Kalenderblatt Mittwoch 29.8.18

Kalenderblatt Mittwoch 29. August 2018

Zitat des Tages: „Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die menschliche Natur.“ John Locke (1632-1704)

augen-0310.gif von 123gif.de29.8.1952: „Casablanca“: Unter deutscher Zensur

Um die heimischen Kinogänger vor unliebsamen Erinnerungen an NS-Zeiten zu bewahren, wurden für die heutige Deutschlandpremiere des US-Melodrams „Casablanca“ Handlung und Personen nachbearbeitet: SS-Uniformen fallen dem Schnitt zum Opfer, Gestapo-Offiziere werden dank Postproduktion „entsorgt“, ein vormaliger Widerstandskämpfer avanciert gar zum Atomphysiker. Wenigstens bleibt der unpolitische Satz „Ich schau Dir in die Augen Kleines“ unangetastet.

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Kinobesucher erleben bei der bundesdeutschen Erstaufführung am 29. August 1952 eine neudeutsch verfälschte „Casablanca“-Version, die mit dem Original nur noch wenig gemeinsam hat. Zwar hocken in dem Film, der während des Zweiten Weltkriegs spielt, immer noch Flüchtlinge, Abenteurer und Agenten am Tresen von „Rick’s Bar“ in Casablanca, und auch die Leidenschaft zwischen Barbesitzer Rick (Humphrey Bogart) und seiner alten Liebe Ilsa Lund (Ingrid Bergman) flammt erneut auf. Danach wird der Filmhergang für den, der die Originalszenen kennt, ziemlich wirr und kompliziert.

Schließlich ist Ilsa mit einem tschechischen Widerstandskämpfer namens Victor Laszlo verheiratet, und dieser ist ein Dorn im Auge damaliger deutscher Gesinnung. Der Ehemann mit der heiklen Identität wird per Synchronisation rasch in einen harmlosen norwegischen Atomphysiker verwandelt. Größere Schwierigkeiten bereiten hingegen Filmpersonen in SS-Uniformen sowie mit Bezug auf NS- und Vichy-Regime. Alle derartigen Szenen und Hinweise werden kurzerhand herausgeschnitten, politische Konflikte stark vereinfacht dargestellt. Aus dem einstigen Bühnenstück „Everybody Comes to Rick’s“ der Autoren Murray Burnett und Joan Alison wird ein Agententhriller mit kargem Polit-Background, der zwangsläufig 24 Minuten kürzer ist als das Original mit 82 Minuten.

Besonders hart geht die deutsche Zensur mit dem Gestapo-Offizier „Strasser“ ins Gericht: Nach einem radikalen Schnitt existiert diese Filmfigur gar nicht mehr. Der einzige, der davon profitiert, ist „Rick“ alias Humphrey Bogart, für ihn erübrigt sich damit die Notwendigkeit, den lästigen Major zu erschießen. Wenngleich Ilsa und Rick sowohl im Original als auch in der bearbeiteten Version kein Happy End beschieden ist, wird das Kinopublikum dennoch Zeuge großer Gefühle, und die kommen glücklicherweise auch in Zeiten der Zensur ungeschoren davon.

23 Jahre lang kennen die Zuschauer nur die nachbearbeitete Filmversion. Erst im Oktober 1975 ist es dank der ARD möglich, die authentische US-Verfilmung des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1942/43 zu sehen, die dann auch prompt zu Kultstatus gelangt.

 

Gedenktage:

1985: Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) Heribert Hellenbroich gibt den Rücktritt von seinem Amt bekannt. Damit zieht er die Konsequenzen aus einem der größten Spionagefälle der Nachkriegszeit, bei dem sich der Gruppenleiter der Spionageabwehr des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Joachim Tiedge, selbst als Spion entpuppt und zehn Tage zuvor nach Ost-Berlin abgesetzt hatte.

