Reise: Der Transport in Kuba

Marco Antonio Martínez Cabrerizo

Der Transport in Kuba

Seit einiger Zeit zirkulieren neue Omnibusse der chinesischen Marke Yutong durch die Straßen von Havanna und die Provinzhauptstädte.

Sie erleichtern wesentlich die Transportschwierigkeiten der reisenden Bevölkerung zwischen den Provinzen und in deren Hauptorte. (Foto: M.A. Martínez Cabrerizo)

Das kubanische Volk hat sich während des letzten Jahrzehnts einiges einfallen lassen, um die Lösung dieser Transportprobleme selber in die Hand zu nehmen. Dazu schöpfte es aus seinem Ideenreichtum und der oft überbordenden Kreativität, um den eisernen Griff der Auswirkungen der belastenden USA-Wirtschaftsblockade auf den Transport, der seit 50 Jahren besteht, zu lockern.

Sie paarten die alternden Transportmittel mit ihren futuristischen Träumen aus der sie täglich tyrannisierenden Wirklichkeit und daraus wurden ganz neue Hybrid-Fahrzeuge geboren. Heute darf festgestellt werden, dass diese ihren Teil zur Notlösung beigetragen haben, was ihnen eine magische Verehrung verliehen hat und dies nicht zuletzt dank der technischen Genialität in farbenprächtiger Ausführung!

Zuerst tauchten die Bicitaxis auf, Zweiräder mit einem seitlichen Sitz versehen. Sie sind den asiatischen Taxis, wie sie in Vietnam oder Kambodscha benutzt werden, sehr ähnlich. Hingegen tragen sie Nummernschilder und sind mit Musik und Lautsprechern ausgerüstet; auch unterscheiden sie sich voneinander durch die unterschiedlichsten Verzierungen rundherum. Sie bringen die Passagiere gegen ein gerechtes Entgelt für den Muskeleinsatz an jede menschenmögliche Destination.

Später erstaunte das Erscheinen der Kamele, der Gelenkbusse mit enormem Passagiervolumen, die hinter gewaltig starken Lastwägen nachgeschleppt werden. Das Design dieser Vehikel weist farbenfroh auf den gewölbten Buckel der Wüstenschiffe hin. Mit der Zeit wandelte sich die Benennung Kamel zu Metro-Bus um.

Aus dem Volksmund sind unzählige Witzeleien rund um diese gigantischen Volkstransporter bekannt. Sie machen ironisch darauf aufmerksam, dass die Kamele einen garantiert erfolgreichen Tummelplatz für Taschendiebe darstellen; dass jedermann dort die sensationellste Duftwolkenatmosphäre aus undefinierbaren Hitze- und Schweißausdünstungen ohne Zusatzticket für Sauna geniest und, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Hautfarbe, extrem seltene Berührungsempfindungen wahrnehmen wird, dies einfach schon durch das den Sardinen ähnlich abverlangte zusammengepfercht werden!

Total „Retro“, nämlich wie im XVIII. Jahrhundert, traten wieder Pferdewagen für 4 bis 20 Passagiere ins Transportbild. Die Anzahl lebender „PS“ oder „Hafermotoren“ wurde der Anzahl der Passagiere, dem Parcours und dessen topographischen Eigenheiten angepasst. Je nach Region des Landes waren die Wagen künstlerisch bemalt und reich verziert, einige verfügten sogar über Batterien für nächtliche Beleuchtung und Grammophonmusik.

Die sehr beliebten Cocotaxis, Motorräder mit Dach in Form der fruchtigen und erfrischenden Kokosnuss blieben in ihrer Entwicklung nicht hintan. Touristen aus aller Welt benutzen sie rege dank ihrer Geschwindigkeit und Beweglichkeit im Verkehr. Daneben sind sie sehr preisgünstig und die Liebenswürdigkeit und Fahrtüchtigkeit ihrer meist jungen Fahrer beider Geschlechter ist sprichwörtlich.

Selbstverständlich fehlen die Taxis der entsprechenden Epochen nicht, alte Raritäten der 30er bis 60er Jahre der Marken Ford, Oldsmobile, Hudson, Chevrolet, DeSoto, Plymouth, Volkswagen und andere. Sie stammen hauptsächlich aus den USA und Europa. Dann existiert ebenfalls die Gesellschaft Gran Caribe, welche die Fotinguitos, die noch älter sind als die oben erwähnten Modelle, vermietet.

Ein Glücksfall zur Transportproblemlösung stellte die Lieferung von Limosinataxis, wie Städter sie bezeichnen, dar. Es handelt sich lediglich um zwei zusammengebaute Lada, der russische Lizenz-Fiat, welcher über mehr Sitze verfügt.

In der karibischen Stadt Santiago de Cuba, im Osten des Landes, herrschen die Motorräder der Marken ETZ, Jupiter, CZ, Jaguar und Mink vor. Für 10 Pesos cubanos tragen sie auf dem kleinen Soziussitz jeden in alle Quartiere.

Autostop ist auch in Kuba an der Tagesordnung. Und nicht selten sieht man z.B. eine 80-jährige Dame oder ein Kind von 12 Jahren, die sich so weiter bewegen wollen.

Last but not least darf gesagt werden, dass die Kubaner, wenn sie sich irgendwohin begeben müssen, ihrem angeborenen Talent und Ruf, mit Charme und Sympathie zu handeln, gerecht werden. Fröhlich und lebenslustig plaudernd rempeln sie einen potentiellen Transporter an und zwar so, dass ihnen dieser zum Schluss nicht widersteht, sondern ihnen sogar gerne und lächelnd beisteht bei einer – diesmal individuellen – aber allen bekannten Transportproblemlösung!

Kommentare sind geschlossen.