Kalenderblatt Dienstag 4.2.20

Kalenderblatt Dienstag, 4. Februar 2020

Zitat des Tages: „Ein Kompromiss, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen.“ Ludwig Erhard (1897-1977)

auto-0619.gif von 123gif.de4.2.1971: Rolls-Royce: Ende einer Luxuskarosse?

In London gibt der britische Minister Frederick Corfield heute den Bankrott des traditionsreichen Unternehmens Rolls-Royce bekannt. Vom Konkurs der seit 1906 bestehenden Nobelmarke, der auf eine beispiellose Fehlinvestition in Flugzeug-Triebwerke des US-Unternehmens Lockheed im Jahr 1968 zurückzuführen ist, sind rund 80.000 Arbeitsplätze bedroht. Englands Regierung versucht Abhilfe zu schaffen.

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Wer heute einen Rolls-Royce sein eigen nennen will, muss für das britische Luxusgefährt je nach Ausstattung umgerechnet zwischen 200.000 und 300.000 Euro „hinblättern“. Kein Wunder also, dass die britische Renommierkutsche seit jeher ein Statussymbol der Reichen und Mächtigen dieser Welt ist. 1906 startete es seinen Siegeszug mit dem „Silver Ghost“, dem weitere Nobelmodelle wie „Phantom“, „Silver Dawn“ und die exklusive Zweitmarke Bentley folgten.

Die von dem englischen Rennfahrer Charles Stewart Rolls und dem Ingenieur Frederick Henry Royce gegründete Rolls-Royce Ltd. hatte sich zunächst auf die Herstellung von Flugzeugtriebwerken und die Schiffsproduktion spezialisiert, bevor sie sehr erfolgreich die Konstruktion hochkarätiger Automobile in Angriff nahm. Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens 1971 konnte zwar mit Unterstützung der englischen Regierung der drohende Bankrott gerade noch einmal abgewendet werden, die prekäre Lage führte aber zwangsweise zur Aufteilung der Geschäftsbereiche. Die defizitäre Triebwerksproduktion wurde unter staatlicher Leitung fortgeführt, der profitbringende Automobilzweig stand zur Privatisierung an. Der englische Vickers-Konzern übernahm schließlich den Kfz.-Bereich, der fortan als Tochtergesellschaft unter dem Namen Rolls-Royce Motor Cars Ltd. firmierte. 1990 fasste auch der Münchner Hersteller BMW bei Vickers/Rolls-Royce Fuß, allerdings primär im Bereich der Triebwerksproduktion und als Zulieferer von Autoteilen.

28 Jahre nach dem Crash stand Rolls-Royce erneut zum Verkauf. Vickers-Vorstand Colin Chandler teilte in einer Pressemeldung mit, dass ein Verkauf im gemeinsamen Interesse von Werk und Aktionären sei. Daraufhin begann unter den einschlägigen Interessenten ein Poker um die britische Nobelmarke: Im Gespräch waren auch etliche deutsche Kaufanwärter, darunter der weltweit operierende VW-Konzern und die Bayerischen Motorenwerke (BMW), die sich bereits die britische Automarke Rover „einverleibt“ hatten, jedoch nicht gerade zum Vorteil, wie sich später erweisen sollte.

Die Folge war ein unendliches Hickhack zwischen VW und BMW, die sich mit ihren Angeboten gegenseitig übertrumpften. Die Pokerpartie endete zunächst mit einem Kompromiss der beiden deutschen Kontrahenten. Während VW den Rolls Royce von 1998 bis 2002 herstellte und vertrieb, konnte sich Hersteller BMW, der auf der diesjährigen Autoschau in Detroit den neuen Rolls Royce „Phantom“ bereits präsentierte, sich 1998 die Namensrechte für die britische Luxuslimousine ab 2003 – zu einem Preis von 40 Millionen Pfund – sichern. Der Preis für den „Phantom“ – zunächst noch ein Geheimnis: die stolze „Kleinigkeit“ von rund 380.000 Euro.

