Kalenderblatt Donnerstag 30.5.19

Kalenderblatt Donnerstag 30.5.2019

Zitat des Tages: „Glück in der Ehe setzt viele kleine Aufmerksamkeiten und manchmal eine große Unaufmerksamkeit voraus.“ Inge Meysel (1910-2004)

flugzeug-0036.gif von 123gif.de Download & Grußkartenversand30.5.1811: Der Schneider von Ulm und sein Traum vom Fliegen
Der älteste Traum der Menschheit, der vom Fliegen, endet für Albrecht Ludwig Berblinger heute ausgesprochen blamabel. Der „Schneider von Ulm“ springt mit einem selbst gebastelten Fluggerät von einem Turm und plumpst anstatt zu gleiten aus den Lüften direkt in die eiskalte Donau. Das „tapfere Schneiderlein“ überlebt das waghalsige Flugexperiment mit einem Schrecken und etlichen blauen Flecken an Leib und Seele.

Mehr Details:

Berblinger, ein gelernter Schneider und zudem ein leidenschaftlicher Tüftler, hatte einen Flugapparat konstruiert, mit dem es seiner Kenntnis nach möglich sein sollte, wie ein Vogel durch die Lüfte zu schweben. Als er dieses Vorhaben in Anwesenheit des Königs und vieler Schaulustiger am 30. Mai in die Tat umsetzen wollte und mit dem Fluggerät von der Ulmer Adlerbastei abhob, um die Donau zu überfliegen, hatte er nur eins außer Acht gelassen: die fehlende Thermik über den kalten Donaufluten. Kurz nach dem Start, mitten über dem Fluss, sackte er mitsamt seiner Eigenkonstruktion ab und landete im eiskalten Nass.

Um dem Spott seiner schwäbischen Landsleute zu entgehen, die dem missglückten Vogelflug beiwohnten, suchte Berblinger, nachdem ihn ein Schiffer unverletzt aus der Donau gefischt hatte, rasch das Weite. Sein Leben lang sollte ihm der Hohngesang der Schwaben in den Ohren nachhallen, die dem erfolglosen Flugpionier einen Vers in Mundart auf den Leib schneiderten: „Der Schneider von Ulm hat’s Fliega probiert, no hot’en dr‘ Deifl en d’Donau neigführt.“

Der Teufel hatte seine Finger nicht im Spiel, denn der Schwabe hatte sich, abgesehen von seiner Unkenntnis der Thermik, gar nicht dumm angestellt. Dies bezeugten Experimente aus dem Jahr 1986: Experten hatten nämlich seinen Flugapparat im Original nachgebaut und waren zu der Überzeugung gelangt, dass die Konstruktion tatsächlich flugfähig war. Dem verhinderten Erfinder nützte diese späte Erkenntnis freilich nichts. Er konnte das Tüfteln auch weiterhin nicht lassen und entwickelte eine „künstliche Fußmaschine“, die bei Amputationen erfolgreich zum Einsatz kam. Gerne hätte er für diese Innovation öffentlich geworben, aber wegen seines ramponierten Rufes wurde ein Gesuch an den bayerischen König Maximilian I. strikt abgelehnt. Kommerzieller Erfolg war ihm mit seiner „Fußmaschine“ jedenfalls nicht beschieden. Auch das Salär als Schneider schien zur damaligen Zeit nicht gerade üppig gewesen zu sein. Wegen seiner anerkannten Fähigkeiten in diesem Metier wurde Berblinger 1812 zum Regimentsschneider einer Ulmer Garnison befördert, starb aber im Alter von 58 Jahren im Januar 1829 an Abzehrung und landete in einem Armengrab.

Gedenktage:

1989: Der brasilianische Formel-1-Pilot Emerson Fittipaldi, dessen Glanzzeiten eigentlich schon passé sind, gewinnt überraschend die berüchtigten 500 Meilen von Indianapolis. Der spektakuläre Sieg beschert dem 42-Jährigen ein Preisgeld von über einer Million Dollar.

1968: Die umstrittenen „Notstandsgesetze“, die heute vom Deutschen Bundestag auf dem Höhepunkt der 68er Studentenunruhen verabschiedet werden, führen zu Massenprotesten in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Grundrechte wie Versammlungsfreiheit können aufgrund der neuen Regelungen zeitweise außer Kraft gesetzt werden.

1967: Die heutige Unabhängigkeitserklärung des Ostteils Nigerias durch General Chukwuemeka O. Ojukwu bedeutet den Beginn blutiger Auseinandersetzungen zwischen dem neuen Staat Biafra und den nigerianischen Truppen; der Krieg führt zu einer Hungersnot und endet mit der Kapitulation Biafras, das danach wieder Teil Nigerias wird.

1866: Im Prager Interimstheater feiert „Die verkaufte Braut“, die bekannteste Oper des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana, ihre mäßig bejubelte Premiere. Ein Publikumserfolg wird diese heitere Volksoper jedoch erst nach ihrer Überarbeitung und anlässlich ihrer ersten Aufführung im Ausland (St. Petersburg, 1871).

1431: Auf dem Marktplatz von Rouen/Frankreich endet Jeanne d’Arc als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen. Die „Jungfrau von Orléans“, berühmtestes Opfer des Hexenwahns in Europa, hatte zwei Jahre zuvor die Stadt Orléans von den englischen Belagerern befreit; 1920 wurde die französische Nationalheldin von Papst Benedikt XV. heilig gesprochen.

Geburtstage:

1958: Gun Marie Fredriksson; schwedische Sängerin, besser bekannt als die weibliche Hälfte des Duos „Roxette“. Ihre Hits wurden in der ganzen Welt bekannt, darunter der Song „It Must Have Been Love“ aus der romantischen Filmkomödie „Pretty Woman“ oder der Titel „Milk and Toast and Honey“.

1910: Inge Meysel († 7.7.2004); deutsche Schauspielerin. In ihren Rollen verkörperte sie häufig die „Mutter der Nation“. Die resolute und bis ins hohe Alter rüstige Künstlerin brillierte u.a. an der Seite ihres Partners Joseph Offenbach in der TV-Familienserie „Die Unverbesserlichen“ und war 2001 im TV Movie „Die Liebenden vom Alexanderplatz“ zu sehen.

1909: Benny Goodman († 13.6.1986); US-amerikanischer Jazzmusiker (Klarinettist und Bandleader). Der „King of Swing“, der die noch heute populäre Stilrichtung Swing weltweit salonfähig machte, trat als erster Jazzmusiker in der New Yorker Carnegie Hall auf, die bis dahin ausschließlich klassischen Tönen vorbehalten war.

1907: Elly Beinhorn; deutsche Sportfliegerin mit Rekordambitionen und Ehefrau des 1938 tödlich verunglückten Rennfahrers Bernd Rosemeyer. Höhepunkt der Fliegerkarriere der berühmten Pilotin, die mit einer Me 108 „Taifun“ die Lüfte unsicher machte, war ihr spektakulärer Alleinflug (1931/32) nach Afrika, den sie in ihren Lebenserinnerungen „Alleinflug“ beschrieb.

1896: Howard Hawks († 26.12.1977); US-amerikanischer Filmregisseur. Bevorzugt war in den Genres Western, Gangsterfilme und Komödien tätig. Große Leinwanderfolge wurden seine Western „Red River“ und „Rio Bravo“ (beide mit John Wayne) sowie die Komödien „Blondinen bevorzugt“ mit Marilyn Monroe und „Hatari“.

Copyright Rosmarie Elsner

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