1966: Die berühmtesten Pilzköpfe der Welt, die „Beatles“, die sich seit geraumer Zeit mit Auflösungsgedanken tragen, geben in San Francisco ihr US-Abschiedskonzert. In Europa werden sie sich im Januar 1969 auf dem Dach ihrer Londoner Plattenfirma mit einem Konzert für einen kleinen erlesenen Kreis verabschieden, und im April 1970 wird zum Leidwesen der Fans die Trennung perfekt sein.

1959: Auf einem ausgetrockneten Salzsee in Bonneville im US-Bundesstaat Utah stellt der Amerikaner Mickey Thompson mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Die Höchstgeschwindigkeit, die er mit seinem Wagen „Challenger 1“ mit Vierradantrieb erreicht, beträgt 585 Stundenkilometer.

1916: Die Schlacht von Tannenberg, bei der General Paul von Hindenburg erfolgreich die russische Narew-Armee in die Flucht schlug, verhilft ihm heute zum militärischen Aufstieg. Kaiser Wilhelm II. sieht in dem populären Preußen einen Hoffnungsträger, der für das Deutsche Reich die Wende im Ersten Weltkrieg herbeiführen kann, und befördert ihn zum Generalstabschef der deutschen Armee.

1533: Der letzte Herrscher des Inka-Reiches, Atahualpa, wird auf Befehl des spanischen Konquistadoren Francisco Pizarro nach einem Scheinprozess und einer Zwangstaufe hingerichtet. Seiner Ermordung folgt die Einnahme der goldenen Hauptstadt Cuzco durch die spanischen Truppen.

 

Geburtstage:

1958: Michael Jackson († 25.6.2009); US-amerikanischer Sänger, der bereits als 12-Jähriger mit der Familienband „Jackson Five“ auf der Bühne stand. Das exzentrische Pop-Idol, das nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seinen missglückten Gesichtsoperationen für Schlagzeilen sorgt, war vielfacher Plattenmillionär. Begründet wurde der Ruhm des von Elvistochter Lisa-Marie geschiedenen Megastars durch das Album „Thriller“ (1982). Sein unerwarteter Tod durch Herzstillstand wird auf Medikamentenmissbrauch zurückgeführt.

1946: Robert „Bob“ Beamon; US-amerikanischer Leichtathlet, der mit einem einzigen Sprung nahezu unsterblich wurde. Nach sagenhaften 8,90 Metern (die automatische Messanlage endet bei 8,60 m!) landete er 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko beim Weitsprung in der Sandgrube. Erst 23 Jahre später, in Tokio, wird dieser Jahrhundertrekord von seinem Landsmann Mike Powell mit 8,95 Meter überboten.

1915: Ingrid Bergman († 29.8.1982); schwedische Filmschauspielerin und mehrfache Oscar-Preisträgerin. Die begehrte Trophäe erhielt sie als beste Darstellerin in den Filmen „Casablanca“ und „Stromboli“. Die in zweiter Ehe mit dem italienischen Regisseur Roberto Rossellini verheiratete Filmdiva (aus dieser Ehe stammt Tochter Isabella R.) starb an ihrem 66. Geburtstag.

1904: Werner Forßmann († 1.6.1979); deutscher Forscher und Chirurg. In einem mutigen Selbstversuch führte sich der Berliner 1929 einen Gummischlauch von einer Armvene ins Herz und demonstrierte damit, dass und wie ein Herzkatheter gelegt werden kann. 1956 wurde er dafür mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

1866: Hermann Löns († 26.9.1914, gefallen); deutscher Heimatdichter. Seine Gedichte und Erzählungen (u.a. 1909 „Mümmelmann“) spielen vornehmlich in der Lüneburger Heide und werden auch heute noch gern gelesen. Bei Literaturkritikern jedoch ist der Schriftsteller wegen der Verherrlichung des Germanentums umstritten.

1632: John Locke († 28.10.1704); bedeutender englischer Philosoph der Aufklärung. Sein Hauptwerk „An Essay Concerning Human Understanding“ begründet die Philosophie des englischen Empirismus. Seine Ideen, darunter persönliche Freiheit, gleiches Recht für alle und das Recht auf Eigentum, flossen in viele Staatsverfassungen ein.

Copyright Rosmarie Elsner

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