Kalenderblatt Dienstag 5.12.17

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glaeser-0001.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Die Ideen sind nicht verantwortlich für das, was die Menschen aus ihnen machen.“ Werner Heisenberg (1901-1976)

5.12.1933: Prohibition: Das Ende der großen „Trockenperiode“

Am 5. Dezember 1933 um 17.32 Uhr endet mit der Ratifizierung des 21. Zusatzes zur US-Verfassung durch den 36. Bundesstaat Utah die Prohibition. Damit geht in den meisten Teilen Amerikas das umstrittene Alkoholverbot zu Ende, das 13 Jahre lang Gültigkeit besaß und „Sitte und Moral“ im Land wieder zum Durchbruch verhelfen sollte. Die US-Bürger feiern die Aufhebung des jahrelangen Verbots verständlicherweise damit, indem sie ordentlich einen bechern.

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Schon lange hatten Bars und Restaurants in den USA keinen solchen Zulauf mehr wie an jenem Dienstag im Dezember 1933. Viele Gastwirte hatten sich zwar im Vorfeld für diesen Tag gerüstet und mit alkoholhaltigen Getränken eingedeckt. Doch der Vorrat reichte nicht aus, um die Bürger, die dieses Ereignis gehörig „begießen“ wollten, mit Trinkbarem zu versorgen. So wurden zusätzlich aus Kanada Lastwagen mit Whiskyladungen herangekarrt und aus dem benachbarten Mexico Fuhren mit Weinfässern. Amerika war im wahrsten Sinne des Wortes im Rausch. Selbst Präsident Franklin D. Roosevelt, der sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern für die Abschaffung des Verfassungszusatzes stark machte, bildete keine Ausnahme.

Ganz „trocken“ hatten die Amerikaner in den 13 Jahren der Dürre auch nicht gelebt. Stets fanden sich Umwege und Hintertürchen, um das zweifelhafte Verbot, das per Verfassungszusatz und dem „Volstead Act“ im Januar 1920 Herstellung, Import, Konsum und Vertrieb alkoholischer Getränke untersagte, zu umgehen. Zwar wurde nach außen Sitte und Moral demonstriert, doch hinter den Kulissen begann eine Zeit der Doppelmoral, der florierenden Hausbrennereien, der sog. „Flüsterkneipen“ – Hinterzimmern, zu denen man nur mit geflüsterten Kennwörtern Einlass erhielt – und darüber hinaus eine Ära, die der Alkoholmafia zu einem unbeschreiblichen Vermögen verhalf und der Bandenkriminalität Tür und Tor öffnete.

Amerikas konservative Kräfte, die seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder für ein Alkoholverbot plädierten, sahen sich nach Beendigung der Prohibition einer zweifelhaften Erfolgsbilanz gegenüber. Statt einen Rückgang der Verbrechen zu erreichen, stieg die Kriminalitätsrate in diesen Jahren um ein Vielfaches an; allein die Mordrate in den Großstädten der USA verzeichnete einen Anstieg um 78 Prozent. Beinahe grotesk mutet es an, dass die Delikte von Trunkenheit am Steuer, die mit Verhaftung geahndet wurden, im betreffenden Zeitraum um 81 Prozent in die Höhe schossen. Nie waren die Gefahren durch Alkohol größer als in Zeiten der Prohibition.

So kam 1929 schließlich ein Präsidialausschuss des Justizministeriums zu dem Schluss, dass die Alkoholverbotsgesetze ein Fehlschlag seien. Im Februar 1933 verabschiedete der US-Kongress den 21. Verfassungszusatz, der die Zuständigkeit in Sachen Alkohol an die Einzelstaaten verwies. Bis zum Dezember 1933 ratifizierten 36 Staaten den Zusatz, der damit Bestandteil der US-Verfassung wurde.

Gedenktage:

1993: Wiens Bürgermeister Helmut Zilk wird Opfer eines Briefbombenanschlags. Bei dem Attentat verliert der SPÖ-Politiker zwei Finger seiner linken Hand und einen Teil seines Daumens. Weitere Briefbomben an andere Politiker, die sich wie Zilk für ausländische Mitbürger und Minderheiten engagiert hatten, können daraufhin abgefangen werden.

