Kalenderblatt Montag 9.7.18

Kalenderblatt Montag 9. Juli 2018

menschen-0190.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Sehr wenige Könige wurden durch die Schuld anderer gestürzt. Die meisten fielen ihren eigenen Fehlern zum Opfer.“ König Hassan II. von Marokko (1929-1999)

9.7.1985: Frostschutzmittel im österreichischen Wein

Liebhaber eines guten Tropfens aus österreichischen Landen werden heute geschockt, als bei Untersuchungen ans Licht kommt, dass die Weine einiger Hersteller zur Aufwertung mit Diethylenglykol, einem Frostschutzmittel, versetzt werden. Um einem Imageschaden vorzubeugen, werden in Wien und Linz unverzüglich große Anstrengungen unternommen, Weinproben aus der staatlichen Kontrolle auf Glykol und Konservierungsmittel hin zu prüfen. Doch zu spät: Die Fehltritte einiger Winzer sollten eine ganze Weinbaunation vorübergehend in Verruf bringen.

Mehr Details:

Wein erhält durch die Zugabe von Glykol Merkmale (Zuckerwerte, Geschmack), wie sie die Trauben an sich nicht hergeben würden. „Panschen“ ist keineswegs eine Erscheinung unserer von Wettbewerbskämpfen geplagten Neuzeit, sondern hat tatsächlich Tradition: Selbst edle Tropfen wurden schon vor Jahrhunderten gepanscht, sprich mit Zusatzstoffen versetzt, um die Menge zu steigern und in der Folge den Profit zu erhöhen. Die teuren Bordeaux-Lagen wurden beispielsweise mit Cahors-Weinen gestreckt, Montrachets mit dünnen Mâcon-Landweinen „verlängert“, italienische Lagen mit tunesischen Erzeugnissen gepanscht. Mit dem Zusatz des Frostschutzmittels Glykol trat das „Veredeln“ allerdings in eine Dimension ein, die den Verbraucher zu Recht empörte – und führte obendrein zu einer ganz neuen Art von Weintest: Wein ins Eisfach legen, zerspringt die Flasche nicht, war Frostschutzmittel drin, zerspringt sie hingegen, wäre der Wein gut gewesen!

Im Gegensatz zu anderen Lebensmittelskandalen wurden beim Glykolwein keine Opfer durch unmittelbare Gesundheitsschäden bekannt. Der österreichische Nationalrat reagierte dennoch prompt und trat im August 1985 in der österreichischen Landeshauptstadt Wien zu einer Art Krisensitzung zusammen, um über ein neues Weinrecht zu befinden. Im Oktober 1985 wurde das Gesetz, eines der strengsten und klarsten der Welt, ohne Abstriche verabschiedet. Durch diese Reform und durch langjährige Überzeugungsarbeit, unterstützt von zahlreichen Anzeigenkampagnen, ist es den österreichischen Weinbauern schließlich gelungen, das Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen und ihre edlen Tropfen wieder erfolgreich am Markt zu präsentieren.

Gedenktage:

1986: Bei einem Bombenanschlag der Roten Armee Fraktion (RAF) in Straßlach bei München kommen der Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts und sein Chauffeur Eckhard Groppler ums Leben. Die ferngezündete Bombe trifft den ungepanzerten Wagen des Atomphysikers nahe seinem Wohnhaus.

1946: Geburtsstunde der Trümmerfrauen: Um das Defizit an männlichen Arbeitskräften auszugleichen, sieht ein heute erlassenes Gesetz des Alliierten Kontrollrats die Beschäftigung von Frauen und Kindern (ab 14 Jahren) bei der Beseitigung von Schutt und Trümmern des Zweiten Weltkriegs vor.

1922: Der amerikanische Schwimmer Johnny Weissmuller bewältigt als erster Mensch die 100-m-Strecke beim Kraulen unter einer Minute und stellt mit 58,6 sec einen Weltrekord auf. Der Sportler, der sich bei den Olympiaden 1924 und 1928 fünf Goldmedaillen holen wird, beginnt später eine zweite Karriere als „Tarzan“-Darsteller in Hollywood.

1915: Deutschland kapituliert heute in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika vor den britischen Truppen. Mit dem Verlust seiner Kolonien während des ersten Weltkriegs endet die nur etwa drei Jahrzehnte dauernde Geschichte deutscher Kolonialherrschaft.

1877: Geburtsstunde: In Wimbledon vor den Toren Londons wird die erste „All England Championship“ im sog. „Lawn Tennis“ ausgetragen. An dem Tennisturnier auf dem Rasen (ausschließlich Herren-Einzel) nehmen insgesamt 22 Spieler teil. Als Sieger aus dem Turnier geht der britische Racket-Spieler Spencer W. Gore hervor.

Geburtstage:

1956: Tom Hanks; US-amerikanischer Schauspieler. Zu Beginn seiner Laufbahn verkörperte er meist den „netten Burschen von nebenan“, inzwischen beweist er seine Rollenvielfalt immer wieder aufs Neue; in „Forrest Gump“, „Philadelphia“ (für beide Filme erhielt er einen Oscar), in Steven Spielbergs Kriegsfilm „Soldat James Ryan“, in der Gaunerkomödie „Catch Me If You Can“ (2003) oder in der Bestseller-Verfilmung „Sakrileg“ mit dem Titel „Da Vinci Code“ (2006).

1935: Willem „Wim“ Duisenberg; niederländischer Politiker und Manager († 31.7.2005). Als Finanzminister seines Landes (1973-77) und Notenbankchef (ab 1982) errang er große Reputation. Daraufhin wurde er 1997 zum Präsidenten des Europäischen Währungsinstitutes und 1999 an die Spitze der Nachfolgeorganisation Europäische Zentralbank berufen.

1929: Hassan II († 23.7.1999); König von Marokko (1961-99). Der selbst ernannte Vermittler zwischen arabischer und europäischer Kultur regierte wie ein Despot, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckte. 1984 wurden über hundert Zivilpersonen bei der Niederschlagung der sog. Brotpreis-Revolution getötet. Heute ist Marokko eine konstitutionelle Monarchie, in der seit vier Jahren Hassans Sohn als König Mohammed VI. das Zepter schwingt.

1916: Edward Heath; britischer Politiker († 17.7.2005). Zu den Verdiensten des ehemaligen Premierministers (1970-74) und Führers der Konservativen Partei zählt Großbritanniens Beitritt zur EG. Nach der verlorenen Wahl seiner Partei (1974) trat der überzeugte Europaanhänger, der 1963 mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet wurde, als Premierminister zurück und übergab sein Amt als Parteiführer an die „Eiserne Lady“, Margaret Thatcher.

1900: Ida Ehre († 16.2.1989); deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin. Die „große alte Dame“ des deutschen Theaters wurde 1943 aufgrund ihrer jüdischen Religion im KZ Fuhlsbüttel interniert. Sie überlebte und gründete nach Kriegsende die Hamburger Kammerspiele, die sie bis zu ihrem Tode leitete.

Copyright Rosmarie Elsner

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