Gedenktage:

1974: Die 19-jährige Patricia Hearst, Tochter des millionenschweren US-Zeitungsverlegers, wird in Kalifornien von der Terrorgruppe SLA gekidnappt. Wie sich später herausstellt, handelte es sich um eine vorgetäuschte Entführung. Die Verlegertochter gibt sich als SLA-Angehörige zu erkennen und wird 1975 festgenommen.

1938: Mit fadenscheinigen Begründungen entlässt Adolf Hitler seinen Reichskriegsminister Werner von Blomberg und Heeres-Oberbefehlshaber Werner Freiherr von Fritsch. Letzterem wird Homosexualität vorgeworfen, von Blomberg fällt beim Führer wegen einer unstandesgemäßen Heirat in Ungnade.

1897: Mit dem ersten offiziellen Eishockeyspiel begründen der Akademische Sportclub Berlin und eine gemischte Mannschaft in Deutschland eine neue Wintersportart, die ihren Ursprung in Kanada hat.

1889: Die französische Panama-Gesellschaft meldet Konkurs an und stellt den Bau des Panamakanals ein. Der Bankrott wurde durch zögerlichen Baufortgang, totale Fehleinschätzung der Kosten und nicht zuletzt wegen hoher Bestechungsgelder an Banken und Behörden ausgelöst.

1194: Gegen eine Lösegeldzahlung kommt der entführte und auf Burg Trifels fest gehaltene englische König Richard I. Löwenherz frei. Zwei Jahre zuvor war er vom österreichischen Herzog Leopold V. gefangengenommen und an seinen Rivalen Heinrich VI. ausgeliefert worden.

Geburtstage:

1975: Natalie Imbruglia; australische Sängerin und TV-Serienstar. Nach ihrem Ausstieg aus der US-Seifenoper „Neighbours“ widmete sie sich ihrer musikalischen Karriere. Mit zum Teil selbstgeschriebenen Nummern („Torn“ und „Big Mistake“) schaffte sie den nahtlosen Übergang vom Fernseh- ins Plattenstudio.

1948: Alice Cooper, eigentlich Vincent Damon Furnier; US-amerikanischer „Glitter“-Rockstar und exaltierter Bandleader der gleichnamigen Musikgruppe. Ausgeflippte und provozierende Bühnenauftritte verhalfen der „Schreckschraube vom Dienst“ und dem Vater der Heavy-Metal-Szene zu größerem Bekanntheitsgrad als seine Hits „I Never Cry“, „Only Women“ und „Poison“.

1929: Eduard Zimmermann; deutscher TV-Journalist, dem Fernsehpublikum durch die zum Kultstatus gelangte Fahndungssendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ bekannt, die seit mehr als 30 Jahren in die deutschen Wohnzimmer flimmert. 1997 nahm „Ganoven-Ede“ Abschied von der Welt der Verbrechensbekämpfung via TV und überließ das Feld seinen Nachfolgern (u.a. dem früheren Eisläufer Rudi Cerne).

1902: Charles Augustus Lindbergh († 26.8.1974); US-amerikanischer Flugpionier. 1927 überquerte er als Erster im Alleinflug den Atlantik und legte die Strecke von New York nach Paris in 33,5 Std. zurück. Seine Erlebnisse in den Lüften beschrieb er in diversen Büchern, unter anderem in dem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten „The Spirit of St. Louis“ (1953).

1897: Ludwig Erhard († 5.5.1977); deutscher Politiker (CDU). Seine Politkarriere begann er als bayerischer Wirtschaftsminister (1945-46), gefolgt vom Amt des Bundeswirtschaftsministers (1949-63); nach dem Rücktritt Konrad Adenauers trat Erhard dessen Nachfolge als Bundeskanzler an. Der Politiker, der selten ohne Zigarre anzutreffen war, gilt als einer der geistigen Väter der Sozialen Marktwirtschaft.

Copyright Rosmarie Elsner

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