Kalenderblatt Donnerstag 7.11.19

Kalenderblatt Donnerstag, 7. November 2019

Zitat des Tages: „Wer sich ein ruhiges Leben wünscht, hätte besser getan, nicht im 20. Jahrhundert geboren zu werden.“ Leo Dawidowitsch Trotzki (1879-1940)

menschen-0217.gif von 123gif.de7.11.1918: „Novemberrevolution“ in Bayern: Das Ende der Monarchie

Im November 1918 herrscht Aufruhr in Preußen, Österreich und Bayern, wo die Monarchie in den letzten Zügen liegt. In Bayern versetzt ihr die „Novemberrevolution“ in München den letzten Dolchstoß. Kurt Eisner, Vorsitzender der USPD, proklamiert heute den „Freien Volksstaat Bayern“ und wird dessen erster Ministerpräsident. Nach dem Sturz der Wittelsbacher bleibt dem letzten bayerischen König Ludwig III. nur noch die überstürzte Flucht aus München ins ungarische Exil.

Mehr Details:

Kurt Eisner, ein gebürtiger Berliner, überzeugter Pazifist und Schriftsteller mit politischen Ambitionen, kam 1910 in die Residenzstadt München. Hier arbeitet er zunächst als Mitarbeiter der Zeitschrift „Münchner Post“ und gibt bald ein eigenes Wochenblatt heraus, das „Arbeiter-Feuilleton“. 1917 wird der erbitterte Gegner deutscher Kriegspolitik zum Vorsitzenden der USPD in Bayern (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) ernannt. 1918, im Jahr der Revolutionswirren im deutschen Reich, macht sich der Politiker für die Munitionsarbeiter in München stark, organisiert deren Streik und wandert für dieses Engagement für neun Monate hinter Gitter.

Streiks sind zu dieser Zeit in Deutschland an der Tagesordnung: Im ganzen Land herrscht Umbruchstimmung, und wie in Berlin und Hamburg formieren sich Arbeiter- und Soldatenräte. In Kiel verweigert eine Truppe aufständischer Matrosen den Gehorsam; ihr bewaffneter Aufstand bildet den Auftakt für weitere Revolutionen im deutschen Reich. Eine Umgestaltung des Staates zeichnet sich allmählich ab, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch niemand eine rechte Vorstellung von einer Gesellschafts- und Regierungsform hat, in der Kaiser und Könige ausgedient haben.

Auch den Sozialdemokraten Eisner, der erst im Oktober 1918 aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat die Haft nicht gebeugt. Im Gegenteil! Kaum entlassen, bereitet er die nächste Aktion vor. Am 7. November ruft der USPD-Vorsitzende im bayerischen Landtag einen Republikanischen Freien Volksstaat Bayern aus und wird zugleich dessen erster Ministerpräsident. Blutig geht es bei dem bayerischen Umsturz nicht zu; stattdessen setzt man sich nach getaner Revolution am Abend im „Mathäserbräu“ am Stachus zusammen und wählt nach dem Vorbild anderer deutscher Städte einen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat.

Mit diesem Staatsakt hat Bayerns letzter König Ludwig III. „verspielt“; mitsamt Familie verlässt er überstürzt die einstige Residenzstadt München und flieht ins Exil nach Ungarn. Damit endet die 112-jährige Epoche der Monarchie in Bayern, die im Januar 1806 mit einem Geschenk Napoleons an das Kurfürstentum Bayern und seinen Kurfürsten Max Joseph begann: der Königswürde. Kurt Eisner wird nur eine kurze Laufbahn als Ministerpräsident beschieden sein: Vier Monate nach der Ernennung fällt er in der Münchner Innenstadt einem Mordanschlag zum Opfer.

Gedenktage:

1983: In der Isarmetropole München nimmt Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann die erste öffentliche Zapfsäule für bleifreies Benzin in Betrieb. Ein von der Bundesregierung im Juli 83 vorgelegter Umwelt-Maßnahmenkatalog sieht unter anderem vor, dass bis 1. Januar 1986 bleifreies Benzin an allen deutschen Tankstellen verfügbar sein soll.

