15.3.-16.11.18 Evas Töchter

Evas Töchter

Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung 1894 bis 1933

Monacensia im Hildebrandhaus (15.3.-16.11.18)

Modern sein heißt für die Frau ein eigenes Gesetz in der Brust tragen. (Carry Brachvogel, 1912)

München um 1900: Die bayerische Residenzstadt wird zu einer der bedeutendsten Kunst- und Kulturstädte Europas, zum Zentrum der Schwabinger Bohème – und einer noch jungen Frauenbewegung, die in der Folge großen Einfluss auf das Bürgertum in ganz Bayern gewinnt.

frauen-0004.gif von 123gif.deSeit 1894 ist München von der modernen Frauenbewegung bestimmt, die für ein neues Frauenbild, das Recht auf Bildung, Selbstbestimmung und Erwerbstätigkeit der Frau eintritt. Die Stadt ist geprägt von Frauen wie Anita Augspurg, Sophia Goudstikker, Ika Freudenberg, Emma Merk, Marie Haushofer, Carry Brachvogel, Helene Böhlau, Emmy von Egidy und vielen anderen. Alle diese Frauenrechtlerinnen, unter ihnen auffallend viele Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, sind Mitglieder im Verein für Fraueninteressen, dem Flaggschiff der bürgerlichen Frauenbewegung in Bayern. Für seine öffentlichen Veranstaltungen wählt der Verein stets repräsentative Orte: das Hotel Vier Jahreszeiten, den Bayerischen Hof, das Künstlerhaus am Lenbachplatz, am häufigsten aber das Café Luitpold in der Brienner Straße, damals ein großer Palast im Renaissancestil. 

Die Lebensentwürfe, Ansichten und Ideen dieser politisch engagierten Frauen sind heute hochaktuell. Sie alle begeben sich auf die Suche nach einem neuen Selbstverständnis der Frau, stellen die traditionellen Rollenvorstellungen im Bürgertum in Frage und entwerfen neue Geschlechterbilder und neue Rollen von Frau und Mann. Sie alle kämpfen für das Recht der Frau auf Bildung und Beruf, für finanzielle Unabhängigkeit und gleichberechtigte Entlohnung.

Die bürgerliche Frauenbewegung in München ist verknüpft mit der Strömung und den Vertretern der „Moderne“. Rückblickend auf die Zeit um 1900 schreibt der Kulturhistoriker Georg Jacob Wolf 1924: „Als sie (die Frauenbewegung) einsetzte, gingen in München auch die Wogen der modernen Literatur- und Kunstbewegung hoch. Es kam hinzu, daß mancher Literat und Philosoph, der damals zum Lichte emporstieg, ein leidenschaftlicher Anhänger der Frauenbewegung war“. Auch der Dichterphilosoph und Professor für Volkswirtschaft Max Haushofer war solch ein leidenschaftlicher Unterstützer der modernen Frauenbewegung. Sophia Goudstikker schrieb 1902: „Es muß als ein besonderes Charakteristikum der Münchner Frauenbewegung hervorgehoben werden, daß es ihr gelungen ist, die Anteilnahme von Männern, Gelehrten, Künstlern und Industriellen für ihre Arbeit zu gewinnen.“ In der ersten Mitgliederliste des Vereins für Fraueninteressen von 1897 finden sich viele bekannte Münchner Persönlichkeiten, unter ihnen auch die Jugendstilkünstler August Endell und Hermann Obrist, der Schriftsteller Ernst Freiherr von Wolzogen, der junge Dichter Rainer Maria Rilke und Dr. Karl Thiemei August Endell und Hermann Obrist, der Schriftsteller Ernst Freiherr von Wolzogen, der junge Dichter Rainer Maria Rilke und Dr. Karl Thieme, Direktor der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.

Die Ausstellung „Evas Töchter“ präsentiert anhand bisher unbekannter Originaldokumente und Objekte das Leben und Wirken damals deutschlandweit renommierter Münchner Schriftstellerinnen, die sich an vorderster Front für ein modernes Frauenbild stark gemacht haben. Zu sehen sind Gemälde, Aquarelle, seltene Fotografien aus dem Fotoatelier Elvira, Originalmanuskripte, Briefe, Tagebücher, Skizzen und biografische Dokumente. Jugendstilobjekte, persönliche Gegenstände und Accessoires machen den Lebensstil dieser modernen Frauen sichtbar. Im Mittelpunkt stehen die literarischen Nachlässe von Emma Merk, Marie und Max Haushofer sowie Carry Brachvogel, die die Monacensia im Hildebrandhaus jüngst erworben hat. Ergänzt werden sie durch Leihgaben aus Privatbesitz und aus weiteren Archiven und Museen.

Publikation Volk.Verlag
Ingvild Richardsen (Hrsg.)
Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung 1894 – 1933

Hardcover, ca. 250 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 25 € ISBN 978-3-86222-271-1 ISBN 978-3-86222-271-1 

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