Kalenderblatt Freitag 19.5.17

Kalenderblatt Freitag 19. Mai 2017

Zitat des Tages: „Das höchste Interesse und der Grund alles übrigen Interesses ist das für uns selbst.“ Johann Gottlieb Fichte (1762-1814)

schiffe-0095.gif von 123gif.de19.5.1845: John Franklin: Im ewigen Eis verschollen

Am 19. Mai 1845 bricht der englische Seefahrer und Polarforscher John Franklin im Auftrag der britischen Krone zur Suche nach der Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik auf. Als die Expedition mit zwei Schiffen und insgesamt 134 Mann an Bord in See stich, kann der Brite nicht ahnen, dass es für ihn und seine Begleiter eine Forschungsreise ohne Wiederkehr werden würde.

Mehr Details:

Sir John Franklin (49), der bereits zwischen 1819 und 1827 die Nordküsten Amerikas zu Forschungszwecken bereiste und als erfahrener Offizier galt, wurde mit seinem Team letztmals am 26. Juli 1945 nördlich von Baffin Island – der größten Insel im arktischen Bereich Kanadas – gesehen. Was dann geschah, lässt sich nur über die schriftlichen Aufzeichnungen im Logbuch nachvollziehen. Die Tagebücher, die über den tragischen Ausgang des Unternehmens Aufschluss geben, konnten erst ein Jahrzehnt nach dem Verschwinden der Gruppe von einem ausgesandten Suchtrupp unter Leitung des Briten MacClintock auf der Insel King William gefunden werden. Bereits seit 1848 hatten sich diverse Expeditionsteams erfolglos auf die Suche nach den Nordpolforschern begeben; bei einer dieser Fahrten erkundete Franklins Landsmann, der Seeoffizier Sir Robert John Le Mesurier McClure, 1850 das letzte Stück der lange gesuchten Nordwestpassage.

Neben den Aufzeichnungen fand die Suchmannschaft Überreste der verschollenen Forscher. Aus dem Logbuch ging hervor, dass Franklin und seine Mannen im Winter vom Packeis eingeschlossen wurden: ein Kampf gegen die Naturgewalten der Arktis, der mehr als zwei Jahre dauern sollte. Zur gefahrvollen Witterung und dem zur Neige gehenden Proviant kam eine weitere Bedrohung hinzu, die Mitte des 19. Jahrhunderts noch weitgehend unbekannt war. Niemand von den Eingeschlossenen konnte ahnen, dass das in den mitgeführten Konservendosen befindliche Blei die Nahrungsmittel vergiftet hatte und die Männer langsam und unausweichlich in den Wahnsinn trieb. Die immer wirrer werdenden Sätze im Logbuch lassen ahnen, zu welch entsetzlichen Szenen es unter der Mannschaft gekommen sein muss, bevor der Tod die englischen Forscher von ihrem Leiden erlöste. Franklins Tod wird mit 11. Juni 1847 angegeben; die letzten Zeilen, die einer seiner Begleiter in das Tagebuch schrieb, waren auf den 25. April 1848 datiert.

Hinweis: Der deutsche Autor Sten Nadolny hat sich dieses Stoffes angenommen und darüber ein faszinierendes Buch geschrieben. In seinem Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gelingt es dem Autor, die tragische Geschichte des Nordpolforschers einfühlsam nachzuzeichnen.

Gedenktage:

1976: Ende des „Radikalenerlasses“: Mit der Verabschiedung neuer Richtlinien endet der umstrittene Erlass, mit dem die Verfassungstreue von Bewerbern für den öffentlichen Dienst überprüft werden sollte. Die rigorose Anwendung in der Vergangenheit war oft einem Berufsverbot gleichgekommen und hatte zu Protesten auch aus dem Ausland geführt.

1910: „Weltuntergang“ überlebt – die Hysterie angesichts der Wiederkehr des Halleyschen Kometen in Europa erweist sich als zu früh: Die Welt geht noch nicht unter, nicht einmal das verheißene grandiose Schauspiel am Himmel ist zu sehen, da vom Kometen trotz der heutigen größten Erdnähe nicht viel zu erkennen ist. Erst 1986 wird er seinen nächsten „Auftritt“ haben.

1906: Der 19,8 km Simplon-Tunnel, der Italien mit der Schweiz verbindet, wird heute in Brig im Kanton Wallis für den Zugverkehr freigegeben. Sieben Jahre dauerten die Bauarbeiten zum längsten Eisenbahntunnel der Welt.

1883: Der amerikanische Abenteurer William Frederick Cody startet heute unter dem Künstlernamen Buffalo Bill in Omaha/Nebraska seine Tournee mit der ersten Wildwest-Show der Welt, die ihn zunächst durch die USA und Kanada führt. Die Vorführungen mit Indianerüberfällen und Reiter- und Schießkunststücken finden später auch in Europa begeisterte Anhänger.

1568: Ausgerechnet zu ihrer Widersacherin, der englischen Königin Elisabeth I., hatte sich Maria Stuart, bis 1567 Königin von Schottland, vor einem heimischen Adelsaufstand geflüchtet: Diese lässt ihre Rivalin, die Anspruch auf den englischen Thron erhebt, heute kurzerhand verhaften. 19 Jahre wird die Gefangenschaft dauern und mit ihrer Hinrichtung enden.

Geburtstage:

1952: Grace Jones; US-amerikanische Sängerin, Fotomodell und Schauspielerin. Die in New York aufgewachsene schwarze Schöne startete ihre Karriere als Model für Modezeitschriften wie Elle und Vogue, bevor sie eine Laufbahn als Sängerin einschlug („La Vie En Rose“). Darüber hinaus sah man sie im James-Bond-Agententhriller „Im Angesicht des Todes“ (1985).

1926: Peter Zadek; deutscher Theater- und Filmregisseur. 1933 emigrierte der Berliner mit seiner Familie nach London und zählt heute zu den ganz Großen seiner Zunft. Ob in Bochum, Berlin oder Hamburg, seine ebenso spektakulären wie umstrittenen Inszenierungen (u.a. „Lulu“, 1988 und „Endspiel Hamlet“, 1999) wurden vom Publikum und in den Medien rege diskutiert. Im Frühjahr 2006 wurde Zadek die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Stadt Hamburg verliehen.

1890: Ho Chi Minh († 3.9.1969); vietnamesischer Politiker und galt international als Symbolfigur des Kampfes gegen die USA. Der Gründer und Staatspräsident der Demokratischen Volksrepublik Vietnam behauptete sich und seine junge Nation im Indochinakrieg gegen Frankreich und unterstützte die südvietnamesische Befreiungsbewegung im Krieg gegen die Vereinigten Staaten.

1762: Johann Gottlieb Fichte († 29.1.1814); deutscher Philosoph. Kein Privatbesitz, schöpferische und freie Menschen in einer Gesellschaft, die durch Vernunft bestimmt ist –nicht von ungefähr gilt der berühmte Denker, der 1810 erster gewählter Rektor der Universität Berlin wurde und für die „Wissenschaftslehre“ plädierte, als Begründer des deutschen Idealismus.

1611: Innozenz XI., eigentlich Benedetto Odescalchi († 12.8.1689); Papst ab 1676. Seine durchaus weltliche Macht nutzte er dazu, König Ludwigs XIV. Ansprüche auf die französische Kirche zurückzuweisen und gemeinsam mit Polen, Ungarn und dem Heiligen Römischen Reich die Türken vor Wien abzuwehren.

Copyright Rosmarie Elsner

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