Reise: Fuggerstraße startet

Die „Fuggerstraße“ startet in vier Ländern Europas

Regio Augsburg initiiert Tourismuskooperation mit Österreich, Italien und der Slowakei
(Martin Kluger/pm.) Woher kam der legendäre Reichtum der Fugger im „goldenen Augsburg der Renaissance“? Üblicherweise denkt man an Weberei, Pfefferhandel und Bankgeschäfte mit Kaisern, Königen und Päpsten. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Die bei Weitem wichtigste Einkommensquelle war – ab der Zeit Jakob Fuggers „des Reichen“ und bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts – die Montanwirtschaft. Die Fugger waren quasi die „Krupps der Frühen Neuzeit“. Sie führten einen Montankonzern, in dem zwar auch Gold und Silber eine Rolle spielten. Der wahre „Bergsegen“ resultierte aber aus dem Abbau von Erzen, der wahre Reichtum aus dem Handel mit Kupfer, Blei, Quecksilber und weiteren Metallen sowie deren Weiterverarbeitung. In den Verhüttungszentren entstanden Produkte aus den Legierungen Bronze, Messing und Rotguss. Sogar die Versorgung der Bergarbeiter war ein nicht zu unterschätzender Geschäftszweig. Der fuggerische Montankonzern war in insgesamt zehn Ländern Europas aktiv und hinterließ in mindestens zwei Dutzend Bergbaustädten, an Standorten von Hüttenwerken sowie in Distributionszentren zwischen Spanien und der Slowakei, zwischen Belgien und Italien und in Deutschland vom Allgäu bis nach Thüringen Fuggerhäuser, Fuggerschlösser, Sakralkunst und andere Sehenswürdigkeiten. Die Fugger trugen (und tragen bis heute) den Namen Augsburgs in weite Teile Europas. 

Das Wissen darüber ließ Augsburgs Tourismuschef Götz Beck schon seit dem Jahr 2003 nicht mehr ruhen. Bei einer Konzertreise in das Fuggerstädtchen Sterzing in Südtirol – im Rahmen der von der Regio Augsburg Tourismus GmbH betreuten Konzertreihe „Die Fugger und die Musik“ – entstand bei einem Spaziergang durch Brixen die Idee einer europaweiten Fuggerstraße. Jetzt wird die Vision endlich Realität: Die Europäische Fuggerstraße wird ab 2019 als Kulturreiseroute in die Fuggerstadt sowie zunächst in Bergbauregionen in Tirol und in der Slowakei führen. An dieser Tourismuskooperation werden die Silberregion Karwendel mit der Bergbaustadt Schwaz sowie der Tourismusverband Region Hall-Wattens von Beginn an beteiligt sein. Sterzing in Südtirol und Neusohl (Banská Bystrica) in der Mittelslowakei sind vom Start weg weitere Partner.

Den Termin der Markteinführung gibt das vom Land Tirol und von der Stadt Innsbruck initiierte Gedenkjahr zum 500. Todestag Kaiser Maximilians I. vor. Innsbruck und Augsburg widmen dem Habsburger jeweils große Ausstellungen. Wegen der seit Jahren verfolgten Idee einer Fuggerstraße hatte im April eine Delegation aus Neusohl um Bürgermeister Ján Nosko Augsburgs Ersten Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl in der Fuggerstadt besucht.

Sowohl in Schwaz als auch in Sterzing und Neusohl erinnern heute Fuggerhäuser und Museen an die Montanwirtschaft zu Zeiten der Fugger. Die Schaubergwerke in Schwaz wie in Sterzing zählen zu den großen Sehenswürdigkeiten im Tirol nördlich und südlich des Brenners. Und in der Fuggerstadt Augsburg? Dort werden die Fuggerschen Stiftungen 2021 runde 500 Jahre alt. Damit rücken nicht nur die Fuggerei sowie die Fuggerkapellen in St. Anna und St. Moritz in den Fokus, sondern auch weitere fuggerische Denkmäler von den Fuggerhäusern bis zu den Fuggerkapellen in St. Ulrlich und Afra. Mit dem Bergbau der Fugger befasst sich in Augsburg ausführlich das Fugger und Welser Erlebnismuseum: Im Gewölbekeller des sanierten Renaissancehauses im Domviertel geht es um Erze und Metalle, um Handelswaren des Montankonzerns und um den harten Arbeitsalltag der Bergknappen und ihrer Familien.

