakt versorgt werden. Ein Gast, dem man ansieht, dass er sich grade von einer schweren Krankheit – z.B. einem Schlaganfall erholt. Last but not least: viele Frauen, allein oder in Grüppchen. O-Ton Hotel-Manager Klaus King: „das Kranzbach ist sehr feminin“. Kein Wunder, wo doch MIP durch die Gemäuer geistert…

Die Gäste wirken überwiegend sportlich ambitioniert. Freilich bleiben solche Ambitionen gelegentlich zwischen Wellnesstempel, Poolbereich und Restaurant auf der Strecke, wo so viele ungemein bequeme Liegen vom richtigen Weg schon mal abbringen und zum Müßiggang zwingen können. Aber hier steht dann eben der Wille für die Tat oder der Weg ist das Ziel – und das ist auch gut. Alles in allem: ein bunt gemischtes, angenehmes Publikum in deren Reihen jeder seine Nische findet. Das Preis-Leistungsverhältnis finde ich in Ordnung, nicht zuletzt weil man immer auch die Kulisse mit bezahlt.

Spür ich jetzt etwa auch schon jenen gewissen, infektiösen Glanz aufsteigen, der sich einstellt wenn man vom Kranzbach spricht? Ich muss das jetzt unbedingt im Auge behalten…

  • Ausflüge und mehr

Der Franz (Foto), aus Klais, Skilehrer und Wanderführer und außerdem noch Laienspieler – ein Urgestein, das das Anwesen schon aus Kindertagen kennt, führt mit gewohnt bayerischer Gemütlichkeit durch die herrliche Landschaft. Zum Beispiel zu den Buckelwiesen (nicht zu verwechseln mit Buckelpisten), einer Naturerscheinung, die es nur hier zwischen Garmisch und Mittenwald gibt. Oder man läuft ein Stückchen die Römerstraße entlang – einer von vielen Wanderwegen: schön ist es in der Umgebung vom Kranzbach überall und mit der Erklärung vom Franz schon gleich gar. Rechts im Bild „Herr Hummel“ – ein Kenner der weiß, dass man wichtige Geschäfte nirgendwo so gut erledigen kann wie auf Buckelwiesen. Oh – das liest jetzt hoffentlich niemand von der Plastiktütchen-Lobby. Sonst hab ich ein Problem…

  • The „Kings“ Castle

Klaus King mit angelsächsischen Wurzeln, ist die Seele des Kranzbach und leitet es vorbildlich mit seinem kompetenten Team. Nomen est Omen. Was könnte wohl besser zu einem Hotel mit aristokratischen Grundmauern passen als ein King aus dem Allgäu? Zuvor war der King Wirtschaftsdirektor (F&B Manager) und Teamleiter im renommierten Hotel Sonnenalp im Allgäu und auch sonst verfügt er über einen Werdegang, der sich sehen lassen und dem Kranzbach nur gut tun kann. Man könnte fast meinen, „King“ wäre eine Künstlername – stimmt aber nicht: alles echt!

Detaillierte Informationen über Hotel und mehr auf der Kranzbach-Homepage.

(Rena Sutor/PTM/Mai 2012)

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