Kalenderblatt Montag 20.3.2017

Kalenderblatt Montag 20. März 2017

Zitat des Tages: „Der Lebenskünstler weiß, dass es vor allem darauf ankommt, sich mit den richtigen Leuten zu vergleichen.“ Henrik Johan Ibsen (1828-1906)

neon-0060.gif von 123gif.de20.3.1848: Ludwig I. von Bayern: Abdankung unter Druck

Bayerns Monarch Ludwig I., im Zuge der Märzrevolution unter zunehmenden Druck von Seiten seiner Gegner geraten, dankt heute ab und übergibt nach 23 Jahren als König Thron und Krone an seinen ältesten Sohn Maximilian. Zum Verhängnis wurde dem Bayernkönig aber in erster Linie seine glühende Leidenschaft zur angeblich spanischen Tänzerin Lola Montez.

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Dabei hatte alles einmal so schön angefangen. Der Monarch und Kunstmäzen, dem München gerade hinsichtlich Kunst und Wissenschaft soviel zu verdanken hat, vermählte sich am 12. Oktober 1810 mit der hübschen Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Zu Ehren des jungen Brautpaares wurde auf der Münchner Theresienwiese ein mehrtägiges Volksfest gefeiert, mit dem das traditionelle „Oktoberfest“ begründet wurde. Die beim Volk beliebte Prinzessin schenkte dem Bayernkönig – Ludwig bestieg 1825 den Thron – insgesamt neun Kinder; über seine gelegentlichen Weibergeschichten sahen sie und das Volk großzügig hinweg. Schließlich liefen dem kunstbeflissenen Monarchen, als er seinen lang gehegten Wunsch, die Einrichtung einer Schönheitsgalerie in Schloss Nymphenburg, realisierte, wirklich die allerschönsten des schwachen Geschlechts über den Weg. Bei einer der letzten Porträtierten „erwischte“ es den in die Jahre gekommenen König dann aber gewaltig. Eine rassige, angeblich in Sevilla geborene Schöne namens Maria de los Dolores Porrys e Montez (der wirkliche Name der in einem irischen Dorf Geborenen lautete Elizabeth Rosanna Gilbert) betörte nicht nur Hofmaler Joseph Stieler, sondern schlich sich bei einer Audienz im Oktober 1846 ins Herz des für weibliche Reize anfälligen 60-Jährigen.

Die „femme fatale“, die mal als Schauspielerin, mal als Tänzerin durch die Lande tingelte, brachte nicht nur den König, sondern den Hof und das ganze Bayernland in Bedrängnis. Was ihre Herkunft anbelangte, fanden Zeitungsschreiber bald heraus, dass nichts von dem stimmte, was die fesche Lola von sich erzählte. Dem König war das egal, er förderte Lola, verschaffte ihr Auftritte am Hoftheater, schrieb ihr glühende Liebesbriefe, schenkte ihr ein prächtiges Haus und finanzierte ihr ausschweifendes Leben. Der Skandal weitete sich aus, als Ludwig seine Mätresse zur bayerischen Staatsbürgerin machen und ihr den Adelstitel Gräfin Maria von Landsfeld verleihen wollte. Wegen der „Babylonischen Hur“ kam es zu Tumulten unter den Bürgern, die ihren König beschworen, sich von der verhassten Unruhestifterin zu trennen.

Die Situation eskalierte derart, dass Ludwig, um Blutvergießen zu vermeiden, nachgab und Lola Montez – gegen seine Gefühle – im Februar 1848 ausweisen ließ. Einen Monat später gab der König seinen Rücktritt bekannt und zog sich nach Südfrankreich zurück, wo er im Februar 1968 im Seebad Nizza starb. Der Exgeliebten, die sich schon bald in den Armen anderer betuchter Liebhaber tröstete, widmete er die geläuterten Zeilen: „Den besten Freund, der jemals Dir geworden, Du stießest treulos ihn von Dir. Verschlossen waren Dir des Glückes Pforten, bloß folgend Deiner lüsternen Begier.“

Gedenktage:

1995: In Tokios U-Bahn sterben an diesem Montagmorgen zwölf Menschen, über 5.000 Fahrgäste werden teils schwer verletzt, nachdem Anhänger der Aum-Sekte während der Rush Hour Pakete mit Giftgas in mehreren U-Bahn-Wagen deponiert hatten. Für die Tat wird Sektenführer Shoko Asahara, verantwortlich gemacht.

1993: Der ostdeutsche Boxer Henry Maske nimmt dem amtierenden Weltmeister Charles Williams aus den USA den Titel ab und gewinnt nach zwölf Runden durch einen Punktsieg die IBF-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht.

1969: Beatle John Lennon und die japanische Künstlerin Yoko Ono geben sich in Gibraltar das Jawort. Die Flitterwochen will das frisch getraute Paar mit einer ungewöhnlichen Aktion für den Weltfrieden nutzen: In Amsterdam veranstalten sie unter den Augen der Weltpresse ein siebentägiges „Bed-in“.

1933: Durch den damaligen kommissarischen Polizeipräsidenten von München, Heinrich Himmler, wird bei Dachau das erste Konzentrationslager der Nationalsozialisten errichtet. Es dient zunächst der Inhaftierung von Sozialdemokraten, Kommunisten und anderen politischen Gegnern.

1890: Otto von Bismarck, Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident, verlässt die politische Bühne: Kaiser Wilhelm II. nimmt am heutigen Tage das von Bismarck zwei Tage zuvor eingereichte Entlassungsgesuch an.

Geburtstage:

1950: William Hurt; US-amerikanischer Filmschauspieler mit Theologiestudium. Für seine brillante Darstellung in Hector Babencos „Der Kuss der Spinnenfrau“ wurde er in Los Angeles und Cannes mit Preisen überhäuft. Zuletzt sah man ihn in der Literaturverfilmung „Jane Eyre“ und an der Seite von John Travolta in der Filmkomödie „Michael“.

1923: Ralph Giordano; deutscher Journalist, Schriftsteller, Dokumentarfilmer und TV-Reporter. Seine Erfahrungen der hautnah erlebten Judenverfolgung in der NS-Zeit verarbeitete der Publizist in seinem 1988 verfilmten Roman „Die Bertinis“ und in dem 1998 erschienenen Buch „Die Deutschlandreise – Aufzeichnungen aus einer schwierigen Heimat“.

1890: Benjamino Gigli († 30.11.1957); italienischer Opern- und Konzertsänger und Schauspieler. Der aus den Marken stammende Tenor mit der unvergleichlichen Stimme („Santa Lucia“) wirkte auch in diversen seichten Musikfilmen („Traummusik“, 1940) mit. Sein „Ave Maria“ rührt heute noch viele Zuhörer zu Tränen.

1828: Henrik Johan Ibsen († 23.5.1906); norwegischer Dichter und Theaterleiter. Der Begründer des modernen Dramas realisierte in seinen frühen Werken heimatlich-romantische Träumereien (zum Beispiel in „Peer Gynt“); in seinen Spätwerken („Nora“, „Die Wildente“) tritt verstärkt der symbolische Charakter zu Tage.

1770: Friedrich Hölderlin († 7.6.1843); deutscher Dichter, der Literaturwissenschaftlern nach wie vor reichlich Diskussionsstoff bietet. Zwar herrscht Einigkeit über die herausragende Qualität seines Werkes (u.a. „Hyperion“), doch die Interpretation der Gedichte und seine Persönlichkeit lassen auch heute noch viele Fragen offen.

Copyright Rosmarie Elsner

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