Fugen und Welser Erlebnismuseum für Europäischen Museums-Award nominiert
Der europaweiten Bedeutung des vertikal wie horizontal diversifizierten Montankonzerns der Fugger – einem spannenden Kapitel der Wirtschaftsgeschichte – wird auch das Marketing für die neue Kulturreiseroute gerecht. Die inhaltlich und grafisch vom context verlag Augsburg konzipierte Website der Europäischen Fuggerstraße wird ins Italienische, Englische und Slowakische übersetzt werden. Auch eine Infobroschüre wird auf die Partner der Tourismuskooperation und deren Sehenswürdigkeiten hinweisen. Die europäische Dimension des Themas zeigt aktuell auch die Nominierung des Augsburger Fugger und Welser Erlebnismuseums für den seit 2011 jährlich von der European Museum Academy vergebenen DASA-Award. Dieser Museums-Award wird an solche Museen verliehen, die ihre Bildungsinhalte besonders innovativ vermitteln. Eine internationale Jury hat das Fugger und Welser Erlebnismuseum bereits besucht und es als eines von europaweit 35 Museen nominiert. Der Award wird Ende September in Dänemark verliehen: Dort hatten die Fugger allerdings garantiert kein Bergwerk.

Weitere Stationen an der Europäischen Fuggerstraße
An der Europäischen Fuggerstraße liegen dagegen noch etliche weitere Stationen, wo die Fugger Erze abbauen ließen, in ihren Hüttenwerken Metalle und Handelswaren produzierten oder sich mit der Alchemie beschäftigten. Tourismusdirektor Götz Beck: „Wir hoffen, dass wir im Lauf der Zeit weitere Partner, zum Beispiel in Kärnten und im Salzburger Land, vielleicht aber auch in Deutschland, Polen und Tschechien für unsere Tourismuskooperation begeistern können.“ Besonders interessant könnte, so Beck, vielleicht auch eine Kooperation mit der Bergbaustadt Almadén in Kastilien werden: Denn dort beuteten die Fugger lange Zeit das Quecksilberbergwerk aus, das seit 2012 UNESCO-Welterbe ist – ein Status, den Augsburg mit seiner historischen Wasserwirtschaft im Jahr 2019 ebenfalls erhalten könnte.

Innovative „Karte“ im Fugen und Welser Erlebnismuseum zeigt Standorte und Transportwege des Fuggerschen Montankonzerns
Wo die Fugger Bergwerke und Hüttenbetriebe besaßen und wo die Produkte ihres Begbau- und Metallkonzerns – auch über die Ozeane hinweg – gehandelt wurden, zeigt jetzt eine ganz neue Attraktion im Fugger und Welser Erlebnismuseum. Eine animierte Karte mit den Standorten und Transportwegen – in mehrwöchiger Arbeit inhaltlich und grafisch von Martin Kluger erarbeitet und im context verlag Augsburg grafisch konzipiert sowie am Ende technisch umgesetzt von der Agentur Liquid – zeigt die zeitliche Entwicklung und die räumliche Ausdehnung des fuggerischen Montanunternehmens.

Was die Tourismuskooperation der Partner der Fuggerstraße bringt.
Im viersprachigen Tourismusnetzwerk wirbt ein Partner für den jeweils anderen, sagt Tourismusdirektor Götz Beck. Ganz konkret wird die Zusammenarbeit zum Beispiel, wenn – wie im Jahr 2019 – Augsburg und Tirol parallel des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. mit großen Ausstellungen gedenken. Hier werden Werbemittel ausgetauscht und im Marketing wird auf den Partner verwiesen.

Es geht aber auch um Wissens- und Erfahrungsaustausch. Ein praktisches Bespiel: Bei einer Stadtführung für Partner der Tourismusroute in Schwaz konnte der Augsburger Fugger-Spezialist Martin Kluger ziemlich sicher die Abbildung Anton Fuggers auf einem Gemälde im Kreuzgang der Franziskanerklosterkirche identifizieren. Dort greift ein Mann mit den Gesichtszügen Anton Fuggers in eine mit Goldmünzen gefüllte Truhe. In Schwaz wurde dieses wenig beachtete Motiv bislang als Allegorie der Habsucht interpretiert. Doch vermutlich sind Anton Fugger und seine Schatztruhe eine Anspielung darauf, dass der Augsburger das Habsburgerreich vor dem Untergang rettete. Der historische Hintergrund: 1546 – während des Schmalkaldischen Kriegs – verlegte Anton Fugger seine Firmenzentrale aus dem protestantisch dominierten Augsburg in das für ihn sicherere Tirol. Von Schwaz aus finanzierte der katholische Augsburger die Feldzüge Kaiser Karls V. gegen die Truppen der protestantischen deutschen Fürsten.

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