23.2.-29.7.18 DU bist FAUST

Eduard von Grützner Mephisto (Detail, gespiegelt u. koloriert), 1872 Öl/Lw., 67 x 54 cm © Münchner Stadtmuseum

DU BIST FAUST

Goethes Drama in der Kunst

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung (23.02.-29.07.18)

Goethes ›Faust‹ ist das weltweit bekannteste Werk der deutschen Literatur. Seit seiner Veröffentlichung im frühen 19. Jahrhundert hat es unzählige Künstler fasziniert und zu eigenen Schöpfungen herausgefordert. Die Ausstellung »Du bist Faust. Goethes Drama in der Kunst« in der Kunsthalle München präsentiert zahlreiche Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Fotografien, Vertonungen und Filme von rund 70 Künstlern aus Europa und den USA wie Eugène Delacroix (1798–1863), Charles Gounod (1818–1893), Max Beckmann (1884–1950), Karl Lagerfeld (*1933), Sigmar Polke (1941–2010), Martin Scorsese (*1942), Anselm Kiefer (*1945) und Robert Mapplethorpe (1946–1989). 

Die innovativ inszenierte Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch das Drama und macht sie zu Weggefährten Fausts auf seiner rastlosen Suche nach Sinn und Ziel des modernen Lebens. 

Goethes ›Faust‹ ist ein Menschheitsdrama von größter Aktualität: Der Pakt mit dem Teufel, die Liebesbegegnung mit Margarete, der Treuebruch, die Selbstbetäubung im orgiastischen Treiben der Walpurgisnacht, Margaretes soziale Ächtung, ihr verzweifelter Kindsmord, das tragische Ende im Wahnsinn – all diese Szenen haben die europäische Kulturgeschichte bis in die Gegenwart geprägt und in verschiedenen Ländern zu sehr unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung angeregt.

Für eine Kunstausstellung mit literarischem Thema ist »Du bist Faust« nicht nur in Bezug
auf die Werkauswahl, sondern auch hinsichtlich der Präsentation ein Novum: Die Besucher betreten selbst die Bretter, die die Welt bedeuten, und werden zu Wegbegleitern Fausts, Margaretes und Mephistos. Durch die theatrale Ausstellungsgestaltung wird das Publikum Teil der Inszenierung und sieht sich unmittelbar mit den zentralen Fragen des Goethe-Dramas konfrontiert. Im Titel der Ausstellung »Du bist Faust« klingt an, dass uns Goethes Faust, Margarete und Mephisto den Spiegel vorhalten: Themen wie Verführbarkeit, Jugendwahn, Egoismus und ein unstillbarer Hunger nach mehr bestimmen auch unser Leben.

Zum Ausstellungsparcours
Die Ausstellung bietet zunächst eine Einführung zur Entstehung des ›Faust‹, an dem Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) fast 60 Jahre lang arbeitete. Anschließend betreten die Besucher die Welt des Dramas und werden Zeugen des ›Prologs im Himmel‹: Gott und der Teufel wetten um Fausts Seele. Zu sehen sind eigenhändige Zeichnungen von Goethe, prominente Bühnenbildentwürfe des frühen 20. Jahrhunderts sowie Filmausschnitte der berühmten Theaterinszenierungen von Gustaf Gründgens (1899–1963) und Peter Stein (*1937).

Der Parcours stellt anschließend die Protagonisten vor und führt entlang der Handlung durch das Drama. Als erste der drei Hauptfiguren hat der diabolische Verführer und geistreiche Schalk Mephisto seinen Auftritt. Gemälde und Skulpturen aus dem 19. Jahrhundert, aber auch Werke von Sigmar Polke und Robert Mapplethorpe beleuchten Mephistos schillernden Charakter aus unterschiedlichsten Perspektiven. Ausgewählte Sequenzen der Verfilmung von Klaus Manns (1906–1949) ›Mephisto‹ (1981) mit Klaus Maria Brandauer (*1943) zeigen zudem, wie sich der prominenteste Mephisto-Darsteller des 20. Jahrhunderts, Gustaf Gründgens, während der 1930er-Jahre als politischer Opportunist den neuen nationalsozialistischen Machthabern andiente.

Der folgende Ausstellungsraum lässt die Besucher in Fausts Studierzimmer eintreten: Der Gelehrte ist verzweifelt, da ihm die letzte Einsicht in den Gesamtzusammenhang des Lebens verwehrt bleibt. Werke von Künstlern wie Carl Gustav Carus (1789–1869), Georg Friedrich Kersting (1785–1847) oder Nam June Paik (1932–2006) vergegenwärtigen Fausts vergebliche Suche nach höchster Erkenntnis und seine daraus resultierende Melancholie. Zugleich reflektieren sie die heillosen Folgen eines wissenschaftlichen Strebens, das keine Grenzen akzeptiert.

