Audio: Das Wechselbälgchen

mb_lavant-wechselbälgchenAugust 2015 Mandelbaum Verlag
Christine Lavant

Das Wechselbälgchen

Klangbuch 48 S. mit 2 CDs. 24.90 €. 13 x 18 cm. ISBN: 978385476-479-3
Stimme: Sophie Rois
Musik: Franz Hautzinger, Matthias Loibner, Peter Rosmanith


 

Ein Gedicht!
Vorleserin, die schwer berührt
Instrumentierung, die verführt
Ein Inhalt, der human-obszön
Klanghörbuch zum Weinen schön

Wechselbälger, keusche Kinder
Teufelsväter – gar nicht minder
Seidenmenschlein, die erhaben
Napoleon- und Zitha-Schaben

baby-0165.gif von 123gif.de

Wechselbalg & Tausendgernchen
Honighäflein, Pflaumenkernchen
Ihr is‘ angewunschen worden
Satan kriegt den Vaterorden

Wird-scho-wern, alles in Butter
… Ibilimutter

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Feig sind heimliche Erzeuger
Kindsverführer und -beäuger
Unter Gattin’s Rock versteckt
Legal geschützt, nie entdeckt
… Grundverdreckt

Inzucht, Geilheit, Aberglauben
Vieler Menscher Würde rauben
Gesinnung, enger als das Tal
Frauenverachtung abnormal
… Echt fatal

Mann Evolutions-Irrläufer
Seelenschänder und -verkäufer

Verändert hat er sich, der Lenz
Ein Herr wurde der Bauernstenz
Staatsangestellt: fein sozusagen
Gatte, darf die Gattin schlagen
… Noch Fragen?

Latent vorhanden: Mordabsicht
Doch darüber spricht man nicht
Liegt gut greifbar in der Luft
Macht den Lebensraum zur Gruft
… Todesduft

Als die Wellen es verschlangen
Hat’s zu Leben angefangen
In dem Tal, dem bittersüßen
Irrläufer Mensch lässt grüßen
© PTM/Gedichteschmiede

 


2015 jährte sich der Geburtstag von Christine Lavant zum hundertsten Mal. Ein Anlass, die Prosa der großen Lyrikerin neu zu entdecken. In der nun als Klangbuch erscheinenden Erzählung »Das Wechselbälgchen« spricht Sophie Rois diesen magischen Text. Ein Glücksfall, denn ihre raue, unverwechselbare Stimme transportiert Lavants Text zwingend, direkt und ohne Sentimentalität.

Erzählt wird die Geschichte von Zitha, sie ist das uneheliche Kind einer Bauernmagd, geistig zurückgeblieben und körperlich entstellt. Die Leute im Dorf, so katholisch wie abergläubisch befangen, haben für das Schicksal des Mädchens eine einfache Erklärung: Der Teufel hat der unglücklichen Magd einen Wechselbalg untergeschoben.

Christine Lavant schöpft bei dieser Erzählung aus ihren eigenen schmerzlichen Erfahrungen. Von Kindheit an litt sie an schwersten Erkrankungen. Sie kennt das Milieu des abgeschlossenen, von Inzucht und Aberglauben geprägten Tals gut. Nahezu ohne formale Schulbildung aber mit außergewöhnlicher Sensibilität und scharfem Intellekt, beginnt sie schon in den 1930er Jahren zu schreiben und wurde schon zu Lebzeiten bekannt und für ihre Lyrik durch Preise geehrt.

Sophie Rois, eine der profiliertesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum, erzählt die Geschichte voll archaischer Wucht und Gegenwärtigkeit.
Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Peter Rosmanith gestalten mit ihrer ungewöhnlichen Instrumentierung (Trompete, Drehleier und Perkussion) einen fiebrig rauen Soundtrack, der scheinbar absichtslos die Wörter umspielt und dem Text die Räume öffnet, die er braucht.
Christine Lavant (eigentlich Christine Habernig, geb. Thonhauser): 4. Juli 1915 – 7. Juni 1973.
Eine Produktion des ORF in Zusammenarbeit mit dem mandelbaum verlag

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