1964: Joseph Beuys, der für seine unkonventionellen und provokanten Aktionen bekannte Düsseldorfer Kunstprofessor, veranstaltet in einer West-Berliner Galerie ein „Happening“, bei dem er acht Stunden lang auf dem Boden liegend ausharrt. An Beuys Kopf- und Fußende befindet sich jeweils ein toter Hase, während im Hintergrund das melodische Gemecker einer Ziege ertönt.

1921: In der Seinemetropole Paris wird der zehnfache Frauenmörder Henri Désiré von einem Schwurgericht zum Tode verurteilt. Der unter dem Namen „Blaubart“ bekannt gewordene Mörder hatte seine Opfer über Heiratsanzeigen kennen gelernt, sie in sein Landhaus bei Gambais gelockt, dort getötet und die Leichen anschließend verbrannt.

1894: Der nach den Entwürfen des rheinischen Architekten Paul Wallot erbaute „Berliner Reichstag“ wird heute im Beisein des deutschen Kaisers und Preußenkönigs Wilhelm II. feierlich eingeweiht. Das derzeit modernste Parlamentsgebäude der Welt löst damit den bisherigen Sitz des Parlaments in der ehemaligen Königlichen Porzellanmanufaktur ab.

1484: Papst Innozenz VIII., erst im August zum neuen Kirchenoberhaupt gewählt, gibt die verhängnisvolle Bulle „Summis desiderantes affectibus“ heraus. Darin stattet er seine Inquisitoren mit umfassenden Vollmachten zur Verurteilung angeblicher Hexen aus und beschwört eine Welle von Hexenverfolgungen herauf, die bis Ende des 18. Jahrhunderts andauern wird.

Geburtstage:

1946: José Carreras; spanischer Opernsänger. Gemeinsam mit seinem Landsmann Plácido Domingo und dem schwergewichtigen Italiener Luciano Pavarotti gehört er zu den „Drei Tenören“, die mit ihren Opernpartien ein nicht ausnahmslos „klassisches“ Publikum begeistern. Er vertont zudem auch Musicals und Weihnachtslieder; mit Schlagerstar Peter Maffay ist er in einer deutsch-spanischen Version des Tabaluga-Hits „Nessaja“ zu hören.

1914: Hans Hellmut Kirst († 23.2.1989); deutscher Schriftsteller. Der gebürtige Ostpreuße prägte mit seinem 1963 verfassten Roman den Begriff des „08/15“ und schrieb darüber hinaus eine Reihe spannender und unterhaltsamer Bücher, die wie „Die Nacht der Generäle“ und „Aufstand der Soldaten“ in den 1960er-Jahren allesamt Bestseller wurden.

1903: Johannes (Johan Marius Nikolaas) Heesters; niederländischer Operettentenor und Schauspieler. Der ewig-junge Charmeur „Jopie“, der in zweiter Ehe mit der 46 Jahre jüngeren Schauspielerin Simone Rethel verheiratet ist und 82 Jahre lang auf der Bühne stand, brillierte u.a. in der Rolle des Grafen Danilo in „Die lustige Witwe“ und anderen populären Operetten (u.a. „Die Fledermaus“). Alles Gute zum 104. Geburtstag, Johannes Heesters.

1901: Werner Heisenberg († 1.2.1976); deutscher Physiker und Nobelpreisträger von 1932. Der renommierte Wissenschaftler, der eine Theorie über den Aufbau der Atomkerne entwickelte und die Grundlage für die „Kopenhagener Deutung“ der Quantentheorie schuf, lehrte von 1927-1941 an der Universität Leipzig und leitete im Anschluss daran das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin, später in Max-Planck-Institut umbenannt.

1901: Walt Disney, eigentlich Walter Elias D. († 15.12.1966); US-amerikanischer Trickfilmzeichner, erfolgreicher Filmproduzent und Regisseur mit eigenen Studios in der Traumfabrik Hollywood. Sein Imperium wurde durch die legendäre Trickfilmfigur Mickey Mouse begründet, die im November 1918 ihren Einstand auf der Kinoleinwand gab und von New York aus ihren Siegeszug um die ganze Welt antrat.

Copyright Rosmarie Elsner

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