Um das Scheitern vergessen zu können, geht Faust den Pakt mit Mephisto ein, lässt sich verjüngen und in eine Welt des Rausches entführen. Als junger Edelmann umwirbt er die Bürgerstochter Margarete, die in den unzähligen Figurenporträts des 19. Jahrhunderts immer wieder als unschuldige und fromme Jungfrau dargestellt worden ist. Bereits um 1850 formierte sich eine regelrechte Gretchen-Ikonographie, die nach und nach auch in die Populärkultur einging, wie die Ausstellung unter anderem anhand von 150 Postkarten aus dem frühen 20. Jahrhundert veranschaulicht.

Von der Liebesbeziehung zwischen Faust und Gretchen haben sich Maler und Bildhauer aus ganz Europa inspirieren lassen. Auf ein besonderes Interesse stießen dabei immer wieder die Verführung Gretchens mit Hilfe kostbarer Juwelen sowie der erste Kuss zwischen ihr und Faust. Der Augenblick, in dem Gretchen den Schmuck entdeckt, ist im 19. Jahrhundert vielfach als Schlüsselszene aufgegriffen worden: nicht nur von prominenten Malern, sondern auch von Komponisten wie Charles Gounod, in dessen ›Faust‹-Oper (Uraufführung 1859 in Paris) die sogenannte Juwelen-Arie zu den musikdramatischen Höhepunkten zählt. Binnen weniger Jahre eroberte die Oper die Bühnen der Welt und popularisierte die Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen. Die von Franz Schubert (1797–1828) bis Hugo Wolf (1860–1903) reichende Musikliteratur zum ›Faust‹ wird in einem weiteren Kapitel beleuchtet.

Im Anschluss illustrieren Werke unter anderem von Eugène Delacroix, Gabriel von Max (1840–1915) und Julia Margaret Cameron (1815–1879) die dramatischen Begebenheiten um Margarete in der Folge ihrer unehelichen Schwangerschaft: Eindringlich werden der Tod ihres Bruders Valentin, ihre Verzweiflung, die sie zur Kindsmörderin werden lässt, und ihr Ende im Kerker dargestellt. Die Walpurgisnacht, in die sich Faust von Mephisto zeitgleich entführen lässt, wird ebenfalls in effektvollen Gemälden vergegenwärtigt. Insbesondere das orgiastische Treiben der Hexen regte bildende Künstler immer wieder zu freien Umsetzungen an. Das Spektrum reicht hier von der expliziten Darstellung weiblicher Nacktheit bei Luis Ricardo Falero (1851–1896) bis zur abstrakten Formensprache Willi Baumeisters (1889–1955).

Ein weiterer Raum ist schließlich dem zweiten Teil des ›Faust‹ gewidmet. Er präsentiert die berühmten Illustrationszyklen von Max Slevogt (1868–1932), Franz Stassen (1869–1949) und Max Beckmann. In diesen eindringlichen Bildfolgen begegnet Faust den Betrachtern als ein von inneren Widersprüchen gekennzeichneter Zeitgenosse.

Bevor die Besucher die Ausstellung und mit ihr die Welt des Dramas verlassen, geht es noch einmal zurück zum geschriebenen Wort: Der letzte Ausstellungsraum präsentiert aufwendig ausgestattete Buchausgaben, wissenschaftliche Editionen und Comics. Abschließend formuliert eine eigens für die Ausstellung produzierte Video-Installation noch einmal die großen Fragen des ›Faust‹-Dramas; die Texte schrieb der Münchner Schriftsteller Albert Ostermaier (*1967) für die Schauspieler/innen Werner Wölbern, Bibiana Beglau und Andrea Wenzl vom Münchner Residenztheater.

Die Ausstellung wurde in Kooperation zwischen der Kunsthalle München (Roger Diederen und Nerina Santorius) und dem Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (Thorsten Valk und Sophie Borges) exklusiv für die Kunsthalle entwickelt und maßgeblich von der Klassik Stiftung Weimar unterstützt. Die Inszenierung der Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Bühnenbildner und Künstler Philipp Fürhofer konzipiert.

Pressekontakte:
Leonie Mellinghoff, Kunsthalle München
Timm Schulze Klassik Stiftung Weimar
Ulrike Lippe Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel

FAUST-FESTIVAL MÜNCHEN 2018
Zeitgleich zur Ausstellung findet das Faust-Festival München 2018 statt – initiiert von der Kunsthalle München und dem Gasteig München. Mehr als 120 Partner beteiligen sich mit über 500 Veranstaltungen. Das Programm erstreckt sich von Einzelevents wie Konzerten über zahlreiche Ausstellungen bis hin zu Veranstaltungsreihen über alle Bereiche hinweg. Bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz und Performances gehören ebenso dazu wie Vorträge, Führungen und Diskussionen.

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