1963: Es mutet wie ein Wunder an: Elf vermisste Bergleute, die vor mehr als zwei Wochen bei einem Grubenunglück im niedersächsischen Lengede von Schlammmassen verschüttet wurden, können mit Hilfe des Rettungsgerätes „Dahlbuschbombe“ lebend geborgen werden. Für 29 Bergleute jedoch kommt jede Hilfe zu spät.

1919: In der Londoner „Times“ erscheint heute ein umfassender Bericht über Albert Einsteins Relativitätstheorie, die am Tag zuvor von der britischen Royal Society offiziell bestätigt wurde. Anhand einer Sonnenfinsternis in den Tropen hatte die renommierte Institution die revolutionäre Theorie des unbekannten deutschen Physikers überprüfen können. Einstein verhilft diese Anerkennung schlagartig zum weltweiten Ruhm.

1917: In der Nacht auf den 7.11. wird Russland durch die „Oktoberrevolution“ erschüttert. In der Hauptstadt Petrograd stürmen Truppen der Roten Garden den Winterpalast, den Sitz der provisorischen Regierung, die nach dem Sturz des Zaren die Geschicke des Landes lenkte. Unter Führung von Wladimir I. Lenin übernehmen die „Bolschewiki“ die Macht und besetzen alle wichtigen Staatsämter. (Nach russischer Zeitrechnung fand der Putsch am 24./25.10. statt, daher der Name „Oktoberrevolution“.)

1821: Im Staate New York wird die erste Hochschule für Frauen ins Leben gerufen. Auf dem Lehrplan stehen überwiegend wissenschaftliche Fächer wie Geschichte, Philosophie und Mathematik. In deutschen Schulen werden zu dieser Zeit Mädchen und junge Frauen noch gemäß ihrer „Bestimmung als Frau“ erzogen: Sie erhalten Unterricht in Stricken, Nähen, Kochen und weiblicher Demut.

Geburtstage:

1953: Ottfried Fischer; deutscher Kabarettist und Schauspieler. In der populären TV-Krimiserie „Der Bulle von Tölz“ spielte Fischer den schwergewichtigen „Kommissar Berghammer“, in „Ottis Schlachthof“ moderierte er mehr als 170 Sendungen. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung zog er sich 2012 aus dem Bühnen- und TV-Geschehen zurück.

1913: Albert Camus († 4.1.1960) französischer Schriftsteller, Theaterregisseur und Mitbegründer der Résistance-Zeitschrift „Combat“. Der Verfechter einer absurden Philosophie prägte das geistige Leben in Europa durch die Vielzahl seiner existenzialistischen Werke maßgeblich mit. Zum Literaturvermächtnis des Nobelpreisträgers von 1957 gehören u.a. die Werke „Die Pest“ (1947) und „Der Fall“ (1956).

1903: Konrad Lorenz († 27.2.1989); österreichischer Verhaltensforscher. Anhand von Tierstudien (u.a. Graugänse) analysierte er tierische Verhaltensweisen und schuf dadurch das Bindeglied zwischen Human- und Tierpsychologie. Sein Verdienst, über die Forschungen in der Tierwelt zu einem tieferen Verständnis des Homo sapiens zu gelangen, brachte ihm 1973 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin ein.

1879: Leo Dawidowitsch Trotzki, eigentlich Leib Bronstein († 21.8.1940); sowjetischer Politiker. Der Begründer der Roten Armee, Verfechter einer „Permanenten Revolution“ und eine der führenden Persönlichkeiten der „Oktoberrevolution“ von 1917 geriet nach dem Tode Lenins ins Kreuzfeuer der Kritik dessen Nachfolgers Stalin. Dieser enthob ihn aller Ämter, verwies in des Landes und war auch an Trotzkis Ermordung in Mexiko maßgeblich beteiligt.

1866: Paul Lincke, eigentlich Carl Emil P. L. († 3.9.1946); deutscher Komponist. Der ehemalige Berliner Kapellmeister schrieb eine Vielzahl von Operetten, Schlagern und typischen Berliner Liedern, darunter auch den Gassenhauer „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“ aus der auch heute noch beliebten Operette „Frau Luna“, die im Mai 1899 Premiere feierte.

Copyright: Rosemarie Elsner

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