Kalenderblatt Mittwoch 11.7.18

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Zitat des Tages: „Die Liebe ist eine Waffe, mit der man spielt, ohne daran zu denken, dass sie geladen ist.“ O. E. Hasse (1903-1978)

11.7.1906: Justizskandal um Alfred Dreyfus

Nach zwölf Jahren geht am 11. Juli 1906 der Justizskandal in Frankreich zu Ende, der die dritte Republik in ihre bisher schwerste Krise stürzte. Der wiederaufgerollte Prozess gegen Ex-Hauptmann Alfred Dreyfus, der wegen angeblicher Spionage für Deutschland 1894 zur lebenslangen Verbannung auf die französische Strafkolonie Ile de Diable (Teufelsinsel) vor Französisch-Guyana verurteilt wurde, endet mit der Rehabilitation des Justizopfers.

Mehr Details:

Obskure Anschuldigungen hatten im Oktober 1894 zu Dreyfus Entlassung aus der französischen Armee und zu der – einem Todesurteil gleichkommenden – Verbannung auf die berüchtigte Teufelsinsel geführt. Angeblich soll der elsässische Hauptmann jüdischer Abstammung geheime Informationen an die Deutschen weitergegeben haben; wie sich jedoch bald herausstellte, war der wirkliche Schuldige ein gewisser Graf Esterhazy. Der aber wurde von offizieller Stelle gedeckt und lenkte anhand gefälschter Beweisstücke den Verdacht auf den „Juden Dreyfus“. Obwohl dem Gericht die veränderte Tatsache bekannt war, weigerte man sich dort, den wegen Landesverrats verstoßenen Hauptmann zu rehabilitieren und wieder in die Armee aufzunehmen.

Die ganz offensichtlich vorherrschenden antisemitischen Strömungen im Land veranlassten den Romancier Emile Zola am 13. Januar 1898 zu seinem berühmten Brief an Felix Faure, den Präsidenten der 3. Republik. In „J’accuse!“ („Ich klage an!“) ließ er das Staatsoberhaupt wissen: „… dass Ihr bisher so glücklicher Stern von dem schmählichsten, von dem unauslöschlichsten Schandfleck bedroht ist. … Sie haben ein ungerechtes Urteil gefällt, das für immer das Ansehen unserer Kriegsgerichte schädigt und von nun an alle Ihre Urteile mit Verdacht schlägt. Das erste Kriegsgericht war vielleicht nicht einsichtig, das zweite unausweichlich verbrecherisch“.

Der Präsident zeigte sich unbeeindruckt, der berühmte Schriftsteller handelte sich wegen Beleidigung des Kriegsgerichts eine Verurteilung ein; immerhin erreichte Zola eine Wiederaufnahme des Verfahrens, das aber (1899) erneut mit einem skandalösen Urteilsspruch für Dreyfus, einer zehnjährigen Festungshaft wegen mildernder Umstände!, endete. Dem durch den Kampf um die gerechte Sache mittlerweile aufgeriebenen Dreyfus fehlte die Kraft, in die Revision zu gehen. In der Öffentlichkeit führte das bizarre Urteil zu heftigen Protesten und löste kontroverse Auseinandersetzungen zwischen Frankreichs radikalen Linken und der Konservativen Partei und in der Folge zwischen Kirche und Staat aus.

Es dauerte noch einmal sieben Jahre, bis der Prozess erneut aufgerollt wurde, der dem unschuldigen Dreyfus die endgültige Rehabilitation brachte.

Gedenktage:

1978: Auf einem Zeltplatz im Urlaubsort San Carlos de la Rápida/Spanien (Costa Blanca) rast ein mit Flüssiggas beladener Tankwagen in die Begrenzungsmauer und löst ein verheerendes Feuer aus. 180 Menschen sterben, 600 Personen kommen aus dem verwüsteten Campingplatz zwar mit dem Leben davon, erleiden aber zum Teil schwerste Verletzungen.

1975: Aus China wird ein sensationeller Fund gemeldet: In der Grabanlage des Kaisers Shih Huang Ti haben Archäologen rund 2000 Jahre alte, lebensgroße Tonsoldaten freigelegt. Das Heer aus 7.000 Terrakotta-Kriegern, komplett mit Pferden und Kampfwägen, war zur Bewachung des Grabs gedacht – was sicher nichts geholfen hätte, wenn wenige Jahre zuvor die fanatischen Krieger der von Mao ausgerufenen „Kulturrevolution“ die Figuren gefunden hätten.

1926: Mit dem „Großen Preis von Deutschland“ wird hierzulande erstmals ein Autorennen ausgetragen, bei dem auch internationale Größen an den Start gehen. Sieger der Großveranstaltung auf der Berliner Avus ist der Deutsche Rudolf Caracciola; der Wettbewerb wird jedoch von zahlreichen schweren Unfällen überschattet.

1856: Im Leipziger Verlag „Gartenlaube“ erscheint die älteste Sportzeitschrift Deutschlands, die „Deutsche Turnzeitung“. Abgesehen vom Boxsport zeigt sich die Gazette allen Arten der körperlichen Ertüchtigung aufgeschlossen.

1696: Die Initiative des Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz führt heute zur Gründung der Akademie der Künste in Berlin, die jungen Künstlern und Talenten Gelegenheit zur intensiven Weiterbildung geben soll.

Geburtstage:

1934: Giorgio Armani; italienischer Modeschöpfer. Der Sohn eines Transportunternehmers aus Piacenza, der seine Karriere als Schaufensterdekorateur begann, zählt heute zu den weltweit erfolgreichsten Designern. Seine Kreationen wurden von Filmstars wie Richard Gere und Sean Connery populär gemacht. Neben Designermode hat sich das Unternehmen Armani auch auf Parfüm und andere hochwertige Accessoires spezialisiert.

1929: Hermann Prey († 23.7.1998); deutscher Sänger. Der Bariton, der in den wichtigsten Opernhäusern der Welt (u.a. Bayreuth und Metropolitan Opera) auftrat, konzentrierte sich in späteren Jahren auf den Liedgesang. Der zu den populärsten Sängern der Nachkriegszeit zählende Prey brillierte u.a. als Interpret der Werke von Mozart und Schubert.

1920: Yul Brynner, eigentlich Taidje Kahn († 10.10.1985); US amerikanischer Schauspieler russischer Herkunft. Der Leinwandheld, der die Kahlköpfigkeit zu seinem Markenzeichen machte, brillierte im Edelwestern „Die Glorreichen Sieben“ und erhielt wegen seines asiatischen Aussehens auch entsprechend exotische Rollen, u.a. in den Filmen „Taras Bulba“ und „Anna und der König“.

1903: O. E. Hasse, eigentlich Otto Eduard H. († 12.9.1978); deutscher Schauspieler. Nach der Mitwirkung in seichten Filmkomödien gelang ihm der internationale Durchbruch als Charakterdarsteller mit der Rolle des Admirals „Canaris“. Alfred Hitchcock engagierte ihn für seinen Thriller „I Confess“; zudem lieh er als Synchronsprecher Hollywoodstars wie Humphrey Bogart und Spencer Tracy seine markante Stimme.

1675: Friedrich I. († 25.2.1713); König von Preußen (ab 1701) und als Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg (ab 1688). Der Vater des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. krönte sich eigenhändig; die Erhebung der Hohenzollern zur Königsdynastie dokumentierte den Aufstieg Brandenburg-Preußens von einer unbedeutenden Markgrafschaft zur ernst zu nehmenden politischen Kraft innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.

Copyright Rosmarie Elsner

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