Kalenderblatt Sonntag 13.8.17

Kalenderblatt Sonntag 13. August 2017

Zitat des Tages: „Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität.“ Alfred Hitchcock (1899-1980)

background-0558.jpg von 123gif.de13.8.1961: Die Mauer: Schandmal und moderne „Friedensgrenze“

Während die Bevölkerung West- und Ost-Berlins ahnungslos in ihren Betten liegt, rollen in der Nacht auf den 13. August 1961 mit Stacheldraht, Betonpfeilern und Stahlbetonplatten beladene Lastwagen am Brandenburger Tor an. Flankiert werden sie von Soldaten der Nationalen Volksarmee, die das gespenstische Treiben morgens um 2.00 Uhr mit der Kalaschnikow beaufsichtigen. Die hermetische Abriegelung der Grenzen zwischen Ost und West mit anschließendem Mauerbau beginnt.

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Was im Westen 28 Jahre lang „Mauer“ bezeichnet wird, wird auf der anderen Seite als „antifaschistischer Schutzwall“ tituliert. Auch die Bedeutung des Grenzwalls, der sich mitten durch Berlin zieht und die Spreemetropole in eine geteilte Stadt verwandelt, wird in Ost und West unterschiedlich definiert. Während hierzulande klar ist, dass die Ostregierung in ihrer Torschlusspanik mit dieser Maßnahme die täglich zunehmende Abwanderungsflut in den Westen, das „Ausbluten“ des Landes stoppen will, wird dem Volk in der DDR verkündet, dass es sich nur um eine vorübergehende Grenzschließung handele. Sie sei notwendig geworden, um „die Westberliner Schmugglerhorden daran zu hindern, weiterhin in den Osten einzudringen und die volkseigenen HO-Läden rechtswidrig leer zu kaufen“. Darüber hinaus sollte den zahlreichen „schmarotzenden“ Grenzgängern, die für billiges Geld im Osten wohnen, aber im Westen und für Westgeld arbeiten, Einhalt geboten werden. So drückte es in einem „stern“-Interview der damals in Ost-Berlin lebende und noch regimetreue Liedermacher Wolf Biermann aus.

Dabei hatte zwei Monate zuvor der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht die Frage einer westdeutschen Journalistin nach einer Staatsgrenze am Brandenburger Tor mit der „Jahrhundertlüge“ beantwortet: „Ich verstehe Ihre Frage so, dass es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer zu errichten. … Die Bauarbeiter unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Während die Öffentlichkeit fassungslos zusehen muss, wie sich ein Stacheldrahtzaun (der eigentliche Mauerbau beginnt am 15. August) durch Berlin zieht und Familien und Freunde erbarmungslos auseinanderreißt, reagieren die Weltpolitiker recht gelassen. Da der Westsektor von der Teilung nicht unmittelbar tangiert ist und niemand einen Krieg heraufbeschwören möchte, sehen weder US-Präsident Kennedy noch Großbritanniens Premier MacMillan und Frankreichs General de Gaulle eine Veranlassung, ihren Urlaub abzubrechen. Wo Konrad Adenauer in diesen Tagen ist, wollen viele Berliner Bürger wissen, und fragen sich entrüstet, ob der Kanzler vielleicht wieder mal Boccia spiele. Es vergehen neun Tage, bis Adenauer sich in Berlin blicken lässt und sich von den dramatischen Geschehnissen mit eigenen Augen überzeugt.

 

Gedenktage:

1999: Auf einer Pressekonferenz in Heidelberg erklärt Steffi Graf ihren Rücktritt vom Tennissport. Die 30-jährige deutsche Tennisspielerin beendet damit eine beispiellose Karriere: 377 Wochen lang führt sie die Weltrangliste an und errang 22 Grand-Slam-Siege.

1923: Mit dem DVP-Politiker Gustav Stresemann erhält die Weimarer Republik heute einen neuen Reichskanzler. Der Nachfolger des zurückgetretenen Wilhelm Cuno ist zugleich Außenminister einer Regierung, die erstmals von einer Großen Koalition aus den Parteien DVP, DDP, SPD und Zentrum gebildet wird.

1892: In Hamburg treten heute die ersten Fälle von Cholera auf; im Verlauf der nächsten zehn Wochen erkranken daran etwa 17.000 Menschen, 9.000 sterben. Ursache für die Epidemie ist verunreinigtes Trinkwasser aus der Elbe. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche werden von Robert Koch geleitet, dem 1883/84 die Entdeckung des Cholera-Erregers gelang.

1876: Mit der Aufführung von „Rheingold“, dem ersten Teil des „Ring des Nibelungen“, eröffnet Richard Wagner die ersten Bayreuther Festspiele. Das Festspielhaus war vom Komponisten selbst entworfen worden, die Ausführung erfolgte allerdings mit finanzieller Hilfe seines Gönners, Bayernkönig Ludwig II.

1789: Geburtsstunde des Englischen Gartens: Kurfürst Karl Theodor von Bayern erlässt heute ein Dekret, in dem er der Bevölkerung in der Residenzstadt München einen Naturpark „zur allgemeinen Ergötzung“ verspricht. Die Erholungsanlage soll auf dem 373 ha großen Areal des ehemaligen Hirschangers in den Isarauen entstehen.

 

Geburtstage:

1971: Heike Makatsch; deutsche Schauspielerin und Moderatorin. Ihre ersten Schritte im Mediengeschäft machte das schnoddrige „Girlie“ als Moderatorin beim Musiksender VIVA; inzwischen kennt man sie nur noch als ernstzunehmende Schauspielerin. Zu sehen war die Düsseldorferin unter anderem in der Komödie „Männerpension“, im Liebesdrama „Aimée und Jaguar“ und im preisgekrönten TV-Movie über das Leben der „Margarete Steiff“.

1927: Fidel Castro Ruz; kubanischer Anwalt und Politiker, so gut wie immer in Uniform zu sehen. Er führte 1959 die Revolution an, stürzte zusammen mit seinem argentinischen Mitstreiter „Che“ Guevara den Diktator Fulgenico Batista und baute anschließend ein sozialistisches Regime mit totalitären Zügen auf. In den vergangenen Jahren modernisierte der bärtige Partei- und Staatsratsvorsitzende schrittweise die Wirtschaftsordnung Kubas.

1902: Felix Wankel († 9.10.1988); deutscher Erfinder. Ein gleichseitiges Dreieck mit konvexen Seiten – so sieht der Kolben des Wankelmotors aus, den der Forscher 1954 entwickelt hat. Zwar wurde dieser Kreiskolbenmotor ab 1963 im „NSU Spider“ erstmals in Serie gebaut, durchgesetzt hat er sich allerdings nicht.

1899: Alfred Hitchcock († 29.4.1980); britischer Regisseur von psychologischen Kriminalfilmen. Zu den ersten Erfolgen des schwergewichtigen Briten, der 1940 in die Staaten auswanderte, gehörte „Rebecca“ nach der Buchvorlage von Daphne du Maurier. Es folgten weitere Meisterwerke des Nervenkitzels, darunter „Bei Anruf Mord“ (1954) und „Psycho“ (1960).

1872: Richard Willstätter († 3.8.1942); deutscher Naturwissenschaftler mit besonderem Augenmerk auf die chemische Zusammensetzung von Pflanzen. Für die Beschreibung der Struktur des Chlorophylls, das für die Photosynthese verantwortlich ist, erhielt er 1915 den Nobelpreis für Chemie.

Copyright Rosmarie Elsner

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